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Heimatpreis für Nikolauskomitee

Tradition ist tief in der Stadt verwurzelt

Sassenberg

In einer kleinen Serie stellen die Westfälischen Nachrichten die Preisträger vor, die erstmals den Heimatpreis gewonnen haben. Zum Auftakt geht es um das Nikolauskomitee, das schon seit mehr als 70 Jahren die Kinder erfreut.

Christopher Irmler

Mitglieder des Nikolauskomitees packen Tüten in der Johannesschule. Foto: Christopher Irmler

In der letzten Sitzung des alten Rates Ende Oktober gab Bürgermeister Uphoff die Preisträger des erstmals in Sassenberg ausgelobten Heimatpreises bekannt. Kurz vor Weihnachten wird der Preis offiziell übergeben. Die WN stellen die Preisträger in einer kleinen Serie vor. Passend zum herannahenden Nikolausfest bildet das Sassenberger Nikolauskomitee den Auftakt, das sich über den zweiten Platz und damit verbunden 750 Euro Preisgeld freuen kann.

„Heimat ist für mich, wo der Nikolaus mit dem Boot kommt. Ich habe es selbst als Kind erlebt und weiß, wie sich die Kinder fühlen. Das ist in Sassenberg eine besondere Atmosphäre – mit all den Booten und den Fackeln am Ufer.“ In seiner Rolle als Nikolaus ist Frank Deitert mittlerweile im 18. Jahr einer der wichtigsten Akteure und nach eigenen Angaben erst der vierte Amtsträger, nachdem Heinrich Maas kurz nach dem Zweiten Weltkrieg erster Nikolaus aller Sassenberger war. Zuvor, so berichtet Deitert, seien mehrere verkleidete Herren als Bischof von Myra durch Sassenbergs Straßen von Tür zu Tür gezogen. Allerdings gab es dabei offenbar hier und da einen Schluck, sodass sich der damalige Pfarrer für einen neuen, geordneten Rahmen einsetzte. Danach etablierte sich das bis heute erfolgreiche Konzept.

42 Personen bilden das Nikolauskomitee, das den Heiligen Mann tatkräftig unterstützt. Nun wurde das Engagement mit dem 2. Platz des Heimatpreises geehrt. „Wir sind sehr froh, dass diese alte Sassenberger Tradition ausgezeichnet wird“, freut sich Deitert auf die Verleihung im Dezember. „Und das in einem Jahr, in dem die Fahrt über die Hessel ausfällt.“ Eine absolute Seltenheit in der mehr als 70-jährigen Geschichte des Nikolauskomitees. Im Jahr 2013 verhinderte ein Sturm die traditionelle Ankunft per Boot. Stattdessen diente die Pfarrkirche als Ausweichquartier.

In diesem Jahr wechselt der Nikolaus das Verkehrsmittel. Per Kutsche steuert er die Kindergärten und Grundschulen an, um die Leckereien abzulegen. Die Kinder erhalten dann das süße Naschwerk von ihren Erzieherinnen und Lehrkräften.

Für gewöhnlich warten rund 1500 Kinder und Erwachsene entlang der Hessel und später auf dem Schulhof der Johannesschule auf die Ankunft von Nikolaus, Knecht Ruprecht und dem Herold. Über 700 Tüten mit Süßigkeiten werden hier an die Kinder verteilt. Und das habe sich nie geändert, so Deitert. „Wir haben das mal auf dem Mühlenplatz versucht, aber sind dann wieder zur Schule zurückgekehrt.“ „Im Großen und Ganzen erkennt jeder Erwachsene sofort den Ablauf wieder.“

Diese Tradition sei in der Stadt tief verwurzelt. Auch ein weiterer Aspekt der Brauchtumspflege wird am Beispiel des Nikolauskomitees deutlich: die personelle Konstanz. Neben Deitert als erfahrenem Nikolaus ist Norbert Rutte seit 2013 als Knecht Ruprecht dabei, Auch Christian Borgmann kündigt als Herold bereits seit über 10 Jahren den besonderen Gast an.

Ohnehin ist das Nikolauskomitee eine besondere Gruppierung. Jedes Neu-Mitglied wird – meist im Rahmen des gemeinsamen Tütenpackens – mit Hesselwasser getauft. Mehr Verbundenheit zur Institution in der Heimatstadt geht wohl kaum. Damit ist schließlich ein weiteres Treueversprechen verbunden: Die Mitgliedschaft im Komitee gilt ein Leben lang. Der Brauch werde von Generation zu Generation weitergegeben, so Deitert; die Älteren blieben gerne am Ball, Jüngere verstärkten bereitwillig das Komitee, um im Vorfeld des großen Abends gemeinsam mehr als 700 Tüten zu packen.

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