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Berufsorientierung

Schüler bauen Stirlingmotor

Sassenberg

Besser als in Büchern lernt man doch mit den eigenen Händen: 16 Sekundarschüler aus Sassenberg opferten die Hälfte ihre Osterferien, um sich beruflich zu orientieren – und bauten ihren eigenen Stirlingmotor. Im Werkraum des Bildungszentrums der Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf in Warendorf kam das „Zukunft durch Innovation“-Projekt gut an. Dieses wird auch von der Agentur für Arbeit gefördert.

Peter Sauer

Hand in Hand arbeiten (v.l.) Jürgen Schürenkamp, didaktischer Leiter der Sekundarschule, Schülerin Anja Gazke, Projektleiter und Werkzeugmachermeister Georg Lehmkuhl sowie die beiden Schüler Tim Rutemöller und Jannik Wall. Foto: Peter Sauer

Konzentriert feilt Anja Gazke an einer Abdeckkappe. Immer und immer wieder. Die Achtklässlerin der Sekundarschule Sassenberg schaut ganz genau hin. Umschüler Antonio Dodao Paulo gibt der 14-Jährigen Tipps, worauf sie achten muss. Anja Gazke gehört zu den 16 Achtklässlern die in den Osterferien nicht die Beine hochlegen, sondern freiwillig Berufsluft schnupperten.

Im Werkraum des Bildungszentrums der Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf herrscht eifriges Treiben. Alle haben ein Ziel: Binnen einer Woche aus Einzelteilen einen Stirlingmotor bauen (der heutzutage in kleineren Blockheizkraftwerken zum Einsatz kommt) und ihn ans Laufen zu bringen. Auch Jannik Wall und Tim Rutemöller sind mit Feuereifer dabei, handfräsen Kleinstteile und schrauben alles zusammen.

Aus diesen Teilen bauten die Sekundarschüler ihren Stirlingmotor. Foto: Peter Sauer

Den Sekundarschülern, die in Gruppe zu je acht Personen jeweils fünf ganze Tage in der Kreishandwerkerschaft arbeiten, helfen erfahrene Experten: Jürgen Schürenkamp, didaktischer Leiter der Sekundarschule, Handwerksmeister Norbert Kintrup, der pensionierte Werkzeugbaumeister Ludwig Sobkowiak und nicht zuletzt Werkzeugmachermeister Georg Lehmkuhl.

Der stellte auch die Initiative „Zukunft durch Innovation (ZDI)“ vor, mit der das Land NRW bei den Schülern Interesse an den Mint-Fächern und berufen, Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, wecken will. „Die Sassenberger Schüler lernen hier“, erläutert Georg Lehmkuhl, „technische Zusammenhänge zu erfassen und erhalten gute Einblicke und Grundlagen in die Metall- und Ingenieurberufe.“

Auch mit offener Flamme wurde gearbeitet. Foto: Peter Sauer

Und das ganz in echt. Nach einleitender Theorie arbeiten die Sekundarschüler praxisorientiert. „Sie lernen computergesteuerte Maschinen für Bohrungen und Fräsungen kennen, die CAD-Technik und auch 3D-Drucker.“

In der Schule würden ihnen diese vielseitigen Erfahrungen aufgrund fehlender Maschinen ansonsten verwehrt bleiben. Jürgen Schürenkamp freut sich über den nicht abreißenden Tatendrang der Sassenberger Schüler. So nimmt die Sekundarschule bereits im dritten Jahr in Folge an dem ZDI-Motorbauprojekt der Kreishandwerkerschaft teil, das von der Agentur für Arbeit gefördert wird. Die angebotenen Plätze waren schnell vergeben. Das zeige die Motivation der Schüler, sich auch in den Ferien um ihre berufliche Zukunft zu kümmern. Die Fehlquote ist dabei verschwindend gering. Das zeigt, wie sehr die Schüler das Projekt schätzen, so Schürenkamp. Und: Erstmalig sind auch Mädchen mit dabei.

Anja Gazke (14) bekommt von Umschüler Antonio Dodao Paulo wichtige Tipps. Foto: Peter Sauer

Als Lohn winkt den Achtklässlern ein Zertifikat der Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf, was sicherlich, da ist sich Schürenkamp sicher, „als Türöffner bei Bewerbungen dienen kann“. Außerschulische Lernorte unterstützten zudem die persönliche Entwicklung der Achtklässler: „Die Schüler müssen unter fremden Bedingungen mit fremden Menschen ein Projekt durchführen. Das steigert ihr Selbstbewusstsein.“

Außerdem darf jeder seinen fertiggestellten Stirlingmotor auch mit nach Hause nehmen.

Auch Schülerin Anja Gazke hat das Ganze viel Spaß gemacht: „Ich kann mir gut vorstellen, später in diesem Berufsfeld zu arbeiten.“

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