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Tag des offenen Parks auf Haus Harkotten

Nichts verstellt den Blick aufs Haus

Füchtorf

Myriam von Korff führte nach langer coronabedingter Pause wieder interessierte Gäste durch Haus, Garten und Kapelle von Harkotten

Von und

Stolz präsentierte Myriam von Korff ein Video vom restaurierten Uhrwerk in der Kapelle. Foto: Christopher Irmler

Aufgrund der Corona-Pandemie musste die Familie von Korff weitgehend auf Publikumsverkehr verzichten. Umso glücklicher war Myriam von Korff, am Sonntagmittag anlässlich des Tages des offenen Parks weiter Führungen anbieten zu dürfen. Untätig sei man in den vergangenen Monaten jedoch keineswegs gewesen - im Gegenteil. So nutzte eine Gruppe von Historikern das vergangene Jahr, um zahlreiche Manuskripte zu transkribieren. Von besonderem Interesse ist dabei die Historie des Areals vor dem 19. Jahrhundert, als das heutige Herrenhaus als Schloss nach den Plänen von Architekt Adolph von Vagedes fertiggestellt wurde.

„Die redaktionelle Arbeit beginnt gerade. Ich hoffe, dass die Publikation Anfang des kommenden Jahres erscheint“, ist von Korff optimistisch. Auch die Familie sei von einigen Zwischenergebnissen der Forschungen sehr überrascht. Man dürfe gespannt sein.

Am Sonntag stand erst einmal die Parkanlage im Mittelpunkt. Die heutige Gestaltung habe wenig bis nichts mehr mit jener des 18. Jahrhunderts gemein, so von Korff. Beim benachbarten Herrenhaus von Kettler etwa war einst eine Allee inklusive Insel angelegt worden, di mit einem Boot und ein wenig Muskelkraft erreicht werden konnte. Auch der heute von Spaziergängern geschätzte Wald sei kein historisches Relikt. Einem Situationsplan von 1798 zufolge wurde der von-Korffsche Eiskeller als Familiengruft genutzt - was auch für die heutige Familie von Korff eine Überraschung war. Der alte Baumhain wurde in der Folge gerodet, das einstige Wegenetz sei verschwunden.

Ähnliches gilt für die markante Zufahrt zum Herrenhaus. Um 1830 war der Steinkamp und der weitere Weg als Lustgarten angelegt worden. „Das ist heute leider nicht mehr erkennbar. Man hat es sehr verändert und aufgeforstet“, spricht Myriam von Korff auch die unterschiedlichen Funktionen von Park und Wald an. Auf Erholung und Zerstreuung in romantischen Gärten folgte die forstwirtschaftliche Nutzung.

„So, wie sie es jetzt sehen, ist es noch ziemlich authentisch“, zeigt die Hausherrin auf die Parkanlage und den Teich vor dem Herrenhaus. Alles sei dem Gebäude untergeordnet, nichts solle den Blick darauf verstellen. „Hier war jeder Spatenstich durchdacht und geplant.“

Ein weiterer Schwerpunkt ihrer informativen Führung war die Entwicklung der Gebäude - insbesondere der Kapelle. Diese erhielt jüngst neue Dachpfannen, der Glockenreiter wurde mit neuen Schieferplatten versehen. Und auch das Uhrwerk aus dem Jahre 1890 konnte restauriert werden. Alle drei Tage klettere ihr Mann Ferdinand hinauf, um das Uhrwerk aufzuziehen. Nun schlägt die Uhr wieder im regelmäßigen Takt.

In der Kapelle selbst wurden sämtliche Figuren restauriert. In ihrem Inneren habe man Reste von Käfern gefunden, so Myriam von Korff. Behutsam sei jedoch auch hier eine Aufarbeitung möglich gewesen - allerdings mit Auswirkungen. „Die Kapelle ist ein beliebter Ort. Da wir aber die Figuren vor erneutem Schädlingsbefall schützen wollen, bleibt die Tür geschlossen.“ Informative Führungen - im Anschluss an den Rundgang empfing Myriam von Korff bereits die erste Besuchergruppe für eine Tour durch das Herrenhaus - sollen jedoch weiterhin ermöglicht werden.

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