1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Sassenberg
  6. >
  7. Harkottens Alltag um 1800 hautnah

  8. >

Erlebnisführung erweist sich als voller Erfolg

Harkottens Alltag um 1800 hautnah

Füchtorf

Einfach mal so heiraten, das ging für einen Bauern auf Harkotten um 1800 nicht. Schließlich waren die Menschen noch Leibeigene. Auch die Küchencrew hatte im großen Gutshaushalt viele Eigenheiten zu meistern. Die Laienspielschar Füchtorf hauchte solchen Szenen bei der ersten Erlebnisführung auf Haus Harkotten glaubhaft Leben ein. Jetzt gibt es einen Zusatztermin.

Von Ulrike von Brevern

Die Füchtorfer Laienspielschar hauchte Haus Harkotten um 1800 neues Leben ein. Foto: Ulrike von Brevern

Ungewöhnliche Betriebsamkeit vor dem Portal von Haus Harkotten: Ein Mann mit Kopfverband, eine Dame mit blutverschmierter Schürze. Der Gärtner trägt Holzschuhe genauso wie die Magd mit ihrer weißen Rüschenhaube und der Kammerdiener im Frack scheint eben dem 19. Jahrhundert entsprungen. Die Füchtorfer Laienspielschar rückt das Herrenhaus rund zwei Jahrhunderte zurück in die Zeit um 1800.

Vier Menschen lösen sich aus der Gruppe und kommen den Hügel hinab auf das gespannt wartende Publikum zu. Madeleine von Korff als Magd, „Gärtner“ Klaus Strotmeier, „die Meiersche“ alias Agnes Boes und „Kammerdiener“ Ferdinand von Korff holen als Gästeführer zehnköpfige Kleingruppen ab zur ersten Erlebnisführung in Haus Harkotten.

Die Gästeführer Madeleine von Korff, Klaus Strotmeier und Agnes Boes nahmen das Publikum stilvoll mit auf die Reise durch Haus Harkotten. Foto: Ulrike von Brevern

Vier Szenen hat die Laienspielschar vorbereitet auf Grundlage eines Manuskripts, das Carsten Bender und Birgit Gropp im Rahmen des heimatgeschichtlichen Projekts „Alltagswelt und große Gefühle“ verfasst haben. In der folgenden knappen Stunde erleben die Zuschauer unter anderem hautnah mit, wie die Leibeigenen Johannes Rieger (Matthias Tünte) und Gertrud Horstkamp (Denise Freiwald) von der Herrschaft die Genehmigung zur Ehe erbitten. Herzzerreißend mutet das an, Ausgang lange ungewiss.

Im Blauen Salon behandelte Birgit Wessel als burschikose Katharina Bernhardina Freifrau von Ketteler den „Patient“ Thorsten Elfenkämper. Foto: Ulrike von Brevern

Birgit Wessel mimt im Blauen Salon die burschikose Katharina Bernhardina Freifrau von Ketteler, die sich der medizinischen Behandlung verschrieben hat. „Die kann et nich leiden, wenn einer bölkt“, verrät Thorsten Elferkämper als einer ihrer leidgeprüften Patienten – eine Eigenschaft, die so historisch verbrieft ist. Das Skript beruht auf Originalquellen, die Birgit Gropp ausgewertet hat. Ebenso verlässlich überliefert sind die verschiedenen Aufgaben der Küchencrew, die Raphael Dingwerth, Anne Kellermann und Monika Wessel in der Schlossküche zum Besten geben. Dass Dienstboten auch in diesem Jahrhundert einiges zu schleppen hatten, macht Gästeführer Ferdinand von Korff bewusst: „Hier ging die Lisbeth immer die Treppe rauf, um der Herrschaft zu servieren“, erinnert er sich angesichts des langen Flurs und der steilen Treppe bis ins Erdgeschoss an die eigene Jugend.

Küchenmädchen Raphaela Dingwerth, Küchenmagd Monika Wessel und Lehrköchin Anne Kellermann zeigten sich als souveränes Team. Foto: Ulrike von Brevern

Die Laienspieler fühlen sich in ihren Rollen wohl. „Das war bei der Generalprobe noch ganz anders“, gibt Raphaela Dingwerth zu. Souverän spielt die Küchencrew immer wieder durch den Pulk der Zuschauer hindurch, als sei sie tatsächlich allein in ihrem Reich. Das Publikum seinerseits lauscht gebannt und quillt beim gemütlichen Abschluss im Wappensaal vor Lob schier über. Dass es keine Schwierigkeiten hat, den oft plattdeutschen Dialogen zu folgen, liegt vielleicht daran, dass alle aus der Umgebung kommen. Aber so war das auf Harkotten. Auch die Herrschaft sprach Platt.

Herzzerreißend mimten Denise Freiwald und Matthias Tünte das Paar leibeigener Heiratswilliger. Foto: Ulrike von Brevern

Die Karten für die ursprünglich geplanten zwei Auflagen der ungewöhnlichen Führung waren schnell weg. Nun bieten die Organisatoren einen Zusatztermin an, am Freitag (2. September) um 20 Uhr. Eine Anmeldung ist nötig (foerderverein@harkotten.eu).

Startseite
ANZEIGE