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Gewerbeverein: „Lokalpolitik ist gut beraten, auf Polemik zu verzichten“

Von Palmen und Erpressern

Sassenberg

„Dem Gewerbeverein ist es ein Bedürfnis, auf polemisch überzogene Kritik adäquat zu reagieren“, unterstreicht der Vorsitzende Markku Esterhues in einer Stellungnahme zur Berichterstattung über den jüngsten Hauptausschuss in dem über einen Zuschuss von 9500 Euro für den Gewerbeverein beraten und positiv beschieden wurde. Einen Politiker hatte der Antrag „auf die Palme gebracht“ und ein anderer fühlte sich „nahezu erpresst“.

-mi/pd-

Der Gewerbeverein Sassenberg lädt zum Allerheiligenmarkt am Foto: Strothoff

Hier nun die Stellungnahme im Wortlaut: „Der Gewerbeverein Sassenberg e.V. ist zwar ursprünglich von Sassenberger Gewerbetreibenden zur Stärkung des Einzelhandels insbesondere zur Veranstaltung einer Gewerbeschau im alten Hotel Börding gegründet worden, ist aber sicher keine Interessenvertretung nur dem eigenen Gewinn verpflichteter Einzelunternehmer. Vielmehr setzt sich der Gewerbeverein seit Jahren dafür ein, eine lebendige Innenstadt zu fördern, Belange aller Sassenberger mitzugestalten und in gewisser Weise auf die Lokalpolitik Einfluss zu nehmen. Umso mehr ist es uns ein Bedürfnis, auf polemisch überzogene Kritik adäquat zu reagieren.Tatsächlich ist der Allerheiligenmarkt das herausragende, aber keineswegs einzige Projekt des Vereins. Neben der Möglichkeit aller Sassenberger Unternehmer, sich dort zu präsentieren, steht es auch allen Sassenberger Vereinen und Verbänden und sonstigen Organisationen frei, sich kostengünstig und unkompliziert Gehör zu verschaffen, Werbung zu machen, die Kasse aufzufüllen usw. Im Übrigen dient insbesondere der Allerheiligenmarkt, aber auch der unter neuem Namen wiederbelebte Schachblumenmarkt der unbestreitbaren Steigerung der Attraktivität der Innenstadt.

Unterschied zum Spargelfrühling

Hierin liegt im Übrigen auch der gravierende Unterschied zu der ebenfalls zu Recht erfolgreichen Veranstaltung des Spargel Frühlings in Füchtorf. Selbstverständlich stellt es einen anderen Aufwand und Motivationsrahmen dar, wenn eine Interessengemeinschaft zur Attraktivitätssteigerung eines konkreten Produktes ein Fest veranstaltet, als dass ein 6-köpfiger Vorstand versucht, die Interessen vieler Sassenberger Beteiligter unter einen Hut zu bringen und sicher nicht das eigene Gewerbe in den Vordergrund stellt. Mit seinen für den Gewerbeverein recht überschaubaren Gewinnen dient der Allerheiligenmarkt insbesondere der Finanzierung der Unterhaltung und Neuanschaffung unserer Materialien und der Ausstattung, mit denen wir regelmäßig weniger gewinnbringende Projekte wie den Schachblumenmarkt, die Weihnachtsbeleuchtung oder auch das zugegebenermaßen heutzutage recht unspektakuläre Maibaumaufstellen verwirklichen. Aber auch allen anderen Vereinen der Stadt sowie Dritten stellen wir regelmäßig unsere Ausstattung gerne zur Verfügung. Viele Feste und Veranstaltungen greifen auf unsere Mithilfe zurück.

