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Zweite Staffel „Mom‘s Motel“ 

Grusel-Humor nach Hitchcock -Art

Sassenberg

„Figurenschneider“ Norman Schneider lebt und arbeitet seit mehreren Jahren in Füchtorf. In seiner Werkstatt im Dachgeschoss des ehemaligen Immanuel-Hauses entsteht derzeit eine kleine Gruselserie mit dem Titel „Mom‘s Motel“.

Von Ulrike von Brevern

Norman Schneider bringt Leben in den eher machtlosen Sheriff von „Mom‘s Motel“, in seiner Werkstatt und beim Videodreh am dramatisch ausgeleuchteten Set (kleines Bild). Foto: Ulrike von Brevern

Filmmusik in bester Grusel-Tradition der 50er und 60er Jahre, die düstere Szenerie in dramatisch-buntes Licht getaucht, Fledermäuse flattern ins Bild, eine verrutschte Leuchtreklame neben einer herrschaftlichen Eingangstür verbreitet Hoffnungslosigkeit: Schon die ersten Sekunden von „Mom’s Motel“ lassen keinen Zweifel daran, dass gleich Genüsslich-Schauriges passieren wird.

Kopf und Ideengeber hinter dieser liebevoll inszenierten Mini-Horror-Serie auf YouTube, in der Klappmaulfiguren die Hauptrollen übernehmen und die pünktlich zu Halloween in eine zweite Staffel geht, ist Norman Schneider. Der „Figurenschneider“ lebt und arbeitet seit mehreren Jahren in Füchtorf. Seine Werkstatt im Dachgeschoss des ehemaligen Immanuel-Hauses ist allerdings weder düster noch gruselig. Durch die Deckenfenster fällt Tageslicht hell auf den ziemlich aufgeräumten Werktisch.

Rabe Rudi und Sandmännchen-Puppen

Bekannte Filmpuppen wie der Rabe Rudi in der ZDF-Serie Siebenstein oder Pittiplatsch, Moppi und Schnatterinchen, die der Fernsehsender rbb für neue Folgen des Sandmännchens angefordert hatte, sind hier entstanden. Dass Schneider auch ganz anders kann als niedlich, demonstrieren hutzelige Hexen, wollige Riesenmonster und ein (fast) gruseliger Frankenstein.

Norman Schneider

Während Mitarbeiterin Maria Keufen den Schaumstoffkörper einer neuen Kreation in Angriff nimmt und Dackel Pelle gelegentlich in den Ecken schnüffelt, erzählt Hitchcock-Fan Schneider von seinem langgehegten Traumprojekt. „In erster Linie machen wir es für uns“, hält er dabei im Namen seines inzwischen rund 15-köpfigen Teams fest. Ökonomisch lässt sich der Aufwand für „Mom’s Motel“ kaum darstellen. Darum habe die Idee auch fast zehn Jahre in der Schublade gelegen. „Ich dachte immer, das ist unglaublich teuer, und   ich hätte das Ding auch nie allein realisieren können!“

Motel im Nirgendwo

Die Geschichte spielt humorvoll mit vertrauten Motiven. Ein Motel im Nirgendwo, ein schrulliger Leiter des Motels und seine herrschsüchtige Mutter, die im Herrenhaus nebenan wohnen, – wer würde da nicht an Alfred Hitchcocks Klassiker „Psycho“ denken? Doch es kommt ganz anders.

Die Folgen sind gerade einmal rund zehn Minuten lang, dennoch stecken jeweils rund 800 Stunden Arbeit darin, schätzt Schneider. Allein der Bau einer Figur kann bis zu 100 Stunden dauern. Während Mom und ihre Söhne immer wieder zu verwenden sind, werden Gast-Figuren, wie etwa „Miss Edna Shackwell“, die in der ersten Folge als Reporterin eines Reisemagazins die Ruhe im Motel stört, exklusiv für ihren Auftritt kreiert.

Jeder der handgemachten Darsteller ist etwas über einen halben Meter groß – das verlangt nach entsprechend großen Kulissen. Rund sechs auf vier Meter sind bei einer Höhe von 1,20 Meter nötig, um die passende Illusion erzeugen zu können, erzählt Schneider. Die Spieler sitzen auf Rollbrettern unterhalb der Kulissen, um die Figuren ruckelfrei führen zu können. Zum Glück hat Kameramann Erik Robert genug Platz zuhause, damit die Bühne aufgebaut stehen bleiben kann.

Das Team rund um Schneider ist nicht nur mit Leidenschaft dabei, sondern kennt sich aus im Metier. Tina Hempel etwa kümmert sich nicht nur um Puppenkostüme, sondern ist im wahren Leben als Kostümbildnerin beim Landestheater Schleswig-Holstein beschäftigt. Die Maske hat Katrin Kratz unter sich, beruflich Maskenbildnerin am Schauspielhaus Dresden. Autorin Ira Schwägerl kümmert sich um das Buch. Die schaurig-schöne Titelmusik stammt wie alle Klänge von Klaus Dziomba, der im wahren Leben Hörspiele und Werbung mit Musik versorgt. Zu den Puppenspielern gehören neben Norman Schneider die niederländische Puppenkünstlerin Melanie Meulenberg sowie der Schauspieler und Puppenspieler Heiko Obermöller, der einige Jahre lang in der WDR-Vorabendserie „Die Anrheiner“ zu sehen war.

Detailverliebte Ausstattung

Neben den leicht ironischen Geschichten, die mit dem Horror-Genre genussvoll spielen, macht die ideenreiche und detailverliebte Ausstattung den Charme der Serie aus. Wer die Filme mehrmals schaut, entdeckt immer wieder Neues, die drei kleinen Nippesfiguren auf einer Anrichte im Hintergrund etwa, die wie auf Befehl ihr dümmliches Lächeln mit einer 180-Grad-Wendung des Kopfes in Horrormasken verwandeln.

Rund um „Mom‘s Motel“ hat sich schnell eine begeisterte Fangemeinde gebildet. Die erste Folge, die zu Halloween 2020 an den Start ging, haben rund 10 000 Menschen gesehen. Acht Folgen sind fertig konzeptioniert, doch bislang sind nur drei veröffentlicht. Da hat auch Corona gestört. „Außerdem ist das was für die dunkle Jahreszeit“, ist Schneider überzeugt. Umso gespannter warten die Fans auf Folge vier, die pünktlich zu Halloween als Auftakt der zweiten Staffel von Mom‘s Motel starten wird. Erste Einblicke sind auf Facebook zu sehen.

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