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Taubenjagd in Sassenberg

Vögel richten großen Schaden an

Sassenberg

Tauben sind eine Plage für die Bauern. Sie schaden der Ernte und fressen die ausgesäten Samen auf den Feldern. Deswegen rückt die Jägerschaft den ungeliebten Tieren jedes Jahr auf den Leib – aus Fürsorgepflicht gegenüber der Land-, Forst - und Fischereiwirtschaft.

Von Marion Bulla

Ein Teil der Strecke: Die Sassenberger Jäger erlegten 180 Ringeltauben und 15 Krähen

Mike Atig setzt an, und nimmt eine kleine Schar an Ringeltauben ins Visier. Die rühren sich nicht von der Stelle. Sie wissen: Hier stimmt was nicht. „Die Tiere sind sehr schlau. Sie haben quasi auf jeder Feder ein Auge und erkennen sofort, wenn irgendetwas anders ist. Dann bleiben die regungslos in den Baumkronen sitzen“, erläutert der Sassenberger Jäger, der am Samstagnachmittag gemeinsam mit Bernhard Knollmeier auf Taubenjagd geht.

Die Jagd wird stets kreis- und damit auch revierübergreifend veranstaltet. „Damit machen wir die Vögel unruhig. Ertönt ein Schuss von rechts, so fliegen die Tauben in die andere Richtung und da steht, wenn es gut läuft, ein weiterer Jäger“, so Knollmeier, der seit vier Jahren in Sassenberg als Hegeringleiter fungiert.

Am Samstag haben sich rund 30 Jäger aus dem ganzen Kreis aufgemacht, um dem unbeliebten Federvieh aufzulauern. Insgesamt umfasst der Kreis Warendorf mit elf genossenschaftlichen und zwölf Eigenjagdrevieren 77 000 Hektar Jagdbereich.

Mike Atig (l.) und Hegeringleiter Bernhard Knollmeier Mike Atig (l.) und Hegeringleiter Bernhard Knollmeier Foto: Marion Bulla

Tauben halten sich gern in hohen Bäumen auf. Aber sie sind schlau und bemerken sofort, wenn sich am Boden etwas verändert. Oberstes Gebot bei der Taubenjagd im Winter ist daher eine gute Tarnung. Und so sind die Jäger am Samstag auch allesamt in Olivgrün gekleidet.

Population im Griff

Doch warum werden Tauben überhaupt geschossen? „Wir haben eine Fürsorgepflicht gegenüber der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft. Tauben sind eine Plage für die Bauern, denn sie schaden der Ernte und fressen die ausgesäten Samen auf den Feldern“, liefert Mike Atig die Begründung.

Früher habe es viel mehr Schwärme gegeben. Da seien dann schon mal 400 bis 600 Tiere drin gewesen. „Jetzt haben wir die Population im Griff. Sie ist nicht mehr ganz so hoch, aber das soll auch gehalten werden“, so Atig weiter.

Lange Zeit hätten die Jäger ob einer Ausnahmegenehmigung Tauben ganzjährig jagen dürfen. Geschossen werden darf nun nur noch zu bestimmten Zeiten und während der Brut gibt es auch eine Schonzeit.

Mit Kugeln keine Chance

Übrigens ist es verboten, Tauben auf Werksgeländen, Friedhöfen und in der Stadt zu schießen. Zudem seien es keine Kugeln, sondern Schrot, mit denen die Jägerschaft auf die Tiere schießt. „Schrot streut. Das ist die einzige Möglichkeit. Mit Kugeln hast du keine Chance“, weiß Bernhard Knollmeier zu berichten.

„Bei Tauben, die so schwärmen, sollte man aufpassen. Die gehören meistens zu einem Schlag und da sollte lieber nicht geschossen werden“, zeigt Mike Atig auf eine große Anzahl von Vögel, die in Formation fliegen.

Etwa 180 Tauben und 15 Krähen haben die Sassenberger Jäger am Abend vorzuweisen. Spitzenreiter mit 13 Tauben ist Jörg Berg. „Das ist nicht schlecht“, zeigt Knollmeier sich zufrieden.

Symbolisch liegen 15 Ringeltauben und eine Krähe als „Strecke“ am Abend vor dem Gasthaus Eichenhof. Insgesamt zählt die Sassenberger Jägerschaft 135 Mitglieder. Im vergangenen Jahr waren fünf Jungjäger dazugekommen. Drei von ihnen sind bei der Taubenjagd im Winter mit dabei. „Die waren hochmotiviert“, freut Bernhard Knollmeier sich.

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