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Restaurierungsarbeiten in Haus Harkotten

Geheimnisse des „Grünen Salons“ gelüftet

Sassenberg

„Quantitativ ist die Malerei in keinem anderen Raum so gut erhalten, wie hier“, betont Restauratorin Eva Möllenkamp. Sie hat das Geheimnis des „Kapellenzimmers“ auf der Doppelschlossanlage von Haus Harkotten gelüftet.

Von Ulrike von Brevern

Eva Möllmann (oben) ist von den Bildtafeln über den Türen begeistert. Foto: Ulrike von Brevern

„Wir haben noch einen Raum gefunden“, sagt Hausherrin Myriam Freifrau von Korff lachend und zugleich ein bisschen selbstironisch. Jahrelang lag das „Kapellenzimmer“ - das seinen Namen dem hübschen Ausblick auf das benachbarte Kirchlein der Doppelschlossanlage verdankt - im Kreis der restaurierten Räume im Erdgeschoss von Haus Harkotten im Dornröschenschlaf. Schließlich ist die Restaurierung teuer. Jetzt hat Restauratorin Eva Möllenkamp auch dessen Geheimnis gelüftet. „Der Raum ist ein Traum“, schwärmt Freifrau von Korff von dem Zimmer, das künftig den Namen „Grüner Salon“ tragen wird.

„„Wir wussten, dass da etwas war“, verrät die Hausherrin. Schließlich habe schon Philipp Bartscher, dessen einmalig erhaltenen Wandmalereien die Räume im Erdgeschoss zieren, in seinem Angebot angeregt, „aufgrund der exponierten Lage zur Kapelle den Raum besonders kunstvoll zu pepappen“. 

„Pepappt“, also mit damals kostbarer Tapete versehen, wurde der Raum allerdings nicht. Stattdessen hat Bartscher einmal mehr seine ebenso wertvolle Malkunst hinterlassen. Erst später verschwand sie hinter Tapeten.

Malkunst verschwand hinter Tapeten

„Die haben die Malerei gut geschützt“, erzählt Restauratorin Eva Möllenkamp, die gerade mit einem hauchdünnen Pinsel Fehlstellen in einer Wandbemalung retuschiert. „Quantitativ ist die Malerei in keinem anderen Raum so gut erhalten, wie hier“, betont sie.

Zum ersten Mal konnte Eva Möllenkamp im „Grünen Salon“ auch einen Original-Ofenstein freilegen, der allerdings die Malerei brutal durchbricht. Foto: Ulrike von Brevern

In den Bauplänen ist das Kapellenzimmer als Kinderzimmer verzeichnet. Die Wände sind schlicht in einem hellen Grünton marmoriert, die Decke darüber strahlte früher knallgelb, hat Möllenkamp durch vorsichtigen Abtrag der Farbschichten in einer sogenannten Farbtreppe ermittelt. „Ein bisschen schrecklich“, gibt sie nach persönlichem Geschmack bereitwillig zu. Gut, dass in diesem Fall der Mantel der Geschichte erhalten bleiben wird.

Zwei Landschaftsbilder über den Türen

Seine Geheimnisse, zwei Landschaftsbilder über den Türen und – völlig unerwartet – dekorative grüne Girlanden auf den Wänden kurz unterhalb der Decke, ließ sich der Raum nur schwer entreißen. Möllenkamp, die auf viele Jahre Erfahrung mit dem Freilegen der Wandmalereien in Haus Harkotten zurückblicken kann, erlebte eine ganz neue Herausforderung: „Eine dicke braune Makulaturschicht lag über den Malereien“, erzählt sie. Und diese Schicht erwies sich als außergewöhnlich hartnäckig. Beim Ablösen Teile vom Untergrund mitzureißen, war keine Option. Und so musste die Fachfrau experimentieren, um die wasserlösliche Schicht von der Malerei zu trennen. „Das ist eine Arbeit, die viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl erfordert“, bestätigt Möllenkamp – und Geduld: Mit Wasserdampf und einem Schwamm gelang es ihr schließlich, die Schicht Quadratzentimeter für Quadratzentimeter abzutragen. Doch die Mühe hat sich gelohnt.

Wie frisch gemalt

Besonders das eine von zwei „Supraporten“, Landschaftsbilder über den Zimmertüren, versetzt Möllenkamp geradezu in Entzücken: „Das Bild sieht aus wie frisch gemalt, selbst die Lichter sind erhalten“, schwärmt sie. An einer der Wände verbargen zwei Tapetentüren Einbauschränke. Eine davon wird ebenfalls restauriert.

Das Holz des Schrankes ist original erhalten. An verschiedenen Stellen werden nachträgliche Einbauten sichtbar bleiben, etwa eine kleine Kachelwand, wohl eine Waschecke, die aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stammt. Erstmals konnte die Restautorin im Kapellenzimmer auch einen originalen Ofenrohstein freilegen, an den wohl ein gusseiserner Ofen angeschlossen war. Der Stein unterbricht die Wandmalerei zwar brutal, bleibt aber dennoch als historisches Zeugnis sichtbar.

Nach Ende der aus Bundes- und Landesmitteln ebenso wie aus einem Eigenanteil finanzierten Restaurierung wird der Raum ins Museumskonzept von Harkotten eingebunden.

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