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Traditionsgeschäft sucht Nachfolge

Edith Kipp hört auf

Sassenberg

Nach fast 30 Jahren hört Edith Kipp auf. Generationen von Schulkindern haben bei ihr die Schulhefte gekauft, nun ist sie auf der Suche nach einem Nachfolger.

Von Ulrike von Brevern

Besonders die Schulkinder liegen Edith Kipp am Herzen, die seit fast 30 Jahren ihr Schreibwaren- und Geschenkartikelgeschäft in unmittelbarer Nähe der Sekundarschule führt. Foto: Ulrike von Brevern

Generationen von Sassenberger Schulkindern haben bei Edith Kipp ihre Schulhefte, Stifte und Farbkästen gekauft. Jetzt will die 66-Jährige aufhören. Seit Samstagabend steht das Geschäft an der Ecke Fliederstraße, Füchtorfer Straße auf Ebay-Kleinanzeigen zur Vermietung, verbunden mit dem Wunsch einen Nachfolger zu finden. „Tatsächlich haben sich erste Interessenten schon gemeldet“, sagt Ehemann Heinrich Kipp mit etwas überraschtem Unterton. Ob das Passende dabei war, verrät er nicht.

Genau am 1. Mai 1992 startete Edith Kipp mit dem Schreibwaren- und Geschenklädchen im Untergeschoss des eigenen Wohnhauses. Auf die Idee war sie gekommen, nachdem ihre Bekannte Monika Krimphoff das Schreibwarengeschäft einige hundert Meter weiter geschlossen hatte. „Ich dachte, da hätte ich wohl Spaß dran“, erinnert sich Kipp, die auf der Suche nach einer selbstständigen Tätigkeit war, die sich mit ihrer Familienarbeit verbinden ließe. Das es für die gelernte Friseurin allerdings nicht der eigene Salon sein sollte, war klar: zuviel chemische Belastung.

Heinrich Kipp

In den ersten Jahren mussten die jungen Kunden mit ihren Eltern zu Schuljahresbeginn oft geduldig in einer langen Schlange warten, erinnert sich Heinrich Kipp. der ansonsten wenig mit dem Geschäft zu tun hatte, lächelnd. Für die Einführung der Computerkasse war allerdings doch er verantwortlich: „Das war die erste in Sassenberg“, meint er stolz.

Nach der Jahrtausendwende änderte sich das Geschäft mit den Schreibwaren langsam. Immer häufiger stehe Preis statt Qualität im Mittelpunkt. Auch Selbstständige blieben aus, die früher ihren Bürobedarf teilweise noch über den Einzelhandel gedeckt hatten.

Es sind gerade die Kinder, die Edith Kipp an ihrer Arbeit besonders liebt. Dass sie als Frühaufsteherin ihr Geschäft schon vor der Schule geöffnet hatte, machte es vielen Familien einfach, gleich auf dem Schulweg noch für die nötigen Hefte und Stifte zu sorgen.

Inzwischen bringen die ersten Kunden von einst schon ihre eigenen Kinder mit dem Materialzettel für die Schule ins Geschäft. Bei Unsicherheit telefoniert die Ladeninhaberin dann auch durchaus mal mit den zugehörigen Schulsekretariaten: „Dann kriegen wir das wieder hin! Sie sollen ja das richtige bekommen.“ Kein Wunder, dass viele Kinder sie selbst in der Stadt erkennen.

Während Discounter und Internet an der Schreibwarenseite knabberten, so wandelte der neueingeführte Boutiquebereich der Möbelmärkte den Geschenkwarenbereich, erinnert sich Heinrich Kipp. Doch weder das geänderte Kaufverhalten, noch der Corona-Lockdown,seien Grund für das Aus, dass spätestens zum Jahresende erfolgen soll. „Wir hatten all die Jahre nur eine Woche Urlaub im Jahr“, sagt Heinrich Kipp, der nach seiner Tätigkeit bei Bausch-Linnemann schon lange in Rente ist. „Jetzt wird es aus meiner Warte auch Zeit, kürzerzutreten und mal länger wegzufahren.“ Das passende Wohnmobil ist schon besorgt.

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