1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Kreis-Warendorf
  6. >
  7. Schrumpelige Orangen als Alltagsbeobachtungen

  8. >

Kunstverein Ahlen lädt zum „Art Parcour II“ ein

Schrumpelige Orangen als Alltagsbeobachtungen

Ahlen/Kreis Warendorf

Moderne, zeitgenössische Kunst kann man ab sofort wieder erwandern. Beim „Art Parcour II“ in Ahlen werden besondere Locations von Künstlern bespielt.

Von Dierk Hartleb

Direkt ins Auge fallen die Fotografien mit vor sich hin schimmelnden Orangen von Maria Diab mit dem treffenden Titel "You make me sick" oder der digitale Bananen-Dreiklang von Jana Mengeu Foto: Dierk Hartleb

Die Stadtbesetzung, die der Kunstverein Ahlen für die kommenden zehn Wochen ankündigt, ist friedlicher Natur. Okkupiert werden von den 18 Studierenden der Kunstakademie Münster lediglich ein erst seit kurzem leerstehendes Ladenlokal und die Schaufenster der Europäischen Akademie für Juweliere, Gold- und Silberschmiede im sogenannten Ahlener Nachtjackenviertel abseits der Fußgängerzone.

Mehr drin als draußen

Mittelpunkt des „Art Parcour II“ des Kunstvereins ist allerdings die Stadtgalerie (Königstraße 7). Dort zeigen 17 der insgesamt 18 Ausstellenden der Klasse für Kooperative Strategien von Prof. Irene Hohenbüchler ihre Arbeiten zum Thema Alltagsbeobachtungen.

Direkt ins Auge fallen die Fotografien mit vor sich hin schimmelnden Orangen von Maria Diab mit dem treffenden Titel „You make me sick“ oder der digitale Bananen-Dreiklang von Jana Mengeu neben einer Litfaßsäule, die Jona Bal mit zum Teil auch provokanten Wortfetzen vom Send in Münster bestückt hat.

In vollen Zügen genießen

Daneben bestehen aber auch stillere Arbeiten wie die von Yena Kim, die mit Kohle, Öl und Pastell auf einem Tuch ihren Steinen ein Gesicht gibt. Oder die beiden kleinformatigen Ölbilder von Ferdinand Zacher, der sich mit der Darstellung von Bewegung beschäftigt und einen ICE im Leipziger Hauptbahnhof ein oder abfahren lässt und einen Güterzug ins Bild hebt.

Mara Lilli Bohm setzt auf Gelb. Foto: Dierk Hartleb

Noch stiller geht es auf den beiden Gemälden von Sofia Nefe zu, die sich von einer Exkursion nach Venedig zu zwei Impressionen venezianischer Wohnkultur inspirieren ließ, die trotz des schönen Scheins den Eindruck von Dekadenz, Verfall und Morbidität ausstrahlt.

Coronafreie Berührung

Anne Gößling konfrontiert den Betrachter mit einer großen dunklen Leinwand, auf der sich nur schemenhafte hellere Passagen erkennen lassen und die in einem weiteren Bild den Schriftzug Polizei wie bei einer nächtlichen Kontrolle aufleuchten lässt, die eine unausgesprochene Bedrohung beinhaltet.

Für die intimste Begegnung in der Ausstellung begibt man sich in das Kabinett, wo ein gepolsterter Stuhl mit integrierten Armen wartet, die man garantiert coronafrei um sich schlingen kann.

Nach erfolgreichem Auftakt der „Art Parcour“ 2021 bietet der Kunstverein erneut Studierenden der Kunstakademie Münster eine Plattform, sich öffentlich vorzustellen: bis 4. September in der Stadtgalerie sowie im Stadtraum. Das Nachtjackenviertel, in dem man früher morgendliche Geschäfte auch schon mal im Schlafanzug tätigte, hat viel Potenzial für ein Kunst- und Kreativquartier.

Startseite
ANZEIGE