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Exotische Frucht wächst als üppiges Verandadach

Kruses Kiwis bringen Rekordernte

Sassenberg

Jörg und Alexandra Kruse haben eine exotische Verandaüberdachung - im wahrsten Sinne des Wortes. Zwei rund 20 Jahre alte Kiwi-Sträucher spenden sommertags mit ihrem grünen Blätterdach Schatten. Im Herbst ist dann Erntezeit. Dabei kam die Ernte in diesem Jahr nicht nur rekordverdächtig spät erst im November, sondern war auch rekordverdächtig üppig.

Von Ulrike von Brevern

Unter dem dichten Blätterdach versteckt sich reiche Ernte, zeigt Jörg Kruse. Foto: Ulrike von Bevern

Die Kiwi-Ernte bei Kruses fällt in diesem Jahr rekordverdächtig aus. In dichten Büscheln hängen die eiförmigen Früchte unter dem noch grünen Blätterdach. Sorgfältig – Frucht für Frucht – nähert Jörg Kruse sich ihnen mit Leiter und Schere. Am Ende wird Alexandra Kruse sagenhafte 575 Kiwis in Eierkartons verstaut haben. Soviel wie nie zuvor.

Seit mehr als 20 Jahren kultivieren Alexandra und Jörg Kruse ihre beiden Kiwi-Sträucher, die sommertags auf der Veranda angenehmen Schatten spenden. „Ich mag keine Markisen“, gesteht Alexandra Kruse offen. Aber eine weinbewachsene Laube konnte sie sich auch nicht vorstellen: „Da fallen immer welche runter und matschen auf dem Boden“, so lautete die Befürchtung der Hausfrau.

Alexandra Kruse

Darum also Kiwi, die fallen nicht so leicht. Aber ob die ursprünglich aus China stammende Pflanze hier auch ordentlich wächst und vor allem Obst bringt? Für die Kruses eine entscheidende Frage: „Ernten ist für uns beide sehr wichtig“, so Alexandra Kruse, Mitglied des Vorsitzendenteams der Blumen- und Gartenfreunde Sassenberg-Füchtorf.

Die Kiwis verstecken sich zwischen den dichten Ranken. Sie müssen noch im Haus reifen. Foto: Ulrike von Bevern

Die erste Pflanze wuchs prima und so wurde schnell eine zweite angeschafft, denn Kiwis brauchen einen gegengeschlechtlichen Partner. Es gibt auch Zwitterzüchtungen, erläutert Alexandra Kruse und eine solche war ihre zweite Pflanze – um sicher zu gehen, dass es mit der Befruchtung auf jeden Fall klappt. Die Zwitterpflanze bleibt jedoch etwas kleiner. Als Markisenersatz sind sie zusammen eine unschlagbare Kombi.

Auf die Idee mit den Kiwis waren Kruses durch Füchtorfs früheren Allgemeinmediziner Dr. Riese gekommen, Der habe schon damals reiche Kiwi-Ernte eingefahren, erzählt Alexandra Kruse und er habe das Paar auch gewarnt: „Die ersten esst ihr selber, dann verschenkt ihr welche. Irgendwann macht ihr Marmelade und dann verschenkt ihr auch die Marmelade hat er gesagt. Und genauso ist es gekommen“, sagt die Gartenfreundin und lacht dabei.

Sorgfältig sortiert Alexandra Kruse die geernteten Früchte in Eierkartons. So halten sie. Foto: Ulrike von Bevern

Freude bereiten die beiden Sträucher das ganze Jahr über. Schon die weiß-gelben Blüten seien bezaubernd anzusehen, schwärmt Alexandra Kruse. Geerntet wird üblicherweise spätestens Mitte Oktober, denn Kiwis sind sehr temperaturempfindlich. Doch in diesem Jahr konnten die Kruses ohne jede Bedenken bis in die zweite Novemberwoche warten. „Daran merkt man wirklich, dass sich die Temperaturen geändert haben“, spielt Alexandra Kruse auf den Klimawandel an. Sie wundert sich auch über die Größe der Früchte. „Bei dem trocknen Sommer hätte ich nicht gedacht, dass sie so dick werden!“

Wie viele der Früchte, die in den Handel kommen, ernten die Kruses ihre Kiwis unreif, selbst im November. Die frostfreie Vegetationsperiode ist in Deutschland einfach zu kurz. Mit der Ernte erfolgt auch der nötige Rückschnitt, denn die Sträucher bilden meterlange Ranken. Von Hause aus ist die Kiwi eine Lianenpflanze. Jörg Kruse hat im vergangenen Jahr die Seilkonstruktion, die die verholzten Triebe stützen sollte, durch ein geschweißtes Gestell ersetzt. Bereits jetzt droht das schon wieder zu klein zu werden.

Jede Frucht wird einzeln abgeschnitten. Foto: Ulrike von Bevern

Jede Frucht wird einzeln abgeschnitten. Alexandra Kruse hat Eierkartons besorgt, in denen die Kiwis schonend gelagert werden können. Sie wandern in die Garage – allerdings erst, wenn alle Freundinnen versorgt sind. „Das ist schließlich eine schöne Sache zum Verschenken und die warten schon darauf“, sagt Alexandra Kruse gut gelaunt.

10 bis 12 Grad ist die beste Lagertemperatur weiß sie aus Erfahrung: „dann halten die Kiwis bis April, Mai.“ Immer portionsweise lässt sie die Früchte im Haus reifen, indem sie sie zusammen mit einem Apfel in eine Plastiktüte steckt. Erst wenn dann noch etwas übrig ist, kocht sie Marmelade daraus: „Gemischt mit Apfel schmeckt das richtig lecker.“

Jörg Kruse

Davon lässt sich ihre bessere Hälfte allerdings kaum überzeugen. Bei Pflege und Ernte ist Jörg Kruse mit ganzem Herzen dabei. Aber dann hört es auf. „Ich mag gar keine Kiwis“, bekennt er überraschend.

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