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Der kalte Wind muss draußen bleiben

Gnadenkirche bekommt neue Kirchentür

Sassenberg

Nach rund 70 Jahren hat die Eingangstür der evangelischen Gnadenkirche ausgedient. Da half die liebevollste Pflege nichts. Die neue Tür hält jetzt auch die Kälte draußen.

Von Ulrike von Brevern

Die Gesellen Rainer Vossiek (l.) und Leon Rother hängen die neue Eingangstür der Gnadenkirche eine. Foto: Ulrike von Brevern

Es ist dunkel, windig und vor allem regnet es, als Leon Rother und Rainer Vossiek mit ihrer Arbeit beginnen. „Kälte ist nicht schlimm, aber Regen, das ist beim Einbau gar nicht gut“, beklagt Altgeselle Vossiek. Aber das hilft nun auch nichts. Nach gut 70 Jahren hat die Eichentür an der evangelischen Gnadenkirche ausgedient. In der Weihnachtszeit hatte die Gemeinde um Spenden gebeten, um sie ersetzen zu können.

1952 fehlte das Geld für Jahrhundertwerke

Der Ausbau der relativ leichten Tür mit dem hübschen, für die 50er-Jahre typischen Wellenmuster ist schnell geschafft. Jetzt ist noch besser zu sehen, wie intensiv der Zahn der Zeit trotz liebevoller Pflege am Holz genagt hat. Anders als bei großen Kathedralen war 1952, als die Gnadenkirche entstand, kein Geld da, um für Jahrhunderte zu bauen. Die überwiegend aus geflüchteten Menschen aus den ehemaligen Ostgebieten gebildete Gemeinde konnte sich nur mit finanzieller Unterstützung Dritter und sehr viel persönlichem Einsatz überhaupt die eigene kleine Kirche leisten.  

Beim Licht starken Bauleuchten bauten die Handwerker die alte Tür (im Vordergrund) aus und parkten sie auf dem Kirchplatz. Foto: Ulrike von Brevern

Aber nicht nur das Holz ist an den neuralgischen Punkten verrottet, auch die ganze Tür war verzogen und hielt trotz gründlicher Überarbeitung im Jahr 2014 Wind und Wetter nicht mehr zuverlässig draußen. Die alten Halterungen, die noch durch das Holz des Rahmens gebohrt und von außen festgeschraubt waren, flext Vossiek ab. „Die waren fest vermörtelt, wir machen das jetzt anders“, sagt er. Die Männer sputen sich. „Bis Mittag muss die neue Tür hängen, sonst schaffen wir die Restarbeit nicht bis zum Abend“, weiß der Altgeselle aus Erfahrung.

Neuer alter Farbton

Die neue Tür ist ebenfalls aus Eiche, nimmt das Wellenmuster durch ein modisch klares Streifenmuster ein wenig wieder auf, allerdings präsentiert sie sich in einem auffallend hellem Farbton. Das sei früher einmal tatsächlich auch der Farbton der Ursprungstür gewesen, berichtet Pfarrer Michael Prien. Erst die Pflegeanstriche ließen sie nachdunkeln bis sie zwischenzeitlich beinahe schwarz wirkte.

Leon Rother bereitet die Montage des neuen Türrahmens vor. Foto: Ulrike von Brevern

Beim Gewicht unterscheiden sich die Türen nur wenig, wissen Rother und Vossiek nach getaner Arbeit. Allerdings kann die neue Tür mehr. Sie ist in Sandwichbauweise gearbeitet, mit einer geschäumten Dämmplatte als Mittelschicht. „Wäre sie rein aus Holz, würde sie die Kälte nicht so gut draußen halten“, erläutert Vossiek. Angesichts der explodierenden Heizkosten im vergangenen Jahr war die isolierende Wirkung für die Kirchengemeinde ein guter Grund auch gerade jetzt in den neuen Eingang zu investieren.

Trotz Schwelle barrierefrei

Der Nachmittag ist dem „Schönmachen“ gewidmet, sagen die beiden Tischler. Es wird geschäumt, geklebt, die Bänder werden eingestellt und Dekorleisten angebracht. Da, wo unter der alten Tür Außenpflaster und Innenfliesen aufeinanderstießen, erhebt sich jetzt eine kleine Schwelle unter der Tür. „Ohne die ist die Tür gar nicht dicht zu bekommen“, erläutert der Altgeselle. Dennoch gilt das Konstrukt nach allen Vorschriften als barrierefrei, beteuert er. 

Pfarrer Prien (r.) ist am Abend zufrieden, als er die Arbeit der Handerker begutachtet. Trotzdem müssen sie noch einmal wiederkommen. Foto: Ulrike von Brevern

Es ist tatsächlich schon lange wieder dunkel, als die beiden Männer der Bielefelder Spezialtischlerei Wierum, die einiges an Erfahrung beim Kirchentürbau mitbringt, wieder nach Hause fahren. Obwohl die Tür wie geplant am Mittag hing und eigentlich schon fast fertig aussah, konnten sie das „Schönmachen“ schließlich doch nicht ganz beenden. Eine speziell zugeschnittene Bodenschiene fehlte. Doch am Sonntag kann die Gemeinde dann ihren neuen Eingang zum ersten Mal nutzen. Immerhin knapp 9 000 Euro wird sie dafür bezahlen.

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