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Amateurrennreiterin Silke Brüggemann legt nach Corona-Pause wieder los

Im Galopp zum großen Erfolg

Sassenberg

Silke Brüggemann ist Amateurrennreiterin und hat über 70 Siege erritten. Ihre Pferde stehen in einem Stall in Warendorf. Nach der Corona-Pause will sie nun wieder durchstarten.

Von Marion Fenner

Foto: Familie Brüggemann

„Ehrgeiz und eine große Portion Talent“, so fasst Bernhard Brüggemann die Gründe für den sportlichen Erfolg seiner Tochter Silke zusammen. Silke Brüggemann ist Amateurrennreiterin und hat über 70 Siege erritten. Zudem war sie über 100 Mal platziert.

Die Liebe zu den Pferden ist Silke Brüggemann in die Wiege gelegt worden: „Ich saß bereits auf dem Pferd, bevor ich laufen konnte“, berichtet die heute 34-Jährige. Ganz klassisch, wie viele Mädchen, hat sie mit Dressur- und Springprüfungen begonnen. „Mit Christian Kukuk, der jetzt für die Olympischen Spiele nominiert ist, habe ich gemeinsam E-Springen geritten“, erinnert sich Silke Brüggemann an alte Zeiten.

An dem Stall in Sassenberg, an dem die Pferde der Familie stehen, hatte die mittlerweile nach Ägypten ausgewanderte Rennpferdetrainerin Andrea Bertram ihre Vollblüter untergebracht. Silke Brüggemann durfte gelegentlich Pferde im Training mitreiten und sie zu Renntagen begleiten. „Rennreiten ist immer eine Nummer größer und eine ganz andere Welt“, sagt sie. Sie war schnell fasziniert von diesem Sport.

Nach dem Abitur machte sie den Amateurrennschein und erwarb nach dem Abschluss ihrer Ausbildung zur Industriekauffrau auch den Besitzertrainerschein. „In unserem Sport ist für alles eine Lizenz erforderlich“, sagt sie mit einem Augenzwinkern.

Silke Brüggemann

Ihre Karriere lief bisher sehr erfolgreich. „Es gab Zeiten, da hätte ich mich rückwärts aufs Pferd setzen können und hätte noch gewonnen“, sagt sie und lacht. Das war 2013, als sie in 26 Rennen – zwei davon im Ausland – als erste ins Ziel kam und dann auch noch Deutschland bei den Fegentri-Weltmeisterschaften vertreten durfte. Beim Finale auf Mauritius wurde sie Dritte. Zusätzlich holte sie den Titel der Deutschen Meisterin. An ihren ersten Sieg im Jahr 2010 mit Halliday kann sich Silke Brüggemann noch gut erinnern. Mit Halliday verbindet die Amazone noch eine ganz besondere Erinnerung: Er verhalf ihr 2014 auch zu ihrem 50. Sieg im Rennsattel und damit zum goldenen Reiterabzeichen. 2016 machte sie die Ausbildung zum Pferdewirtschaftsmeister, im Teilbereich Galopprenntraining.

Schon vor der Arbeit geht sie zu ihren Pferden, um die Ställe auszumisten. Geritten wird nach Feierabend. Neben ihren eigenen Pferden oder denen, die im Besitz ihres Vaters sind, kümmert sie sich um einige Vollblüter, die nach einer Verletzung wieder aufgepäppelt und neu antrainiert werden. Es mache ihr immer wieder viel Freude zu sehen, wenn diese Pferde nach einer Pause wieder den ersten Galopp auf der Bahn gehen dürfen und ihre Lebensfreude nach längerer Boxenruhe wiederkehrt. Das eine oder andere Pferd teste dann schon einmal die Sattelfestigkeit seiner Reiterin aus.

Silke Brüggemann reitet nicht nur ihre eigenen Pferde, sondern wird auch von anderen Trainern engagiert, ihre Pferde in Rennen an den Start zu bringen. Das sei eine spannende Aufgabe, weil sie die Tiere dann nicht kenne und sich auf die Aussagen des Trainers und der Pferdepfleger verlassen müsse. Dabei sei es das Wichtigste, sich auf das fremde Pferd einzulassen. Ein Rennen zu reiten sei extrem anstrengend, sagt sie. Timing, Gleichgewicht, Übersicht und Kraft seien gefordert.

Bernhard Brüggemann

Mit ihrem besonderen Hobby können Arbeitskollegen der Reiterin oft nicht viel anfangen. Als sie ihnen aber mal erzählt habe, dass sie ein Pferd des Fußballers Klaus Allofs geritten habe, seien sie hellhörig geworden. „Das hat sie dann doch interessiert“, sagt sie mit einem Schmunzeln. Wichtig ist es Silke Brüggemann und ihren Vater, der auch mit 70 Jahren noch Vollblüter im Training reitet, die Pferde auf ein Leben nach dem Sport vorzubereiten. „Bei uns wird auch gesprungen und Dressur geritten, damit sie später als nette Freizeitpferde ein gutes Zuhause finden.“

Silke Brüggemann fährt immer samstags nach Gütersloh zu Trainer Andreas Wöhler, um auch andere Pferde zu reiten und unter Profibedingungen zu trainieren. „Dort lerne ich immer wieder viel dazu.“

Corona hat die Amateurreiter im vergangenen November abrupt ausgebremst. Von heute auf morgen waren sie nicht mehr startberechtigt. „Nur die Profis durften reiten“. Doch seit Anfang Juli dürfen auch die Amateure wieder starten. Die ersten Ritte sind auch für Silke Brüggemann geplant. Da gibt es nur noch ein kleines Problem: Das Gewicht. Silke Brüggemann ist kein kleines zierliches Mädchen, sondern, wie sie selbst sagt: „Ich bin ein richtiger Mensch. Mit 1,65 Metern Körpergröße.“ Beim Rennen darf sie allerdings inklusive Kleidung und Sattel nur 57 Kilogramm auf die Waage bringen. Der Sattel macht dabei nur 200 Gramm aus. Silke Brüggemann muss an ihre eigenen Pfunde. Dafür fährt sie regelmäßig Fahrrad. Und wenn kurzfristig Kilos purzeln sollen, wird im Saunaanzug oder in Winterklamotten bei sommerlicher Hitze gejoggt. „Das bringt richtig was“, spricht sie aus Erfahrung. Und dass sie dann trotzdem am nächsten Tag ohne Kreislaufprobleme wieder auf Pferd steige, dafür sorge das Adrenalin, das beim Rennen reichlich produziert wird.

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