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Mit Musik und Dank vom Vorstand

Nachbarschaften putzen Ort heraus

Sassenberg

Der Donnerstag vor dem Schützenfest ist schon ein kleines Fest für sich. Über all wird geschmückt und gewerkelt, immer wieder stauen sich die Autos hinter Kränen oder Hubwagen, die für kurze Zeit die Straßen blockieren. Der Donnerstag vor dem Schützenfest ist der Tag der Nachbarschaften und Bogengemeinschaften, die für das passende Ambiente sorgen. Das honoriert auch der Schützenverein.

Von Ulrike von Brevern

Die Bogengemeinschaft der Langeförter freut sich mit Vertretern des Vorstands und aktiven Helfern aus dem Bürgerschützenverein, das „ihr“ Bogen in diesem Jahr wieder steht. Foto: Ulrike von Brevern

Der erste Kasten kühlen Blondes ist schon gut zur Hälfte geleert. Die große Bogengemeinschaft der Langeförter ist zum Warten verdammt. Die sechs Pfosten, die später den traditionsreichsten Bogen Sassenbergs tragen werden, sind fachmännisch am Straßenrand verankert. Die weiteren Bestandteile sind aus dem Container auf dem Gelände der Kita Pusteblume befreit, in dem sie die lange schützenfestfreie Zeit fristen mussten, und stehen jetzt auf dem Bürgersteig an der Langefort bereit. Aber der Kran kommt nicht. Ohne den geht bei diesem aufwendigen Bogen gar nichts.

Die Langeförter haben einen besonders komplizierten Bogen zu betreuen. Foto: Ulrike von Brevern

Donnerstag vor Schützenfest - das ist für viele Nachbarschaften und Bogengemeinschaften der Tag, an dem es für sie losgeht mit dem Herausputzen des Ortes für das Fest der Feste. Nicht umsonst hat der Vorstand des Bürgerschützenvereins auch diesen Abend gewählt, um Dank und Anerkennung - nicht nur in flüssiger Form - an die vielen Aktiven zu verteilen. Die Abordnungen haben sich den Ort aufgeteilt. Präsident Franz-Josef Ostlinning samt Begleitung etwa ist im Planwagen im Osten unterwegs. Er wird von einer Truppe junger Musiker begleitet, die den fleißigen Nachbarschaften gleich noch ein Ständchen bringen.

Jannik Freye, Marc Brenne, Can Denis, Finn Tönnemann, Laurenz Sielaff, Mattes Frense, Finn Robecke, Jan Borgmann und Lukas Schuckenberg (l.) danken mit einem Ständchen. Foto: Ulrike von Brevern

„Es ist phänomenal, was in diesem Jahr abgeht“, freut er sich über die rege Beteiligung der Sassenberger. „Dieses Jahr sind sie noch engagierter, wollen alles noch etwas perfekter haben nach drei Jahren Pause. Die merkt man einfach!“ Die jungen Musiker spielen „Schön ist es auf der Welt zu sein“. Da können die Nachbarn nach getaner Arbeit nur zustimmen.

Paul Twehues ist bei den Langeförtern schon am längsten dabei. Foto: Ulrike von Brevern

Auch an der Langefort soll der Kran jetzt bald kommen. Die Tradition des aufwendigen Schmückens ist spätestens seit dem 125-jährigen Jubiläum des Bürgerschützenvereins belegt. 1964 wurde der erste Bogen über die Langefort gespannt. Vier Jahre später zog Paul Twehues an die Straße und ist seither Jahr für Jahr beim Aufbau dabei. Der 84-Jährige, der Kinder und Enkel dabei hat, ist nicht nur der Älteste, sondern auch der Erfahrenste im Kreis der Wartenden. Gar keine Erfahrung dagegen haben Jamie Haupthoff und Albert Hedke, die gerade erst in diesem Jahr eingezogen sind in das Haus, vor dem jetzt der Bogen in seinen Einzelteilen liegt. Gespannt erleben sie die Premiere einer der wichtigsten Gepflogenheiten ihrer neuen Heimat mit.

An der Langefort kommt der Dank vom Vorstand per Traktor-Kutschwagen. Foto: Ulrike von Brevern

Zu den Wartenden hat sich nun auch der Vorstandstrupp rund um Frank Deitert gesellt, der für den Sassenberger Süden zuständig ist. Sie kleben schon einmal vorsorglich die „Prüfplakette“ an die noch einsam, ohne Kopf dastehenden Pfosten. „Erfunden“ wurde die jeweils ein Jahr gültige Plakette schon 2019 als besonderer Jux für den Deko-Donnernstag. In diesem Jahr wird sie allerdings erst zum zweiten Mal verklebt.

Prüf-Plakette mit kurzer Halterbarkeit Foto: Ulrike von Brevern

Als der Kran endlich kommt, ein spezielles Schwerlastmodell aus Telgte das bei dem schweren Bogen aushilft, geht alles vergleichsweise schnell. Während die Rundung am Kran hängt, müssen die drei großen Teilstücke des Bogens zusammengefügt werden. Das geht nicht ganz ohne Fluchen ab. Junge Schützen helfen mit, denn alleine schafft die Nachbarschaft diesen Bogen nicht mehr, bekennt Twehues. Das aufwendige 3-D-Modell gebe es seit 2001. Damals wanderte der ursprüngliche Langeförter Bogen in die Christian-Rath-Straße.

Als der Bogen schließlich über der Straße prangt, ist auch Newcomer Albert Hedke ein bisschen stolz. Die Vorstandsabordnung ist da schon lange wieder weg. Bis alle rund 90 Nachbarschaften beehrt sind, werde es trotz Sommerzeit wohl dunkel werden, hat Frank Deitert im Wegfahren vorausgesagt.

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