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Alfons Fredeweß fuhr einen „Brezelkäfer“ und Sohn Frank einen Ford P6

Als der Sprit 15 Pfennige kostete. . .

Sendenhorst

Beide haben vom Beruf her sehr viele unterschiedliche Modelle gefahren. Das bringt der Betrieb einer Fahrschule nun mal mit sich. Doch an ihre ersten Autos erinnern sich Alfons und Frank Fredeweß gerne: ein „Brezelkäfer“ und ein Ford P6.

Benedikt Stasch

Frank (li.) und Alfons Fredeweß zeigen ein Foto des zweiten Autos, das die Fahrschule eingesetzt hatte. Den Ford Taunus hat Alfons Fredweß im Jahr 1962 gekauft. Foto: Benedikt Stasch

Als sich Alfons Fredeweß 1961 sein erstes Auto kaufte, da kostete der Liter Benzin lediglich 15 Pfennige. Sein VW Käfer war zugleich auch der erste Wagen für die Fahrschule Fredeweß, die damals noch den Namen „Fuchs“ trug und ihren Sitz in Münster hatte. Sohn Frank musste dann bereits 99 Pfennig pro Liter Benzin bezahlen, um seinen 20 Jahre alten Ford P6 zu betanken. Über die Höhe der Spritpreise spricht heute niemand mehr gerne, dafür umso lieber über die Erinnerungen an das erste eigene Auto.

Alfons Fredeweß

Die beiden Fahrlehrer sind ihrem Leben berufsbedingt schon so einige Wagen gefahren. „Wir verkaufen die Autos sehr schnell wieder, da sie zu viele Kilometer machen“, erklärt Frank Fredeweß, der derzeit bei 70 verschiedenen Autos steht. „Zeitweise hatten wir dann auch drei oder vier Autos gleichzeitig, als wir noch die Fahrschule in Münster hatten“, sagt Alfons Fredeweß, der noch einmal deutlich mehr Wagen in seiner Vita hat: exakt 270. Da ist es klar, dass die Erinnerungen an die meisten Autos eher schwach sind, doch an ihren ersten fahrbaren Untersatz denken Vater und Sohn gerne zurück.

Vier Gänge und vorne eine Heizung

Mit dem ersten eigenen Auto war Alfons Fredeweß spät dran, da er zuvor immer Dienstwagen fahren konnte und eine eigene Anschaffung nicht nötig war. Mit der Übernahme der Fahrschule „Fuchs“ in Münster kaufte er schließlich für 4900 Mark einen grauen VW Käfer, mit dem er fortan auch Fahrstunden gab. Das besondere Merkmal der Käfer damals: die „Brezelfenster“. Wegen der brezelförmigen Heckfenster war auch der Name „Brezelkäfer“ geläufig.

Die Ausstattung war überschaubar. Vier Gänge hatte der Käfer, und immerhin rund 120 Stundenkilometer schnell habe er fahren können. Vorne hat es auch eine Heizung gegeben, die sei im Winter aber nur mäßig hilfreich gewesen. „Ein Mal in der Woche war man mindestens in der Werkstatt, um zum Beispiel den Vergaser einzustellen. Das Auto wurde durch die Fahrschule ganz schön strapaziert“, sagt Alfons Fredeweß. Aber es fuhr die Familie aber auch zuverlässig innerhalb von zwei Tagen bis nach Italien.

Die ersten 14 Tage mit dem neuen Auto waren aber etwas merkwürdig. „Hier und da hupte mich immer mal wieder jemand an. Das habe ich nicht wirklich ernst genommen“, erinnert sich Alfons Fredeweß.

Fahrunterricht ohne Nummernschild

Während einer Fahrstunde wurden Fahrschüler und Fahrlehrer in ihrem Käfer dann von einem anderen Autofahrer auf der Wolbecker Straße in Münster deutlich per Lichthupe dazu aufgefordert, doch einmal anzuhalten. „Da hatte mir jemand direkt nach dem Kauf die Nummernschilder gestohlen“, klärt er auf, dass er wohl mehrere Tage ohne Kennzeichen unterwegs war. „Man könnte meinen, dass vor einer Fahrstunde eine Fahrzeugkontrolle stattfinden sollte, bei der das auffällt – ist es aber niemanden“, schmunzelt er.