Allerheiligenmarkt nicht ohne weiteres zu stemmen

Heutzutage ist der immer größer werdende Allerheiligenmarkt jedenfalls durch die immer mehr zeitlich eingebundenen Mitglieder nicht mehr ohne weiteres zu stemmen. Dieses Problem ist nicht von heute auf morgen entstanden, wird aber auch nicht erst seit gestern vom Vorstand des Vereins beackert. Eine Lösung bleibt schwer zu erarbeiten. Die Motivation auch von Dritten zur Mithilfe bei der Organisation hält sich, gelinde gesagt, in Grenzen. Selbstverständlich sind solche Anstrengungen längst unternommen worden. Bereits im Jahr 2018 haben wir zum wiederholten Mal den Versuch gestartet, neben den eigenen Mitgliedern auch andere, durchaus seit Jahren am Allerheiligenmarkt Beteiligte Vereine zur Mithilfe zu motivieren. In gewissermaßen verständlicher Weise wenden die meisten Befragten heutzutage ein, nicht auch dafür noch Zeit zu haben. Ebenfalls im Jahr 2018 sind wir zum wiederholten Mal an die Stadt Sassenberg in Person des Bürgermeisters im persönlichen Gespräch herangetreten, um einerseits das uns seit Jahren plagende Problem der mangelhaften Stromversorgung zur besseren und attraktiveren Beschickung des Marktes zu lösen und andererseits bei der Stadt die Möglichkeiten abzufragen, sich von dort aus mit mehr Personal an der Organisation zu beteiligen. Neben der schon lange währenden, hervorragenden Unterstützung der Stadt, insbesondere durch die Mitarbeiter des Ordnungsamtes und des Bauhofes, konnte uns aber keine weitere Unterstützung zugesagt werden. Auch eine Initiative aus 2018 zur Integration anderer Vereine in die Organisation verlief nach Kontaktaufnahme durch den Vorstand erfolglos. Solche Bemühungen gibt es also längst!In den Jahren 2020 und 2021 fand der Allerheiligenmarkt coronabedingt nicht statt. Auch hierfür musste der Verein sich öffentlich rechtfertigen. Der uns bislang zumindest im Bereich des professionellen Trödels herausragend unterstützende Rolf Nordmann nahm wohl diese Krise, aber insbesondere sein Bestreben, in Rente zu gehen, zum Anlass, Anfang 2021 sein Gewerbe aufzugeben. Damit endete eine mehr als 20 Jahre währende Zusammenarbeit.

Kontaktaufnahme mit Anbietern bereits im Mai 2021

Bereits im Mai 2021 hatten wir Kontakt aufgenommen mit verschiedenen Anbietern der Marktorganisation. Zu diesem Zeitpunkt gab es schon die Überlegung, Planung und Organisation des Allerheiligenmarktes in professionelle Hand zu geben. Insbesondere wegen gesundheitlicher Probleme des bisherigen Hauptorganisators aus Reihen des Vorstandes musste in diese Richtung geplant werden. Am 28.06.2021 kam es zum ersten Treffen mit der favorisierten Brauns Märkte GmbH & Co. KG, die u.a. auch den Fettmarkt in Warndorf organisieren. Am 30.08.2021 gab es bereits ein Gespräch des Vorstandes mit dem Bürgermeister zunächst zur Durchführbarkeit des Marktes im Jahr 2021, aber auch zu unseren Planungen, die Organisation abzugeben. Am 28.10.2021 gab es ein weiteres Treffen mit dem Bürgermeister, an dem auch die Inhaber der Firma Braun teilgenommen hatten.

Aufgabenverteilung und mögliche Übernahme durch die Stadt

Hier ging es insbesondere um die Aufgabenverteilung und mögliche Übernahme durch die Stadt Sassenberg und den rechtlichen Betreiberrahmen bei der Beauftragung einer professionellen Organisation. Bei diesem Treffen fragten wir auch schon an, ob uns detaillierte Stadtpläne von der Stadt zur Verfügung gestellt werden können, um die konkrete Planung in Gang zu setzen. Diese Pläne hatten wir dann fünf Monate später, am 01.04.2022 erhalten. Treffen und Besprechungen des Vorstands mit der Firma Braun liefen in der Zwischenzeit selbstverständlich weiter. Spätestens seit dem 24.06.2022 sind dem Verwaltungschef die konkret benannten Kosten für die Beauftragung der Firma Braun bekannt gewesen. Am 27.06.2022 schrieb der Bürgermeister den Fraktionsvorsitzenden per E-Mail an, um für einen Zuschuss für den Allerheiligenmarkt zu werben. Auch hier wurde die konkrete Summe schon benannt, wobei auch klar war, dass der Vorstand weiterhin um Reduzierung der Kosten bemüht sein würde. Der Vorstand hatte aber bereits klargestellt, dass der Verein selbst diese Mittel nicht würde aufbringen können und eine kostengünstigere Variante nicht in Sicht war.

