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Theaterpädagogische Werkstatt an der Füchtorfer Grundschule

„Das Kind hat nie schuld“

Füchtorf

Die Schulleiterin der Emanuel-von-Ketteler-Grundschule ist froh: In diesem Jahr konnte Marlies Borisch für ihre dritten und vierten Jahrgänge wieder einen Termin für das Programm „Mein Körper gehört mir“ der theaterpädagogischen Werkstatt in Osnabrück festmachen. Auch die Kinder sind begeistert von den Spielszenen und der eingängigen Musik. Nur der Begriff „sexueller Missbrauch“ ist der 3a vollkommen neu.

Von Ulrike von Brevern

Die Theaterpädagogen (v.l.) Felix Brockhaus und Marie Groß reißen die Kinder mit. Foto: Ulrike von Brevern

„Was habt ihr über sexuellen Missbrauch gehört?“ Die Kinder der 3a der Füchtorfer Grundschule, die eben noch eifrig aufgezeigt und mitgefiebert haben, schweigen. Felix Brockmann und Marie Groß von der Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück warten geduldig. Sie sind mit dem Projekt „Mein Körper gehört mir“ an der Schule. Einen Teil des dreiteiligen Programms haben die Kinder schon gesehen, der letzte wird in der kommenden Woche folgen.

Schulleiterin Marlies Borisch ist froh, dass es in diesem Jahr mit dem Projekt wieder geklappt hat. Zwei Jahre war Coronapause und im vergangenen Jahr hatten die Füchtorfer keinen Termin mehr ergattern können. Entsprechend aufgeregt seien die Kinder. Regulär steht das Projekt alle zwei Jahre auf dem Schulkalender.

Die Klasse 3a ist voller Engagement dabei. Foto: Ulrike von Brevern

Musik und Spielszenen unterstützen die Theaterpädagogen dabei, Kinder für das Thema sexueller Missbrauch zu sensibilisieren und ihnen Auswege aufzuzeigen. Im ersten Teil sollten die Kinder lernen „Ja“ – und „Nein“ – zu identifizieren, erläutert Marie Groß – „Ja“ bei Pizza und Ponys, „Nein“ bei Backpfeifen. Und sie haben gelernt, laut „Nein“ zu sagen, wenn es nötig ist. Das hat bei der 3a wunderbar geklappt. Die Kinder können sich gut erinnern.

Jetzt geht es darum, den Begriff sexueller Missbrauch einzuführen und kindgerecht zu definieren. Doch die jungen Füchtorferinnen und Füchtorfer schweigen weiter. Erleichtert schütteln sie die Köpfe bei der Frage, ob sie den Begriff überhaupt schon gehört hätten.

Um so wichtiger was folgt: Die Erkenntnis, das schon die Berührung durch einen Fremden ein solcher Missbrauch sein kann, ebenso wie die Handlung eines Exhibitionisten oder das Anlocken eines Kindes in einem Internetchat. „Das Kind hat nie Schuld“, betonen die Pädagogen, und ermuntern die Kinder, sich Hilfe zu suchen.

Die drei Fragen, die sich die Kinder stellen sollten, hat Marie Groß auch als Plakat mitgebracht. Foto: Ulrike von Brevern

Um in unbekannten Situationen nicht in Schwierigkeiten zu kommen, sollten sie sich drei Fragen stellen, lernen sie: Habe ich ein Ja- oder ein Nein-Gefühl? Weiß jemand, wo ich bin? Bekomme ich Hilfe, wenn ich Hilfe brauche? Aber sexuellen Missbrauch gibt es nicht nur durch Fremde. Im Gegenteil. Aber darum geht es erst in der nächsten Woche und die Kinder freuen sich darauf.

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