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Westlinnings nutzen 80 Hektar Land rund um den Hof für den Futteranbau

Gerste folgen Triticale und Weizen

Sassenberg

Mähdrescher sind wieder unübersehbar unterwegs. Für Andreas Westlinning kommen sie sogar überraschend spät. Ursprünglich hatte der junge Landwirt in diesem Jahr mit einem sehr frühen Beginn der Getreideernte gerechnet, denn das trockene Frühjahr hatte die Gerste schnell reifen lassen. Doch am Ende wurde daraus nichts.

Ulrike van Brevern

Paul, Markus und Andreas Westlinning sind leidenschaftliche Landwirte. Am Triticale-Acker hinter dem Bullenstall haben sie in diesem Jahr die Präzisionsdüngung mit Gülle getestet. Foto: Ulrike van Brevern

Der 28-Jährige bewirtschaftet gemeinsam mit seinem Vater Paul einen ansehnlichen Hof in Dackmar. 300 Bullen und 760 Schweine stehen im Stall. Dazu kommen zehn Pferde. Die Landwirte sind nicht nur als Reiter, sondern auch als Pferdezüchter aktiv. 80 Hektar Land rund um den Hof nutzen sie für den Futteranbau – „eigenes Land, kein gepachtetes“, betont Paul Westlinning stolz.

Nun führt der Hofnachfolger gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Markus über die Felder, um anschaulich zu machen, wie die verschiedenen Getreidearten zu unterscheiden sind. Markus Tochter Mila wirbelt fröhlich voraus. Beide Brüder haben von ihrem Vater die Leidenschaft für den Beruf des Landwirts geerbt. Die Nachfolgefrage stellt sich anders als auf vielen anderen Höfen hier gar nicht erst.

Futterbedarf bestimmt Anbaumix

Der Futterbedarf der Tiere auf dem Hof bestimmt den Anbaumix auf den Äckern. Die Landwirte lagern das Getreide in eigenen Silos, bis es verfüttert wird. Zum Verkauf stand bislang ein Teil des Strohs, doch dieser Markt sei eingebrochen, erzählt Paul Westlinning. So werde jetzt wohl mehr Gehäckseltes auf dem Acker bleiben und zur Humusbildung beitragen.

Die verschiedenen Getreidearten lassen sich an der Form der Ähre und der Länge ihrer Grannen – der borstenartigen Auswüchse – unterscheiden, demonstrieren Andreas und Markus Westlinning. Während die dicke, kantige Weizenähre gar keine Grannen besitzt, sind sie bei der Gerste so lang, dass sie die einzelnen Pflanzen auf dem Acker wie durch einen Weichzeichner verwischen.

Keine Verwechslungsgefahr: Gerste hat die längsten Grannen der vier Getreidearten, Weizen gar keine. Foto: Ulrike van Brevern

Schäden durch das trockene Frühjahr

So malerisch samtig das fast erntereife Gerstenfeld dadurch aussieht – ganz zufrieden ist Andreas Westlinning nicht. Er macht auf unverkennbare Schäden durch das trockene Frühjahr aufmerksam: Manche Ähren sind nur halblang ausgebildet, bei anderen sind die Fruchtstände teilweise leer.

Gewinner der jüngsten Klimabedingungen könnte der Roggen werden, der mit Trockenheit besser zurechtkomme, bemerkt der Junglandwirt und deutet auf das große Feld seines Nachbarn. Das Problem für ihn: „Roggen schmeckt den Tieren nicht so.“

So baut er selber nur Grünroggen an. Der wird schon im Mai als ganze Pflanze gehäckselt und siliert: „Danach schmeckt alles süß.“ Als Körnerfrucht setzt Westlinning neben Gerste und Weizen auf Triticale – eine Kreuzung von Roggen und Weizen.

Markus Westlinning

Als die Triticale in diesem Jahr mit Gülle gedüngt wurde, probierten die Landwirte erstmals modernste Hightech aus, erzählt Andreas Westlinning. Das sogenannte „Precision Farming“ kann am Ende auch dem Grundwasserschutz dienen. Denn Gülle ist als Naturdünger niemals gleich. Bei dem Hightech-Verfahren misst ein Sensor während des Ausbringens die Inhaltsstoffe und passt die Güllemenge laufend stickstoffgenau an den errechneten Bedarf der Fläche an. „So genau haben wir noch nie gedüngt“, freut sich der Junior. Allerdings sei die Technik auch so teuer, dass die Anschaffung nur für Lohnunternehmer lohne.

Die Mähdrescher sind jetzt als erstes mit der Gerste beschäftigt. Triticale und Weizen werden in rund vier Wochen folgen. Dass der Regen, der den anderen Getreidearten gut tut, den frühen Erntebeginn der Gerste verschoben hat, kann Andreas Westlinning zunächst nicht aus der Ruhe bringen. Dieses Getreide sei im Gegensatz zu den anderen robust genug für die späte Nässe. Ein wenig könne sie dadurch sogar noch profitieren: Der Regen löse die Grannen und lasse die Ähren hängen, erklärt er. „Das erleichtert das Dreschen. Dann gibt’s ein schön sauberes Korn.“

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