Batterien und Ladetechnik brauchen Kühlung

Technotrans bringt E-Mobilität voran

Sassenberg

E-Fahrzeuge sind auf dem Vormarsch, aber sie müssen natürlich auch geladen werden. Technotrans stellt zwar selber keine Batterien her, liefert aber das unverzichtbare Wärme- und Kältemanagement.

Von Ulrike von Brevernund

Für die E-Mobilität fertigt Technotrans neben Spezialitäten auch Serien wie hier Komponenten für KFZ-Ladesäulen, zeigen Vorstandssprecher Michael Finger (l.) und Verkaufsmanager Bastian Thiel. Foto: Ulrike von Brevern

Elektrofahrzeuge gelten derzeit als einer der wichtigsten Wege zu klimafreundlicher Mobilität. Das beginnt schon beim E-Bike oder auch beim Lasten-E-Bike, das in einem Ort wie Sassenberg Autofahrten zu Kita oder Supermarkt leicht ersetzten kann. Aber auch Autos, Busse und sogar Züge sollen künftig verstärkt auf Elektroantrieb setzen. Nicht zuletzt eine Vielzahl an Förderprogrammen hat dazu geführt, dass das vergangene Jahr zu einem Rekordjahr für die Elektromobilität geworden ist.

Der Knackpunkt für die weitere Entwicklung ist und bleibt allerdings die Batterie- und Ladetechnik. Ihr widmet sich heute der „12. Batterietag NRW“, ein Forum, das unter der Schirmherrschaft von NRWs Wirtschafts- und Energieminister Andreas Pinkwart Firmen und Fachleute aus unterschiedlichen Bereichen zusammenführt, um gemeinsam Lösungen zu finden, und der zugleich als Leistungsschau der Branche gilt. Mit dabei ist auch die Sassenberger Technotrans.

Technotrans stellt zwar selber keine Batterien her, liefert aber das unverzichtbare Wärme- und Kältemanagement. Die gängigen Lithium-Ionenbatterien arbeiten am Besten bei gleichmäßigen Temperaturen von 20 bis 30 Grad Celsius. Dann sind sie am leistungsfähigsten und das wirkt sich nicht nur auf die Reichweite, sondern auch entscheidend auf die Lebensdauer der sehr kostspieligen Energiespender aus, erklärt Verkaufsmanager Bastian Thiel. „Thermomanagement ist der zentrale Baustein für die E-Mobilität“, zeigt sich daher auch Vorstandssprecher Michael Finger überzeugt.

Als Prestigebeispiel und Ausgangspunkt für die Eroberung des E-Mobilitäts-Marktes nennt Thiel die Mitarbeit an der elektrischen Tram im Wüstenstaat Katar ab 2012. Ohne Kühlung lässt sich die Wohlfühltemperatur einer Batterie unter den sonnigen Umweltbedingungen nie erreichen. Technotrans entwickelte eine anspruchsvolle Wasserkühlung auf dem Dach, die zudem half, rund 30 Prozent Batterieenergie einzusparen.

Für Busse, Bahnen und sogar Spezialfahrzeuge wie Ladekräne in Singapur entwickelt Technotrans Onboard-Systeme für das Thermomanagement der Batterien. Dadurch werden batteriebetriebene Züge möglich, die besonders im Personennahverkehr auf nicht durchgängig elektrifizierten Strecken Dieselloks überflüssig machen können. Für Züge in Schleswig-Holstein und in Großbritannien hat Technotrans hier bereits Großaufträge für neuentwickelte Bahnen eingeworben.

Thermomanagement ist allerdings nicht nur während der Fahrt ein Thema. Gerade in der Ladetechnik spielt eine effektive Temperaturkontrolle eine große Rolle. Unter anderem für E-Busse in Osnabrück und Münster liefert Technotrans Kühllösungen für die Ladeinfrastruktur. Dabei geht es besonders um das schnelle Aufladen zwischendurch, wenn das nächtliche Tanken im Depot für die Fahrtstrecken allein nicht reicht.

Immer wenn schnell geladen wird, entsteht besonders viel Wärme. Das gilt auch bei der individuellen E-Mobilität. Manch Käufer hat die Erfahrung gemacht, dass im Winter die Reichweite des frisch erworbenen E-Autos nicht das hält, was er erwartet hatte.

Um die Reichweite zu erhöhen setzt Autohersteller auf Schnellladesäulen, an denen möglichst binnen Minuten nachgetankt werden kann. „Die Ladekabel müssen dafür sehr viel Leistung, in kürzester Zeit übertragen“, erklärt Thiel. „Durch den Leitungswiderstand entsteht dabei viel Wärme. Deshalb werden die Kabel mit Spezialschläuchen ummantelt, in denen Kühlflüssigkeit zirkuliert.“ Das Kühlgerät befindet sich dann in den Ladesäulen.

Als Vorteil von Technotrans sieht Thiel die große Flexibilität und Anpassungsfähigkeit gerade im Bereich des Engineering. Bei der Onboard-Technik wie sie in Bahnen oder Spezialfahrzeugen Verwendung findet, sei meist der Bauraum vorgegeben. Kühlkomponenten müssen sich in Form und Gewicht anpassen.

Vom Batterietag erhofft Thiel sich natürlich Kontakt zu neuen Business-Kunden. Aber nicht nur das. „Wir suchen dort auch den Kontakt zur Forschung. Nur wenn wir da am Ball bleiben, kann das alles was werden“, setzt er lächelnd hinzu.

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