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Flüchtlingskoordinatoren nutzen das Zollhaus

Neuer Raum für Aktivitäten

Sassenberg

Im restaurierten Zollhaus passiert mittlerweile eine ganze Menge – private Veranstaltungen, aber auch regelmäßige Treffen finden dort jetzt statt. So leitet Mohammed Ali dort jetzt regelmäßig eine Schachgruppe, so dass nun die Schützlinge der beiden städtischen Flüchtlingskoordinatoren dort das Schachspiel erlernen können. Auch Deutschkurse für Asylbewerber finden im Zollhaus mittlerweile statt.

Von Ulrike von Brevern

Der Syrer Mohammed Ali (hinten Mitte) bietet für geflüchtete Kinder im Grundschulalter eine Schach-AG im Zollhaus an. Foto: Ulrike von Brevern

Das restaurierte Zollhaus beginnt, sich mit Leben zu füllen. Nicht nur mit privaten Veranstaltungen oder Neugierigen, die sonntags das kleine Uphues-Museum im Raum mit der „Kölner Decke“ besuchen. Seit einigen Wochen kann Josef Lutterbeck, Vorsitzende des Trägervereins, auch Schützlinge der beiden städtischen Flüchtlingskoordinatoren Nicole Palsherm und Rick Schulze begrüßen. Und die Schule für Musik im Kreis Warendorf hat auch schon einen Fuß in die Tür gesetzt.

„Alles hat sich ganz wundersam gefügt“, freut sich Nicole Palsherm mit Blick auf die Kinder, die im Gastraum des alten Zollhauses gerade ihre Schachbretter auspacken. Bei der Bilderausstellung mit Werken Geflüchteter, die vor Ostern im katholischen Pfarrheim zu sehen war, kam sie zufällig in Kontakt mit Mohammed Ali, der jetzt am Tisch Läufer, Springer und Könige sortiert. Der Syrer, der seit 2015 in Hoetmar lebt und verwandtschaftliche Beziehungen nach Sassenberg hat, wollte gerne ehrenamtlich eine Schach-AG anbieten. Was fehlte, waren Räume.

Nachhilfe für Asylbewerber

Die gab es vis á vis des Rathauses. Die Stadt habe sich im Zollhaus nun den Mittwoch gesichert, erläutert Parlsherm. Die pensionierten Lehrer Georg und Veronika Burholt geben dann einigen Asylbewerbern Nachhilfe für ihre Deutschkurse. Ab 15.30 Uhr kommen dann Ghazal, Yasin, Imira und die anderen zum Schachspiel.

Die Kinder gehen alle zur Johannesgrundschule. Gelegentlich bringt Schachlehrer Mohammed Ali auch seine Söhne mit. Omar spielt schon seit seinem vierten Lebensjahr Schach. Zu jung für den Königssport? Nein, zu jung könne man dafür gar nicht sein, ist Ali überzeugt, obwohl er selbst erst mit Ende zwanzig das Spiel mit Läufer und Turm für sich entdeckt hat.

Die Kinder sitzen sich vor den Übungsbrettern, die die Stadt eigens angeschafft hat, am langen Holztisch im Gastraum gesittet gegenüber. Unterrichtssprache ist Deutsch, allerdings mit arabischen Einlagen, denn fast alle Kinder stammen aus Syrien oder Afghanistan. Die Figuren können sie anstandslos auf Deutsch bezeichnen genauso wie die Zugrichtungen. Gebe es aber Verständnisschwierigkeiten, helfe er mit Arabisch nach, sagt Ali.

Josef Lutterbeck (Mitte) freut sich über die neuen Aktivitäten, die Nicole Palsherm und Rick Schulze als Flüchtlingskoordinatoren der Stadt ins Zollhaus tragen. Foto: Foto: Ulrike von Brevern

Den Kindern macht das Schachspiel so viel Spaß, dass sie auch am ersten Ferienmittwoch noch einmal gekommen sind. Ghazal, die sich mit einem Prinzessinnen-Outfit schick gemacht hat, spielt das Königsspiel mit ihrem wenig älteren Bruder inzwischen auch gelegentlich zuhause, erzählt sie. „Auf dem Handy“, gesteht die Zweitklässlerin. Gewinnen würde meist ihr Bruder, sagt sie mit einem entschuldigenden Lachen und zeigt sie mit dem Daumen auf Mohammed, der neben ihr sitzt.

In den Ferien ist zunächst erst einmal Pause mit dem Schachprojekt. „Danach läuft es so lange weiter, wie die Kinder Spaß daran haben“, sagt Nicole Palsherm. Die Flüchtlingskoordinatoren können sich auch durchaus noch andere Aktivitäten vorstellen, schließlich stehen ihnen alle Räume im Zollhaus zur Verfügung. Ein interkulturelles Café steht oben auf der Wunschliste. Rick Schulze grübelt zudem über ein regelmäßiges Format, das besonders auch die allein reisenden Männer anziehen und binden könnte. „Wir machen das situationsorientiert“, blickt Palsherm in die Zukunft. „Man muss auch sehen, was Sassenberg bewegt.“ Menschen mit Ideen, die aktiv werden wollten, seien dabei immer gern gesehen, betont sie.

Hinten, im größten Raum des Zollhauses, der ehemaligen Scheune könnten zum Beispiel Vorführungen stattfinden. Nach den Ferien wird dieser Raum montags von der Schule für Musik im Kreis Warendorf genutzt, bestätigt deren Regionalleiterin Christiane Brenne.

Das Schlagzeug, das früher in der Johannesgrundschule stand, ist bereits umgezogen. „Im Grunde suchen wir schon seit Jahren nach einem Raum“, sagt Brenne. Durch wachsende Schülerzahlen braucht die Johannesgrundschule ihrer Räume wieder zunehmend selbst. Doch ein Schlagzeug braucht einen festen Standort, kann nicht für jede Stunde auf- und abgebaut werden. Jetzt steht es geschützt auf der Empore im Zollhaus und falls es mal ein anderer Musiker darauf spielen wolle – darüber lasse sich reden, sagt Brenne.

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