Ein Jahr nach dem ersten Auto kaufte Alfons Fredeweß 1962 für die Fahrschule einen Ford Taunus für 6362 Mark, von dem es sogar noch ein Foto gibt. Frank Fredeweß erinnerte sich gerne an die Ford-Autos, die sein Vater fuhr. Und er entschied sich mit 20 Jahren dazu, sich einen Ford P6 in Metallic-Grün zuzulegen. 1000 Mark hatte er gespart, die er in das erste eigene Auto investierte. „Die meisten wollten lieber ein neueres Auto, aber ich wollte unbedingt lieber einen alten Ford fahren“, erinnert er sich.

Frank Fredeweß und sein Ford P6. Foto: privat

Nach zwei Jahren verkaufte er das Auto sogar mit Gewinn, weil es so begehrt war. „Damals standen Führerschein und Auto an erster Stelle“, sagt Frank Fredeweß, warum er gerne ein Auto haben wollte.

Frank Fredeweß

In der Clique hätten alle ein Auto gehabt und am Wochenende sei es dann auch öfter schwierig gewesen, dass Auto der Eltern zu bekommen. „Im eigenen Auto musste man dann auch nicht so sehr aufpassen. Wenn im Auto von Papa einer gekrümelt hat, dann war das nicht so schön“, lacht er. Ab 18 Uhr ist außerdem kein Bus mehr gefahren, das Auto ist demnach Gold wert gewesen.

Am Samstagabend auf Tour

Gute Erinnerungen hat Frank Fredeweß an den Samstagabend, an dem er sein Auto in Münster abholte, obwohl er zuweilen nicht wirklich etwas sah. „Es war schon stockduster draußen, die Scheiben beschlugen, und leider gab es keinerlei beleuchtete Schalter“, sagt er. Er sei dann rechts rangefahren, um die Tür zu öffnen, damit die Deckenbeleuchtung angeht, aber auch die war nicht vorhanden. Sowieso habe jeder Beifahrer später immer ein Tuch in der Hand haben müssen: „Wenn vier Leute im Auto saßen, hatten vier Leute ein Tuch in der Hand“, ist er heute über den Aufwand amüsiert, der für freie Scheiben nötig war.

Die weiteste Strecke ging mit dem Pfadfinderlager ins Sauerland. „Wir hatten den Ford als ‚Dienstwagen‘ mit, falls eines Kinder mal krank wird“, blickt Frank Fredeweß zurück, der als einer der Betreuer von 15 Jungpfadfindern mit im Lager war.

Außerdem wurde das Fahrzeug dazu genutzt, alle zwei Tage 20 Liter Milch für die Gruppe im Zeltlager zu holen. Dazu nahm sich Frank Fredeweß immer einen der Jungen mit, um die Milchkanne festzuhalten. „Der Junge war leider so begeistert von der Gegend, dass er die Milchkanne nicht gut genug festgehalten hat und ich schließlich 20 Liter Milch im Auto hatte“, erzählt Frank Fredeweß. Den säuerlichen Geruch vollständig wieder rauszubekommen, sei unmöglich gewesen. Milch gab es an diesem Tag natürlich auch nicht.

Karten statt Navi

Über ihre vielen Fahrzeuge und vor allem auch über die Veränderungen, die sie in all den Jahren erlebt haben, können Vater und Sohn viel erzählen. So ging es früher nur ein Mal im Jahr auf die Autobahn. Und zwar nur dann, wenn es in den Urlaub ging. „Mal eben am Samstag auf die A1 zu IKEA – das gab es nicht“, sagt Frank Fredeweß.

Früher habe man die Wege auch noch ganz ohne Navigationssystem mit einer Karte herausfinden müssen. „Als Autofahrer wollte man natürlich auch keinen Fußgänger fragen, wo man nun lang fahren muss“, erinnert sich Alfons Fredeweß an die Eitelkeiten der Autofahrer, wenn es um den richtigen Weg ging.

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