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Pläneschmieden für den Umzug

Appartementhaus für junge Erwachsene im Rohbau fertig

Sassenberg

Der Rohbau ist schon fertiggestellt, und im Spätsommer können voraussichtlich die ersten Wohnungen bezogen werden. Lena Schmitfranz ist eine der zukünftigen Mieterinnen des Appartementhauses für junge Erwachsene mit Behinderung. Als Quartiersmanagerin wird Lena Ostholt ab Februar beginnen, ihre Fühler in Sassenberg auszustrecken. Sie wird „den Sozialraum analysieren“, das heißt untersuchen, ob zum Beispiel Wege für Menschen mit Behinderung gut erkennbar sind.

Von Ulrike von Brevern

Lena Ostholt (l.) und Lena Schmitfranz sind bei Lena Schmitfranz daheim im Garten. Die umfangreiche Schneekugelsammlung soll auf jeden Fall mit umziehen. Foto: Ulrike von Brevern

Lena Schmitfranz kann es kaum noch erwarten: Im Spätsommer wird sie zu den ersten Mieterinnen des neuen Appartementhauses gehören, das derzeit hinter dem katholischen Pfarrheim in Sassenberg in die Höhe wächst. Im Auftrag des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) baut die „Selbstständig Wohnen gGmbH“ (SeWo) hier, wie berichtet, insgesamt zwölf Wohnungen für junge Erwachsene mit Behinderung, die selbstständig wohnen möchten. Damit sollen sie Alternative sein zum klassischen Wohnheim.

Der Rohbau sei inzwischen fertiggestellt, ein Richtfest werde allerdings nicht geplant, berichtete SeWo-Projektleiterin Bianca Rodekohr auf Anfrage. Jetzt werden Leitungen verlegt und anschließend folge der Innenausbau. Beides hat es in sich, denn das Haus soll mit verschiedenartigen technischen Assistenzmöglichkeiten ausgestattet werden, um den Bewohnern das eigenständige Leben zu erleichtern.

Für Betreuung und Unterstützung der Bewohner kooperiert die SeWo mit der Caritas im Kreisdekanat Warendorf, für die die in Sassenberg angestrebte Wohnform ebenfalls Neuland ist, hält Lena Ostholt fest. Sie hat als Lena Schmitfranz‘ Betreuerin und zukünftige Quartiersmanagerin gleich eine Doppelfunktion im Projekt inne.

Keine Bedenken in Sachen Auszug

Lena und Lena, das sind zwei junge Frauen, die sich schon lange kennen und glänzend verstehen. Entsprechend wenige Bedenken hat Schmitfranz auch, von zuhause auszuziehen. „Das Beste ist, dass Lena auf mich

aufpasst“, sagt die junge Frau mit überschäumender Vorfreude, aber auch großer Unabhängigkeit. Sie habe ohnehin alles selbst in die Wege geleitet, erinnert sich ihre Mutter Maria Hecker. Die Information über die neue Wohnmöglichkeit hatte die heute 22-Jährige noch in der Schule aufgeschnappt. Mögliche Bedenken der Eltern fegte sie weg. „Aber Mama, ihr werdet ja auch nicht jünger“, habe ihre Tochter zu ihr gesagt erzählt Maria Hecker lachend.

Mindestens eine Mitmieterin kennt Lena schon gut. „Meine Freundin zieht auch ein“, erzählt die junge Frau begeistert. „Und dann wollen wir auch mal zusammen kochen!“ Das üben Lena und Lena jetzt im Vorfeld, denn obwohl Schmitfranz im Bereich Hauswirtschaft auf dem Hof Lohmann arbeitet, ist das selbstständige Kochen doch etwas ganz anderes. Ihre Freundin Nele traue es sich auch nicht so recht zu, erzählt Lena selbstbewusst: „Da habe ich ihr gesagt: ,Du schnibbelst, ich koche‘“. Nudelsalat hat sie mit Lena Ostholt schon mal geübt: „Der war lecker!“, lobt sie die gemeinsamen Bemühungen.

Zwei Doppelappartements im Angebot

Neben zehn Einzelwohnungen werden auch zwei Doppelappartements an der Elisabethstraße entstehen. Doch mit ihrer Freundin zusammenziehen wollte Lena Schmitfranz nicht. „Ich will mich zurückziehen können“, sagt sie entschieden. Genau das sei ein Teil des Konzeptes, erläutert Lena Ostholt, obwohl viel für gemeinsame Aktivitäten getan werde soll. „Jeder kann teilnehmen, keiner muss. Und die Wohnungen gehören komplett den Mietern, da haben wir auch keine Schlüssel.“

Als Quartiersmanagerin wird Lena Ostholt ab Februar beginne

Lena Ostholt und Lena Schmitfranz beim Spatenstich zum LWL-Appartementhaus in Sassenberg Foto: Ulrike von Brevern

n, ihre Fühler in Sassenberg auszustrecken. Sie wird „den Sozialraum analysieren“, das heißt untersuchen, ob zum Beispiel Wege für Menschen mit Behinderung gut erkennbar sind. „Ich werde Sassenberg auf Menschen mit Behinderung vorbereiten“, fasst sie scherzend den einen Teil ihre Aufgabe zusammen, zu dem auch Gespräche mit anliegenden Händlern oder der Nachbarschaft gehören. Sie wird auch den Kontakt zu Ehrenamtlichen und Vereinen suchen: „Wir wollen das Haus in die Stadt integrieren“, sagt sie. Lena Schmitfranz ist schon jetzt stolzes Mitglied der Damenkompanie und könnte sich vorstelle, künftig gemeinsam mit Behinderten und Nichtbehinderten Boßeln zu gehen. Wünsche anderer künftige Bewohner gehen in Richtung Karnevalsverein oder eine gemischte Kegeltruppe.

Ein Mietertreffen ohne Eltern hat es bereits gegeben. Das sei sehr gut gelaufen, berichtet Ostholt. Allerdings sind seit Baubeginn auch drei Mieter wieder abgesprungen. „Es hat sich herausstellt, dass das doch nicht die richtige Wohnform für sie ist“, erläutert Lena Ostholt, die nun mit neuen Interessenten ins Gespräch kommt.

Aber Lena Schmitfranz hat keine Zweifel. Sie hat sich eine Wohnung im Obergeschoss ausgesucht. Anfang des Jahres dürfen die Mieter laut SeWo die Baustelle das erste Mal begehen. Danach will Lena bald ins Möbelgeschäft und sich eine neue Ausstattung aussuchen: „Da gehe ich dann mit Lena shoppen“, sagt sie entschieden zu ihrer Mutter: „Die kennt sich aus, die ist schon mehrmals umgezogen.“

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