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Stadt sucht Wohnraum für Geflüchtete

Familien sollen zur Ruhe kommen

Sassenberg

Auf dem Gelände der alten Kita im Herxfeld soll nach jüngsten Plänen eine neue Kita entstehen. Für die dort untergebrachten geflüchteten Männer wurden neue Unterkünfte gefunden. Doch jetzt musste Sozialamtsleiter Helmut Helfers in den Räumen zunächst zwei Familien unterbringen. Ihm fehlen Familienwohnungen.

Von Ulrike von Brevern

Rund um die alte Kita im Herxfeld ist für den anstehenden Abriss schon alles kahl geschnitten. Doch noch wohnen Flüchtlingsfamilien hier, für die Helmut Helfers (links) Wohnraum sucht. Foto: Ulrike von Brevern

Ursprünglich sollte der alte Kindergarten im Herxfeld, der anschließend für einige Jahre als Wohnheim für Flüchtlinge diente, schon Ende des Jahres freigezogen sein. Schließlich soll auf dem Gelände in diesem Jahr die neue Kita wachsen, deren Planung am Steinbrink nicht zu einem guten Ende gekommen war (WN berichteten). Fast hätte Sozialamtsleiter Helmut Helfers der qua Amt in beiden Projekten engagiert ist, das Ziel auch erreicht, doch spätestens seit Weihnachten ist wieder alles anders.

Drei Familien allein in diesem Jahr

Die Zahl zugewiesener Asylbewerber steigt wieder. Das hatte Helfers bereits Ende des Jahres registriert. Jetzt liegen die abschließenden Zahlen vor: „44 Menschen wurden Sassenberg 2021 zugewiesen, allein 28 davon im letzten Drittel des Jahres“, referierte Helfers am Dienstag vor dem Sozialausschuss. In den ersten Wochen 2022 sind bereits wieder 14 Menschen angekommen – eine Frau und drei Familien.

Und genau das ist das Problem, mit dem Helfers kämpft. Für Familien hat er keine Bleibe. „Wir nehmen die uns zugewiesenen Menschen herzlich gerne auf“, versichert er für die Stadt, „aber während einzelne Personen noch unterzubringen sind, brauchen Familien einen abgeschlossenen Raum, in dem sie zur Ruhe kommen können.“ Bereits zu Weihnachten hat er deshalb die ehemals von Männern bewohnte Unterkunft im Herxfeld der ersten Familie zugewiesen. Aktuell sind dort zwei Familien untergebracht „und das gefällt mir überhaupt nicht“, bekennt Helfers. Dringend bittet er diejenigen, die Wohnraum vermieten könnten, sich an die Stadt zu wenden.

Die Stadt tritt als zuverlässiger Mieter auf

Insgesamt liege die Zahl der hier lebenden Geflüchteten bei etwa 350. Inzwischen kann die Stadt sie in 13 eigenen Gebäuden vom Wohnheim bis zum Einfamilienhaus unterbringen. Zusätzlich sind 20 Wohnungen angemietet, in der Regel für vier- bis sechsköpfige Familien. Insgesamt 40 geflüchtete Familien sind derzeit zu betreuen, nennt Helfers auf Anfrage aktuelle Zahlen.

Für die angemieteten Wohnungen stehe immer die Stadt gerade, beruhigt Helfers mögliche Sorgen. Mit ihr werde auch der Mietvertrag geschlossen: „Wir sind solvente Mieter und zahlen pünktlich zum ersten“, scherzt er. Gezahlt würden allerdings keine überteuerten Mieten. „Wir wollen den Markt nicht kaputt machen und den Mietzins nicht in die Höhe treiben“, betont Helfers. Gezahlt werde nur, was auch vor dem Jobcenter Bestand habe.

Unterstützung für Vermieter bei Konflikten

„Unsauberkeit, Lautstärke, Geruchsbelästigungen – das sind so die Vorbehalte“, zählt Helfers Bedenken mancher Vermieter auf. „Aber wir lassen die Vermieter nicht im Regen stehen“, beruhigt er. Sowohl die städtischen Hausmeister als auch die Flüchtlingskoordinatorin seien im Boot, um mögliche Probleme zu lösen. Zu Beginn sei oft das Befüllen der diversen Mülltonnen für die Neubewohner schwierig. Von anderen werde der Treppenhausreinigungsplan oder das Konzept der Sperrmüllabfuhr nicht verstanden. „Doch wenn wir das erklären, klappt das meist.“

In den Mietverträgen werde festgehalten, dass die Wohnungen nur an Familien weitergegeben werden. Haben die sich erst einmal eingelebt, wollen sie oft gar nicht mehr raus. „Wir haben uns gerade eine Einbauküche gekauft, wir wollen gar nicht weg“, habe er zum Beispiel als Antwort bekommen, als er eine Wohnung mit einer neuen Familie belegen wollte. Es gebe für sie aber eben auch keine Alternativen auf dem Markt.

Doch so muss die Stadt immer wieder neu suchen. Eine Familie kann Ende Februar im Herxfeld ausziehen, doch für die zweite, eine vierköpfige afghanische Familie, hat Helfers noch keinen Rat. Spätestens Anfang April muss jedoch auch sie das Quartier räumen, dann kommen die Bagger für die Kita.

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