1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Sassenberg
  6. >
  7. Stadt hat Lage fest im Griff

  8. >

Eichenprozessionsspinner

Stadt hat Lage fest im Griff

Sassenberg/Füchtorf

Die konsequente Bekämpfung in den Vorjahren hat sich bezahlt gemacht. In diesem Jahr hat die Stadt wesentlich weniger Arbeit mit dem Eichenprozessionsspinner, dessen Brennhaare unangenehme Hautreaktionen, aber auch anaphylaktische Schocks auslösen können. Deswegen können Bürger, die noch nicht behandelte Nester entdecken, sich an das Ordnungsamt wenden. Die Nester werden dann schnellstmöglich entfernt.

Von Ulrike von Brevern

Wie ein Astronaut wirkt der Bauhofmitarbeiter auf der Suche nach Nestern des Eichenprozessionsspinners. Der Strahl aus der Sprühlanze arbeitet nicht mit Hochdruck, sondern mit heißem essbarem Schaum. Das Nest voll Raupen wird gut eingeschäumt, bis alles aufgelöst ist und ungefährlich zu Boden tropft. Foto: Ulrike von Brevern

Ein bisschen sieht der Mann in dem Hubwagen aus wie ein Astronaut, der jederzeit erwartet, auf feindliche Aliens zu stoßen. Und ein bisschen so ist es auch. Während der eine Mitarbeiter des städtischen Bauhofs den Trecker möglichst dicht an die Baumreihe heranfährt, die auf Harkotten den Fahrrad- und Fußweg von der Bundesstraße trennt, hält der andere mit der langen Sprühlanze in der Hand konzentriert Ausschau nach Nestern des lästigen Eichenprozessionsspinners.

Sein Anzug ist hermetisch abgeriegelt und mit Filtereinrichtung versehen. Unter den Handschuhen trägt er noch ein weiteres Paar Handschuhe. Bloß keines der feinen Brennhärchen der Raupen an die Haut kommen lassen. Die Berührung mit diesen Härchen kann bekanntlich Folgen von „unangenehm“ bis „anaphylaktischer Schock“ haben.

Allerdings haben die Mitarbeiter des Bauhofs in diesem Jahr bei weitem nicht so viel zu tun wie schon in anderen Jahren. Ordnungsamtsleiter Martin Lüffe führt das auf die konsequente Bekämpfung sowohl in den Vorjahren, als auch im Frühstadium zurück. Tote Raupen werden keine Falter und produzieren so auch keine neuen Raupen.

3400 Bäume mit Biozid gespritzt

Rund 3400 Bäume wurden bereits sehr früh mit einem Biozid gespritzt. Diese Arbeit hat ein professioneller Schädlingsbekämpfer übernommen. Allerdings ist das Spritzen nur außerhalb des Ortes erlaubt und auch in Naturschutzgebieten untersagt. „Aber man glaubt gar nicht, wie viele Eichen wir hier im Außenbereich entlang der Wirtschaftswege stehen haben“, erinnert Lüffe. Beim Spritzen ist der genau passende Zeitpunkt entscheidend. „Dann entwickeln sich die Raupen nicht mehr weiter und wir haben fast eine 100-Prozent-Chance, so wie andere Kommunen auch.“

Eichenprozessionsspinner Foto: Ulrike von Brevern

Auf Harkotten kommt eine andere Bekämpfungsart zum Einsatz, so wie auch am Feldmarksee, im Innenstadtbereich und im Naturschutzgebiet. Aus der Sprühlanze wird heißer Schaum auf die Nester gesprüht Maisstärke und Kokos werden eingesetzt, um die Temperatur hoch zu halten. „Die Tierchen werden ausgekocht“, beschreibt Lüffe das Verfahren bildlich. Wichtig ist, das gesamte Nest zu erwischen, denn die Härchen darin würden weiter brennen, wenn der Schaum nicht das ganze Gebilde auflöst. Der Schaum sei so ungiftig, dass er essbar sei, erzählt der Ordnungsamtschef. Bei der Vorführung des Verfahrens habe das der Experte sogar live vorgemacht.

Nester beim Ordnungsamt melden

Überwiegend auf diese Weise wurden bislang insgesamt rund 160 Nester beseitigt – weniger als im Vorjahr und auch kleinere. Im vergangen Jahr sei neben diesem Verfahren zudem noch parallel ein Absauggerät zum Einsatz gekommen, um zweigleisig arbeiten zu können. Das Problem an dem Verfahren: Die Nester werden in den Behälter eingesaugt und müssen später entsorgt werden – und zwar nicht auf einer Deponie, sondern in einem Brennofen.

Eichenprozessionsspinner Foto: Ulrike von Brevern

Rund fünf bis sieben Jahre dauere der Belastungszyklus, ehe es wieder besser werde, sagt Lüffe. Für dieses Jahr zieht er da schon mal eine durchweg positive Bilanz: „So gut wie in diesem Jahr hatten wir die Lage noch nie im Griff!“ Ganz vorbei ist die Gefahr durch die Eichenprozessionsspinner allerdings noch nicht. Bis Anfang Juli tauchen erfahrungsgemäß immer wieder mal Nester auf. Wer noch eins sieht, kann sich direkt ans Ordnungsamt wenden. „Wir geben das 1:1 an den Bauhof weiter und es wird möglichst noch am gleichen Tag beseitigt“, verspricht Lüffe.

Startseite
ANZEIGE