Baubeginn an der Elisabethstraße

Technische Finessen und gute Nachbarschaft

Sassenberg

Jetzt ist er gesetzt – der erste Spatenstich für das Wohnprojekt für Menschen mit Behinderung, das derzeit an der Elisabeth-Straße entsteht. Rund 26, Millionen Euro lässt sich der LWL das Vorzeigeprojekt kosten.

Von Ulrike von Brevernund

Die Sassenbergerin Lena Schmitfranz (r.) freut sich auf ihr neues Heim. Quartiersgestalterin Lena Osterholt (l.) wird sich um die Einbindung des Projekts in die Ortsgemeinschaft kümmern. Foto: Ulrike von Brevern

„Ich freue mich darauf, auf eigenen Beinen stehen zu können und Neues zu entdecken!“ Trotz ihrer Aufregung strahlt Lena Schmitfranz, als sie vor prominent besetztem Publikum von ihren Träumen und Hoffnungen spricht. Die Sassenbergerin gehörte am Mittwoch zu den Ehrengästen beim ersten Spatenstich zum neuen Wohnprojekt für Menschen mit Behinderung, das derzeit an der Elisabeth-Straße entsteht. Gleichzeitig wird sie eine der ersten Bewohnerinnen sein.

Rund 2,6 Millionen Euro lässt sich der LWL das Vorzeigeprojekt kosten. Es ist eines von insgesamt 15 Projekten, die Rahmen des Programms „Selbstständiges Wohnen“ (SeWo) westfalenweit realisiert werden. „Hier ist der Bewohner der Hausherr und ich muss klingeln“, erläutert Manfred Lensing Projektbeauftragter des Caritasverbandes den Unterschied zum Leben in Heimen und betreuten Wohneinrichtungen ganz plakativ.

Hinter dem katholischen Pfarrheim entstehen insgesamt zehn Einzel- und zwei Doppelapartments. Hinzu kommen Gemeinschaftsräume. Der Architekt Klaus Burhoff, der auch das Pfarrheim geplant hat, hat in diesem Fall einen dreistöckigen, roten Ziegelbau mit asymmetrischen Schrägdach entworfen.

Die Mieter des bereits ausgebuchten Hauses sind überwiegend im Alter zwischen 20 und 35, erläutert Lensing, darunter gleich fünf Sassenberger. Sie alle leben bislang noch bei den Eltern. In etwa 14 Monaten werden sie in ihre erste eigene Wohnung einziehen können.

Zu wenig Wohnraum

Es gebe für Menschen mit Beeinträchtigung zu wenig Wohnraum, kritisierte LWL- Direktor Matthias Löb erneut anlässlich des Ersten Spatenstichs. Zugleich sei es derzeit schwierig, Baugrund für die bereits geplanten Projekte zu finden. Umso mehr lobte er den sehr zentralen Standort in Sassenberg, denn es gehe nicht allein um Wohnungen, sondern auch darum, Berührungsängste zu überwinden und Menschen mit Beeinträchtigungen in die Mitte holen: „Das ist hier perfekt gelungen.“

Ein weiterer Schwerpunkt des Sassenberger Projekts sind technische Unterstützungssysteme, mit denen ein unabhängiges Wohnen für die Betroffenengruppe möglich wird. 85 000 Euro sind allein dafür veranschlagt. „Das Haus passt sich den Mietern an und nicht andersherum“, hielt Löb fest.

Weiterer Bestandteil des Projekts ist das Thema gute Nachbarschaft, die aktive Einbindung der Bewohner in die Ortsgemeinschaft und ihre Vereine. Darum wird sich in den kommenden zwei Jahren Lena Osterholt als Quartiers- und Teilhabegestalterin kümmern, selbst ebenfalls geborene Sassenbergerin.

Bürgermeister Josef Uphoff bezeichnete den Baubeginn als „tollen Tag für die Stadt Sassenberg“. Über Integration dürfe man nicht nur reden, man müsse sie auch leben.

Lena Schmitfranz jedenfalls freut sich schon mächtig auf ihre Zukunft an der Elisabethstraße, die sie sich ganz selbstständig vorangetrieben hat. „Die Idee hat sie 2018 aus der Schule mitgebracht“, erinnert sich ihre Mutter Maria Hecker. Sie habe sich auch ein Projekt in Herzebrock angesehen erzählt Lena, aber von der Elisabethstraße komme sie besser zu ihrer Arbeitsstelle auf dem Hof Lohmann, ihre Freunde lebten in der Stadt und dann ist da ja auch noch der Schützenverein, bei dem sie Mitglied in der Damenkompanie ist. Ein schöneres Geschenk zu ihrem 22. Geburtstag in den kommenden Tagen gebe es nicht.

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