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Lanuv-Vortrag im Dorfgemeinschaftshaus

Klimaschutz reicht nicht mehr aus

Füchtorf

Dr. Tobias Kemper vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz nahm an diesem Abend kein Blatt vor den Mund: „Die letzten zwölf Jahren waren deutlich zu trocken“, zog er Bilanz und forderte zugleich, das Thema Klimaschutz in den Alltag mit zu integrieren.

Von Ulrike von Brevern

Wie es um die Klimaveränderungen steht und welche Folgewirkungen damit verbunden sind, das erfuhren die Teilnehmer im Rahmen der Veranstaltung zu der die FDP ins Dorfgemeinschaftshaus eingeladen hatten. Es referierte Tobias Kemper, vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) in Düsseldorf. Foto: Ulrike von Brevern

Einige Auswirkungen sind schleichend, einige extrem. Doch dass der Klimawandel real ist und bereits vor der Haustür seine Folgen zeigt, daran ließ Dr. Tobias Kemper keinen Zweifel. Der Dezernent für Klimafolgenanpassung beim Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) in Düsseldorf referierte am Mittwochabend auf Einladung der FDP im Dorfgemeinschaftshaus in Füchtorf und lockte damit nicht nur zahlreiche Füchtorfer und Sassenberger, sondern auch Interessierte aus den Nachbargemeinden ins Spargeldorf. Zu der auffällig männlich geprägten Zuhörerschaft zählten sowohl viele Landwirte als auch örtliche Politiker anderer Parteien sowie der neue Klimamanager der Stadt.

Mit ausführlichem Daten- und Kartenmaterial belegte Kemper die Klimaveränderungen in der Region. Zugrunde lag dabei die Auswertung von Zahlen des Deutschen Wetterdienstes. Die Erkenntnis: Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881 ist die Temperatur in NRW bereits um 1,5 Grad angestiegen, mehr als im globalen Rahmen. Seit 1988 habe es überhaupt nur noch zwei Jahre gegeben, die kälter waren als das langjährige Mittel. Die rasante Entwicklung sei klares Indiz für den menschlichen Einfluss, so der Experte.

Während sich der Trend bei der Temperatur eindeutig zeige, sei die Frage nach wachsender Trockenheit differenzierter zu beantworten. Zum einen verschiebe sich der Niederschlag zwischen den Jahreszeiten. Zum anderen seien die Ergebnisse selbst in der klimatischen Großregion „Westfälische Bucht“, zu der Sassenberg zählt, lokal sehr unterschiedlich. Das gilt sogar zwischen Sassenberg und Füchtorf. Erstaunliche Folge: Bei der Frage nach der Grundwasserneubildung durch Niederschläge hat Füchtorf die Nase vorn.

Dennoch hielt Kemper insgesamt fest: „Die letzten zwölf Jahre waren deutlich zu trocken.“ Ausbleibender Niederschlag und Trockenheit im Boden bildeten eine Abwärtsspirale: „Was wir sehen, können wir mit Daten belegen.“ Die tagesaktuellen Messungen zur Wasserverfügbarkeit zeigten, dass rund um Sassenberg auch im tieferen Boden zurzeit außergewöhnliche Dürre herrsche. Im Oberboden sei aktuell in der Region Richtung Füchtorfer Wasserwerk besonders wenig Wasser verfügbar.

Lanuv-Referent Dr. Tobias Kemper Foto: Foto: Ulrike von Brevern

Der Blick nach vorn verheißt der Analyse zufolge insgesamt nichts Gutes. Bleibt es bis zum Ende des Jahrhunderts bei dem derzeitigen Tempo der Erwärmung oder steigt es gar, könnte Sassenberg seinen „Klimazwilling“ – die Gemeinde, in der jetzt das entsprechende Klima herrscht – irgendwo in Südfrankreich oder dem Mittelmeerraum finden, so Kemper.

Klimaschutz alleine reiche daher inzwischen nicht mehr aus. Sowohl die Kommunen als auch jeder einzelne müsse sich auf die Folgen einstellen. Das bedeute zum Beispiel, für Starkregenereignissen vorzusorgen. Aber selbst in kleinen Orten wie Sassenberg und Füchtorf sei auch die Überhitzung von Innenstädten durch Versiegelung und Verdichtung ein Thema. Das Lanuv biete in seinem Kartenmaterial detaillierten Modellberechnungen. Der Kommunalpolitik schrieb Kemper ins Stammbuch, die Situation zu analysieren, konkrete Schlüsselmaßnahmen zu entwickeln und sie vor allem auch umzusetzen und zu überwachen: „Das bleibt oft aus.“ Stadtplanerisch müsse dabei besonderes Augenmerk auf Anpassung im Bestand liegen. „Die Stadt ist Summe ihrer Teile, alle sind zuständig“, mahnte der Experte aber zugleich und rief auch die Bürger auf, ihren Teil beizutragen, etwa durch Rückbau von Schottergärten. „Wir müssen die Klimafolgen mitdenken und ins Tagesgeschäft integrieren“, betonte Dr. Tobias Kemper.

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