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Nachlese zur Bundestagswahl

Ein Lob an den fleißigen Wähler

Sassenberg

Die hohe Wahlbeteiligung, die in Sassenberg bei rund 80 Prozent klag, erfreute die Vertreter aller Parteien. Wie letztlich die Regierungskonstellation in Berlin aussehen wird, ist allerdings noch unklar.

Von Ulrike von Brevernund

Im Sitzungssaal des Rathauses informierten sich Werner Berheide (CDU) (l.) und Klaudius Freiwald (SPD) am Wahlabend über einen großen Fernsehbildschirm über die aktuellen bundesweiten Hochrechnungen . Foto: Michèle Waßmann

„Dass wir so viele Menschen mobilisieren konnten ist ein großes Signal für eine funktionierende Demokratie“, rückte Johannes Philipper, Ortsparteivorsitzender der FDP am Tag nach der Bundestagswahl einen ganz anderen Aspekt als Parteien, Koalitionen und Machtgefüge mit in den Blick seiner Wahlnachbetrachtung. Und damit steht er nicht alleine. Auch Bürgermeister Josef Uphoff freute sich merklich, darüber, wie viele Sassenbergerinnen und Sassenberger sich zum Urnengang berufen gefühlt hatten: „80 Prozent – Hut ab! So eine Wahlbeteiligung hat eine Bundestagswahl verdient.“ Der stellvertretende Vorsitzende der Sassenberger Ortsunion, Werner Ber­heide dankte den Wählern ausdrücklich: „Viele Wähler stärken die Demokratie. Ich hätte ehrlich gesagt mit weniger gerechnet.“

Michael Franke (SPD)

Grund zur Freude hatte am Tag nach der Wahl besonders Michael Franke, Fraktionsvorsitzender der SPD im Sassenberger Rat. „Ich war ein bisschen begeistert“, sagte er mit einigem Understatement über das bundesweite Ergebnis. SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz habe einen tollen Wahlkampf gemacht. Aber auch das Sassenberger Abschneiden der Sozialdemokraten mit einem Plus von rund sieben Prozentpunkten bei den Zweitstimmen gegenüber der Bundestagswahl 2017 gibt ihm Hoffnung: „Das Potenzial ist da, auch im schwarzen Sassenberg“, hält der Sozialdemokrat fest. Nun heiße es für seine Partei allerdings weiter zu kämpfen. Dass Olaf Scholz auch Kanzler werde, sähe er noch lange nicht als ausgemacht an. „Man kann auch eine Wahl gewinnen und trotzdem Zweiter werden.“

Georg Hartmann-Niemerg, Sprecher der Sassenberger Grünen, macht von seiner Hoffnung auf eine Zusammenarbeit von Rot und Grün keinen Hehl, äußerte allerdings große Skepsis gegenüber einer Zusammenarbeit mit der FDP. Grüne Politik heiße schließlich mehr als Klima und Umwelt. Es gebe auch sozialpolitische Ziele. „Ich finde das Ergebnis okay“, sagte er mit einem Zögern in der Stimme. Umgekehrt: „Wären die Erwartungen am Anfang nicht so hoch gehängt worden, würden wir uns jetzt ein Loch in den Bauch freuen.“ Auch in Sassenberg habe sich das Ergebnis schließlich mehr als verdoppelt. 2017 erhielten die Grünen noch 5,7 Prozent der Zweitstimmen im Ort, in diesem Jahr waren es 11,8 Prozent. Entscheidend ist für ihn: „Wir brauchen einen Wandel und da müssen wir jetzt auch mit Ernsthaftigkeit ran.“

Seine Wunschkoalition bestünde aus SPD, Grünen und FDP, wobei die FDP „Federn lassen müsse“. Auch Philipper sieht eine Ampel in Berlin kommen. Allerdings: „Wenn Grüne und FDP eine gemeinsame Linie finden, dann wäre das eine, die beide CDU und SPD mitgehen könnten“, vermutet er.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Helmut Peitz könnte sich auch vorstellen, „dass jetzt die Stunde von Armin Laschet schlägt, als Mann der Brücken baut.“ Sein Parteikollege Berheide allerdings empfiehlt für die kommenden vier Jahre eher die Oppositionsbank. „Man kann das Ergebnis nicht schön reden: Wer soviel verliert, hat glaube ich nicht den Anspruch auf eine Regierungsbildung.“ Während Peitz empfiehlt. auf alle Bürger offensiver zuzugehen, ist es für den Vorsitzenden der Ortsunion entscheidend, vor allem wieder junge Menschen für die Politik seiner Partei zu interessieren. Das sieht SPD-Mann Franke bei allem Rückenwind, den das Ergebnis möglicherweise auch lokal bedeuten könne, für seine Partei ebenso. Für alle Parteien sei es jetzt eine wichtige Aufgabe, die Jugend anzusprechen.

Ein Thema, das die Lokalpolitiker weiter umtreibt, ist das Abschneiden der AfD. „Es scheint inzwischen einen harten Kern von AfD-Wählern zu geben. Das ist bundesweit jeder Zehnte“, bedauert Hartmann-Niemerg. FDP-Mann Philipper registriert hingegen zufrieden, dass die Rechtsaußen-Partei insgesamt schwächer geworden sei. „Das Abschneiden der AfD ist der zweitgrößte Sieg dieser Wahl“, betont SPD-Mann Franke.

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