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Hausarztpraxis Dr. Sommer schließt

Landarztmangel abgewendet

Sassenberg

Die Einzelpraxis eines Allgemeinmediziners schließt. Das ist für manche Kommune auf dem Land inzwischen ein Horrorszenario. Sassenberg ist da besser aufgestellt. Wenn Dr. Birgit Sommer Ende Juli die Tür ihrer Praxis endgültig hinter sich zumacht, übernimmt Maren Jäger, allerdings an anderem Ort. Damit scheint der Generationenwechsel in der Praxislandschaft zumindest im größeren Ortsteil weitgehend gelungen.

Von Ulrike von Brevern

Dr. Birgit Sommer (l.) legt ihre Praxis ab August in die Hände von Maren Jäger (M.). Die junge Medizinerin praktiziert gemeinsam mit Dr. Benedikt Sökeland (2.v.r.) und Dr. Jessica Lubitz (r.) im „Gesundheitszentrum“ an der Wasserstraße. Foto: Ulrike von Brevern

Das Zeitalter des Hausärztemangels auf dem Land wird in wenigen Jahren kommen. Davon sind Fachleute überzeugt, denn immer mehr ältere Ärzte wollen ihre Praxen abgeben. Den medizinischen Nachwuchs drängt es dagegen gar nicht mehr so zur eigenen Praxis, schon gar nicht auf dem Land. Die angespannte Lage spiegelt sich in einer Landarztquoten bei der Studienzulassung, für die etwa Nordrhein-Westfalen knapp acht Prozent seiner Medizinstudienplätze reserviert. Kommunen planen schon mal ein eigenes Stipendienprogramm für ihren zukünftigen Landarzt oder locken junge Mediziner mit günstigen Bauplätzen oder modernen Praxisräumen.

Dr.Benedikt Sökeland

Angesichts seiner Praxislandschaft kann Sassenberg den kommenden Jahren dagegen in dieser Hinsicht relativ gelassen entgegen sehen, ist Dr. Benedikt Sökeland zumindest für den größeren Ortsteil überzeugt. Gerade ist eine Nachfolgeregelung für eine weitere Praxis, die von Dr. Birgit Sommer gefunden worden. „Der Generationenwechsel ist hier in Sassenberg gelungen“, sagt Sökeland und macht dafür aus seiner Sicht auch gleich einen Verantwortlichen aus. „Das Wichtigste ist, vor Ort auszubilden“, betont er. „Wir jüngeren kennen uns über die Ausbildung im Warendorfer Krankenhaus.“

Die gebürtige Sassenbergerin Maren Jäger wird voraussichtlich zum ersten August Kassenzulassung und Patienten von Dr. Sommer übernehmen. Sie arbeitet als angestellte Ärztin im „Gesundheitszentrum Sassenberg“ an der Wasserstraße und spiegelt damit auch einen Trend modernen Ärztelebens wieder. Um unternehmerische Aufgaben und den immer stärker wachsenden Verwaltungsaufwand kümmert sich die ihr Arbeitgeber, das „Gesundheitszentrum Ostmünsterland Ravensberg“. „Wir sind die einzige Hausarztpraxis in Westfalen-Lippe in der Größe und mit fünf Standorten“, sagt Dr. Sökeland, der sich den Standort Sassenberg bislang mit Dr. Jessica Lubitz teilte.

Dr. Birgit Sommer praktizierte mehr als 20 Jahre.

Dr. Birgit Sommer hat ihre Praxis vor über zwanzig Jahren gegründet – ein Schritt, den sie keinen Tag bereut habe, sagt die Allgemeinmedizinerin, deren Zusatzqualifikationen von Naturheilverfahren bis Palliativmedizin reichen. Viel habe sich verändert. Da Allgemeinmediziner damals noch eine Residenzpflicht hatten, habe sie zum Beispiel für den Wochenenddienst manche Nacht auf dem Feldbett in der Praxis verbracht. Der technische Fortschritt brachte einerseits Handys, die die Arbeit im Notdienst erleichterten, andererseits aber auch mehr Verwaltungsaufwand und Patienten, die mit Fehlinformationen aus dem Internet in die Praxis kamen. „Das verursacht mehr Schaden, als es hilft“, ist sie überzeugt.

Telemedizin kann Landarzt nicht ersetzen

„Für die Arbeit als Allgemeinmediziner muss man so ein bisschen geschaffen sein“, gibt sie mit einem Lächen zu. Zahlreichen Stundenten hat sie im Rahmen des akademischen Lehrbetriebs versucht, ihre Leidenschaft weiterzureichen. Sie selbst genießt es, dass sie zum Teil schon die Enkel ihrer Patienten kennt.

Einzelpraxen wie ihre seien heute nicht mehr zu führen, ist sie überzeugt. Dass in der Zukunft die Telemedizin den Landarzt ersetzen kann, glaubt sie allerdings auch nicht. In der Allgemeinmedizin müsse man den Patienten sprechen, das Problem sehen und fühlen.

Palliativmedizin braucht weiter Nachwuchs

Die Praxisräume an der Gartenstraße werden Ende Juli geschlossen. Für eine Übergangszeit arbeitet Dr. Sommer dann an der Wasserstraße „um meinen Patienten den Roten Teppich auszurollen“, sagt sie und wechselt einen Blick mit Jäger. Länger fortsetzten wird sie dagegen ihren Einsatz im Palliativnetzwerk für den Kreis Warendorf, verspricht sie. Denn hier, bei der Notfall-Linderung des Leids unheilbar Kranker im gesamten Kreisgebiet gibt es weiter massive Nachwuchsprobleme.

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