In den Fraktionen schien wohl zunächst ein Vorschlag der FWG mehrheitsfähig, der eine deutlich geringere Summe von weniger als der Hälfte beinhaltete. Der Vereinsvorstand wies darauf hin, dass mit dieser geringeren Summe die Planung des Allerheiligenmarktes 2022 nicht möglich sein würden. Ein Schelm, wer meint, dass die sachliche Erwähnung dieses Faktes unredlich sei.

Im Übrigen bleibt klarzustellen, dass der Gewerbeverein Sassenberg e.V. alleiniger Veranstalter des Allerheiligenmarktes ist. Es handelt sich nicht um eine öffentliche Einrichtung, die der Stadt zur Rechenschaft verpflichtet wäre.

Froh, dass Stadt unterstützt

Wir sind froh, dass die Stadt uns durch Personal und nunmehr finanzielle Hilfen unterstützt. Die Haftung liegt allerdings allein beim Verein und im Zweifel bei den Vorstandsmitgliedern persönlich. Insofern lassen wir uns auch nicht vorwerfen, irgendwelche Rechnungen bei der Stadt einzureichen, ohne vorher von der Stadt die Erlaubnis einzuholen. Da die Zeit drängte, brauchte die Firma Braun eine konkrete Ansage zum weiteren Vorgehen noch bevor es möglich war, Zuschüsse durch den Rat absegnen zu lassen. Der Vorstand entschied sich dazu, diesen Schritt schon zu gehen, auch in dem Bewusstsein, dass der Verein und im Zweifel die Vorstandsmitglieder persönlich die Zeche würden zahlen müssen. Im Übrigen handelt es sich bei der Bitte um finanzielle Zuschüsse um einen üblichen Antrag, bei dem es dem Rat frei stand, diesem stattzugeben oder eben zurückzuweisen. Glücklicherweise ist der überwältigenden Mehrheit der Ratsmitglieder der Wert aber auch der Aufwand zur Organisation des Allerheiligenmarktes durchaus bekannt. Den meisten Ratsmitgliedern ist wohl auch bekannt, durch wen der Vorstand des Allerheiligenmarktes besetzt ist und wie wenig Eigeninteresse die Mitglieder an der Organisation des Marktes haben.

Vor diesem Hintergrund verbitten wir uns den Vorwurf, massiven Druck auf den Rat der Stadt Sassenberg ausgeübt zu haben, der nahezu einer Erpressung gleiche. Wenn die Ratsmitglieder mehr Mitspracherecht bei der Organisation des Marktes beanspruchen wollen, können diese gerne dafür sorgen, dass die Marktorganisation bzw. Marktleitung in die Hände eines bei der Stadt in Vollzeit beschäftigten Mitarbeiters gelegt wird, so wie es in den umliegenden Kommunen seit Jahren praktiziert wird.

Vorgehen in umliegenden Kommunen

Dort engagiert sich die Stadt auch wie selbstverständlich finanziell, obwohl die Gewinne solcher Veranstaltungen augenscheinlich bei den Gewerbetreibenden landen. Welchen Gewinn die gesamte Kommune durch solche Veranstaltungen erzielt, schien uns bislang insbesondere gegenüber den Ratsmitgliedern nicht erläuterungs- bzw. erwähnenswert.

Für die Mehrheit der Ratsmitglieder scheint dies auch offensichtlich zu sein, da wir diese mit unserem Ansinnen offenbar nicht „auf die Palme gebracht“ haben. Insofern bedanken wir uns sehr für die Unterstützung! Wir gehen davon aus, auch in Zukunft konstruktiv mit dem Rat der Stadt zusammenarbeiten zu können, gerne mit weniger überflüssigen Nebengeräuschen.“

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