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Bilanz der Bücherei

Krimis verlieren die Pole-Position

Sassenberg

Die Ausleihzahlen in der Bücherei sind gegenüber der Vor-Coronazeit kräftig zurückgegangen. Insbesondere DVDs haben keine Zukunft mehr und auch bei den Hörbüchern für Erwachsene muss dringend etwas geschehen. Dafür hat das Team bei Zeitschriften den richtigen Riecher bewiesen, E-Books werden gern geliehen und „Tonis“ laufen „wie Schmidts Katze“. Seit der Jahresmitte haben sich auch die Ausleihzahlen wieder erholt.

Von Ulrike von Brevern

Den Videobestand werden Büchereileiterin Hiltraut Bergmann und ihr Team kräftig auslichten. Foto: Ulrike von Brevern

In der Sassenberger „Die Bücherei“ hat Corona ein klares Opfer hinterlassen: den Videobestand. „Die Zahl an DVD-Ausleihen befindet sich im freien Fall“, zieht Büchereileiterin Hiltraut Bergmann Bilanz. Ansonsten blickt sie mit viel Optimismus auf die Daten des zweiten Corona-Jahrs in der Bücherei: „Seit der zweiten Hälfte des Jahres stabilisieren sich die Zahlen auf einem schönen Niveau“.

Insgesamt verzeichnete die Bücherei 13.338 Ausleihen nach 14.700 im vergangenen Jahr und 15.340 im Jahr 2019. Die Vergleichszahl 2020 gebe dabei das Ausleihverhalten nur bedingt wieder, betont Bergmann, denn in der Zahl stecken zahlreiche Verlängerungen von Ausleihen, die das Büchereiteam wegen der unsicheren Öffnungssituation empfahl. „Das haben wir in diesem Jahr nicht gemacht.“

Frauenroman statt Krimi auf Platz eins

An der einen oder anderen Stelle überraschten die Daten sogar die langjährig Verantwortliche: So sind die erwachsenen Nutzer während der Pandemie möglicherweise harmoniebedürftiger geworden. Krimis – seit Jahren unbestrittene Stars der Ausleihe – belegten 2021 erst die weiteren Plätze. Platz eins und zwei gingen an den Frauenroman „Glückssterne“ von Claudia Winter sowie an „Der Gesang der Flusskrebse“ von Delia Owens. Auf Platz drei folgten „Die Douglas Schwestern“ (Charlotte Jacobi) über die Begründerinnen der gleichnamigen Parfümeriekette. Alle drei dürften bei zwölf bis 13 Ausleihen im Jahr die Regalbretter der Bücherei nicht gesehen haben, denn zurückgegebene Bücher wandern immer noch für eine gewisse Zeit ins Quarantänelager. „In den Jahren davor belegten Krimis immer zuverlässig die Plätze eins bis zehn“, schmunzelt Bergmann.

Streamingdienste statt DVD

Nach Einschätzung der Büchereileiterin sind es die Streamingdienste, die den Video-DVDs in der Bücherei den Garaus gemacht haben. Während der Pandemie haben sich Nutzer daran gewöhnt. Wie stark der Einbruch ist, machen ebenfalls Zahlen deutlich: Als die Bücherei 2012 mit 100 Leih-DVDs begann, gab es rund 1000 Ausleihen im Jahr. Jetzt, bei 150 Videos im Bestand, waren es exakt 236 nach 488 im Jahr 2020. Vorher beliebte Kinderfilme wie der vom kleinen Raben Socke, wurden das ganze Jahr über nicht einmal ausgeliehen. „Ostwind“ hingegen scheint noch manchen Mädchen-Kino-Abend bestritten zu haben.

Noch mehr alte Technik muss gehen

Ebenfalls weniger nachgefragt sind Hörbücher für Erwachsene (250 Ausleihen, 2020: 380). Hier könnte der Rückgang wieder pandemisch begründet sein, denn die Silberlinge wurden zuletzt oft für die Autofahrt zur Arbeit ausgeliehen, weiß Bergmann. Zuhause machten sich entsprechende CD-Rekorder inzwischen rar. Deshalb sank auch die Zahl der CDs, die Kinder ausliehen, von 1744 auf 1200. „Dafür gehen die Tonis ab wie Schmidts Katze“, lacht die Büchereileiterin. Tonis sind der technische Nachfoger, – Spielfigur und Tonträger in einem.

Kinderbücher laufen weiter gut

Eine beständige Konstante in der Büchereiarbeit bilden mit aktuell 5300 Ausleihen die Kinderbücher. Jugendliche hingegen kommen kaum. Bei den Erwachsenen sind Bergmann und ihr Team besonders auf die gute Entwicklung bei den Zeitschriften stolz. Hier bewies das Team mit neuen Titeln auf dem Gebiet der Verbraucher- und Gesundheitsmagazine den richtigen Riecher. Auch die E-Book-Ausleihen wachsen kontinuierlich.

Ein Kompliment an die einsichtigen Nutzer

Zwei Drittel der Ausleihen entfielen auf die zweite Jahreshälfte. „Es gab ein Aufblühen, als die Beschränkungen – dank Impffortschritt – aufgehoben wurden.“ Dankbar ist Bergmann, dass es im Verlauf des Jahres keine weitere Schließung gab: „Das war einfach großartig! Eine Erleichterung für alle, denn jedes erneute Anlaufen ist unfassbar schwierig.“ Das Einhalten der jeweiligen Corona-Vorgaben, die in der Bücherei zeitweise sogar etwas strenger ausfielen als anderswo, bereiteten keinerlei Probleme: „Da muss ich unseren Nutzern ein großes Kompliment aussprechen, sagt Bergmann. „Sie sind sehr diszipliniert und einsichtig. Auch wegen der Kontrolle des Impfschutzes gab es nie irgendeine Kritik.“

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