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Schatz aus dem Uphues-Nachlass ans Zollhaus übergeben

Post ans liebe Mütterchen

Sassenberg

Hanjo Lucassen und Thomas Rossel überreichten stilecht in einer goldenen Schachtel einen Schatz ans Alte Zollhaus. In der Kiste befinden sich rund 100 Briefe und 80 Postkarten, die der Bildhauer Joseph Uphues an sein Mütterchen in Sassenberg schrieb.

Von Michèle Waßmann

Strahlende Gesichter bei der Schatzübergabe im künftigen Ausstellungsraum (v.l.): Dr. Elisabeth Baxhenrich-Hartmann und Josef Lutterbeck (Beider Zollhausverein) sowie die Sponsoren und Förderer Hanjo Lucassen und Thomas Rossel Foto: Michèle Waßmann

„Liebes Mütterchen, heute war ich beim Kronprinzen Wilhelm zu Gast und morgen wird in Berlin ein Denkmal von mir enthüllt“ schrieb der berühmte Bildhauer Joseph Uphues um die Jahrhundertwende in seine Sassenberger Heimat. Nicht immer ist in den rund 100 Briefen, die der Zollhaus-Verein gestern offiziell überreicht bekam, von so hochtrabenden Dingen die Rede. Manchmal ist es auch nur ein kurzer Postkartengruß oder ein Dankeschön für die leckere Wurst aus der westfälischen Heimat.

Hanjo Lucassen und Thomas Rossel sind Cousins. Ihre Mütter kommen aus dem Hause Hunkenschröder von der Langefort und beide sind bekennende Heimatfreunde und Förderer der Sassenberger Geschichte. Zusammen haben sie es ermöglicht, dass ein Nachlass des Bildhauers Joseph Uphues (1850 - 1911) von einem Antiquitätengeschäft in der Nähe von Leipzig angekauft werden konnte. Die Verhandlungen waren langwierig aber letztendlich erfolgreich, unterstreicht Thomas Rossel, der mit dem zweiten Vorsitzenden des Zollhausvereins Josef Lutterbeck die rund 100 Briefe und 80 Postkarten nach Sassenberg holte.

Sein Herz für Uphues-Werke wurde Hanjo Lucassen, der für die Übergabe eigens aus Wismar anreiste, schon früh in die Wiege gelegt. Dessen Vater Hans, der früher an der Langefort ein Eisenwarengeschäft betrieb und übrigens auch die Sassenberger SPD gründete, schärfte seinem Sohn von klein auf ein: „Wir haben mit Uphues einen großen Sohn, sein Andenken muss zurück nach Sassenberg“.

Vor rund 30 Jahren entdeckte Lucassen in Dresden bei einem Antiquitätenhändler einen bronzenen Bogenschützen von Uphues. Nach kurzer Rücksprache mit seinem Vater erstand er das wertvolle Stück. Wenn er die Geschichte erzählt leuchten nicht nur seine Augen, sondern auch die von Dr. Elsiabeth Baxhenrich Hartmann und Josef Luterbeck. Denn die beiden engagierten Heimatfreunde wünsche sich sehr, dass Lucassen sich vom Bogenschützen trennt und ihn als Dauerleihgabe dem Alten Zollhaus als zentrales Stück im künftigen Museumsraum an der Schürenstraße zur Verfügung stellt.

Den Raum mit der „Kölner Decke“ zieren zur Zeit noch freiliegende Kabel, Farbeimer und eine große Leiter. Doch schon im Oktober, spätestens zu Weihnachten, sollen dort Vitrinen und einer großer Bildschirm stehen, auf der Geschichte erlebbar wird. Und das, unterstreicht Lutterbeck soll museumsdidaktisch modern geschehen und immer wieder „nachgefüttert“ werden. Und alle, die es bis dahin nicht abwarten können, empfiehlt er den Wikipedia-Eintrag über Uphues.

Den Schatz in der Goldkiste nahm Baxhenrich-Hartmann entgegen. Über den Inhalt wissen sie und ihr Ehemann Rolf Hartmann sowie auch Josef Lutterbeck schon eine Menge, konnten sie doch schon im Vorfeld etliche Kopien studieren. Denn ganz so einfach ist das Lesen nicht, da alle Briefe und Postkarten in Sütterlin geschrieben sind. Das macht ein schnelles Überfliegen schwierig. Auch daher ist eine Aufarbeitung des Schatzes auch so wichtig, um den Bildhauer Uphues für die Nachwelt wieder lebendig werden zu lassen.

Und, wer weiß, vielleicht zielt dann ja auch bald der bronzene Bogenschütze auf besonders lesenswerte Stellen der Uphues-Korrespondenz an sein Mütterchen und seine Nichte Käthe.

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