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Wanderung im Brook

Fundstücke in idyllischer Kulisse

Sassenberg

Das dichte und weitläufige Waldgebiet des Sassenberger Brook am östlichen Stadtrand eignet sich perfekt für einen Spaziergang. In Corona-Zeiten bietet das 87,5 Hektar große Gelände auf den auffällig rechtwinklig angelegten historischen Wegen jede Menge ausreichend Abstand zu anderen Naturfreunden. Und es bietet einige interessante Fundstücke auf dem Weg.

Peter Sauer

Das Fünf-Wunden-Kreuz soll der Legende nach an einen Überfall kroatischer Bauern erinnern, der von heimischen Bauern und ihren zu Hilfe eilenden Nachbarn erfolgreich niedergeschlagen wurde. Foto: Peter Sauer

Inmitten eines dichten Baumbestandes aus Birke, Buche, Eiche, Esche und Pappel und einer wild wuchernden Pflanzenwelt kann man besonders im hinteren Teil des Brook fast für sich ganz alleine sein – mal von der Tierwelt abgesehen, die hier mit Rehwild, Igel, Marder, Buntspecht, Distelfink, Grünspecht, Kernbeißer und Fledermäusen vielfältig aufgestellt ist. Aber auch die Bodendenkmäler lohnen einen Besuch.

So finden sich am ehemaligen Fasanenwärterhäuschen, gegenüber des heutigen Hauses Baune/Strotmann an einer Weggabelung verwitterte Grenzsteine, gut versteckt zwischen allerlei verranktem Totholz. Reibt man ein bisschen Moos ab, kommen Zahlen, Figuren und Buchstaben zum Vorschein. Leider zu verwaschen, um einen Sinn zu ergeben.

Alte Grenzsteine, die ihre Geschichte nicht preisgeben. Foto: Peter Sauer

Folgt man hier dem Weg in Richtung Osten, erreicht man das Waldwärtergehöft Haus Tarner. Zwei alte Steinpfeiler mit rostigen Scharnieren lassen vermuten, dass hier wohl früher die Schranke des ehemaligen Jägerhauses für den östlich sich ausdehnenden Tiergarten gestanden hat.

Folgt man nun dem „Sassenberger Weg“ (S-Beschilderung) überrascht den Wanderer in einem dicht bewachsenen Wäldchen ein ungewöhnliches Holzkreuz – mit drei in der Länge differierenden waagerechten Balken und kleeblattförmigen Enden. Der Name „Fünf-Wunden-Kreuz“ wurde laut Heimatforscher Hans Christoph Fennenkötter von einem längst abgebrochenen alten Bildstock übertragen, der wenige hundert Meter entfernt auf der sogenannten Fünf-Wunden-Heide gestanden hatte. Demnach war das 1922 errichtete, drei Meter hohe Kreuz bereits das neunte an dieser Stelle. Die hölzerne Schriftplatte zeigt die griechischen Buchstaben Alpha und Omega (Anfang und Ende), darunter im Halbrelief das Osterlamm mit der Siegesfahne.

Die Schriftplatte des „Fünf-Wunden-Kreuzes“ zeigt ein Opfer-Lamm und die griechischen Buchstaben Alpha und Omega. Foto: Peter Sauer

Das Kreuz soll – laut einer sich hartnäckig haltenden Legende – an einen Überfall plündernder Kroaten auf den Hof Hovestadt in Dackmar erinnern, der mit dem Rückzug der Kroaten endete. Demnach begruben sie ihre Erschlagenen hier und errichteten das erste Kreuz. Es passt auch gut in die Corona-Zeit. So steht dort geschrieben: „Die sanften Lämmer siegen, wo Löwen unterliegen. Geduld im Kreuz gibt Stärke!“

Auf der Rückkehr zur Innenstadt empfiehlt es sich, am Hof Eggersmann kurz innezuhalten. Am Schnittpunkt zweier Alleen aus fürstbischöflicher Zeit steht seit 1745 der Marien-Bildstock „Heynen Beld“, gut geschützt im Halbrund des dichten Birkengrüns. Ein magischer Ort, der auf Anhieb Geborgenheit ausstrahlt. Das lieblich erscheinende Maria-Motiv mit barocken Sockel und Aufbau gibt das um 1650 entstandene wundertätige Gnadenbild der „Glorreichen Jungfrau von Warendorf“ wieder, das heute in der St.-Laurentius-Kirche in Warendorf steht und um Mariä Himmelfahrt besonders verehrt wird. Der Bildstock war früher die vorletzte Station der alten Sassenberger Flurprozession. Jetzt gibt er dem Wanderer Kraft für die Rückkehr in die „Zivilisation“.

Am Schnittpunkt zweier Alleen steht seit 275 Jahren der Marien-Bildstock. Foto: Peter Sauer
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