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Zauberland: Dorothee Borchers wechselt in den Ruhestand

„Ich habe vieles richtig gemacht“

Sassenberg

Für Dorothee Borchers bedeutet die Leitung einer Kita nicht nur mitzulaufen, sondern zu gestalten. Und genau das wollte sie. In der Kita Zauberland hat sie in den vergangenen Jahren ihre Spuren hinterlassen. Die Begeisterung für die Arbeit mit Kindern wachzuhalten und Freundlichkeit auszustrahlen sind für sie wichtige Eigenschaften einer Erzieherin.

Von uvb

Dorothee Borchers verabschiedet sich zufrieden aus ihrem Arbeitsleben. Foto: Ulrike von Brevern

Selbst im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen, ist Dorothee Borchers eher unangenehm. Ihr geht es mehr ums Inhaltliche. Und dann ist da die immer noch hohe Coronagefahr, das Problem der Krankenstände, die sie als Leiterin der Kita Zauberland nur allzu gut kennt. Also nahm Borchers statt in einer großen Veranstaltung in dieser Woche in Raten Abschied von den Menschen in ihrem Arbeitsleben: von Eltern, dem Arbeitgeber, den Kollegen und schließlich auch den Kindern. Am Donnerstag war für sie letzter Arbeitstag, ehe sie in den regulären Ruhestand wechselt. Die Leitung der Kita Zauberland übernimmt ihre langjährige Kollegin und Vertretung Alime Bas.

Dorothee Borchers

Seit 20 Jahren stand Dorothee Borchers als pädagogische Fachkraft im Dienst der Stadt. Zunächst im Blauland, dann im Abenteuer- und im Zauberland. Dabei hat sie die Leitung gezielt angestrebt: „Ich wollte eigentlich immer schon Erzieherin werden. Aber ich wollte auch nicht nur mitlaufen. Ich wollte gestalten.“

Vom Kinderkurheim bis zur Arbeit mit Schwererziehbaren reicht die Berufserfahrungen der gebürtigen Hamburgerin. Mit 50, wenn andere schon Richtung Rente schielen, absolvierte sie eine Fachwirtausbildung, um sich ihren Wunsch nach einer Leitungsfunktion erfüllen zu können.

Dorothee Borchers

„Eine Kita wird von den Menschen geprägt, die dort arbeiten“, ist sie sich sicher. Für „ihre“ Kita war ihr besonders wichtig, das Selbstvertrauen der Kinder zu stärken, Ihre soziale Kompetenz zu entwickeln und auf einen respektvollen Umgang miteinander zu achten. „Machen Sie ihre Kinder stark, damit sie die Herausforderungen des Lebens meistern können“, sei ihr Rat an die Eltern gewesen. Mit Liebe zu arbeiten und Freundlichkeit auszusenden, sind für sie die entscheidenden Voraussetzungen für die Aufgabe.

Geänderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen, insbesondere die zunehmende Berufstätigkeit beider Elternteile, habe die Kita-Arbeit in den vergangenen zwei Jahrzehnten grundlegend geändert, sagt Borchers rückblickend. Kitatage wurden für die Kinder länger, die Eltern suchten nicht mehr nur sozialen Kontakt für ihr Kind, sondern stellten höhere Erwartungen an Erziehungs- und Bildungsarbeit. „Wir arbeiten familienergänzend, nicht -ersetzend“, betont Borchers allerdings in dem Zusammenhang. Die Kita kann nicht alles richten. Eine gute Zusammenarbeit mit den Eltern sei wichtig.

Eine eigene Gruppe für U3-Kinder

Sprachförderung im Alltag, durchaus auch für deutschsprachige Kinder, Zahlenzwerge, Plus-Kita, Rucksack-Kita, Mitgliedschaft im Familienzentrum – in vielen Bereichen des Kitalebens hat Borchers ihre Spuren hinterlassen. Auch die Gruppenstruktur hat sie geprägt. Alle Unter-Dreijährigen werden in einer eigenen Gruppe betreut und wechseln später. In anderen Kitas wird früher gemischt.

Der Druck steigt

Angesichts der administrativen Aufgaben war für Dorothee Borchers der Schreibtisch der eigentliche Arbeitsplatz und immer seltener der Bauteppich. Sie sei ein sehr sachlicher Mensch, sagt sie dann noch, doch der Abschied gehe ihr nun doch nahe. Ihren Kolleginnen wünscht sie, sich die Begeisterung bei der Arbeit mit Kindern zu erhalten. Angesichts der steigenden Arbeitsbelastung falle das schwerer, gibt sie zu: „Ein Puffer ist – wie in der Pflege – nicht mehr da.“

Dass Alime Bas ihre Nachfolgerin wird, darüber ist Borchers übrigens froh: „Wir sind eine Multikulti-Kita“, sagt sie über das Zauberlands. Da passe eine Leiterin mit türkischen Wurzeln und viel Erfahrung in der Inte­gration gut dazu. Borchers zufriedenes Fazit ihrer eigenen Arbeit lautet: „Ich habe vieles richtig gemacht.“

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