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Westflügel des Krankenhauses hatte viele Nutzungen – zum Beispiel als Liegehalle

Auch ein Hauch von „Zauberberg“

Sendenhorst

Der historische Westflügel des St.-Josef-Stifts hat viele Nutzungen erlebt: Krankenzimmer, Klausur, Schule, Wohnraum und Büros. Und er hat bei der Entwicklung des Hauses immer eine Rolle gespielt. Ein Brand bescherte der Feuerwehr am 8. März 1973 einen Großeinsatz.

wn

So fügte sich das St.-Josef Foto: St.-Josef-Stift

Der historische Westflügel des St.-Josef-Stifts hat schon viele Nutzungen erlebt: Krankenzimmer, Klausur, Schule, Wohnraum und Büros.

Während die Nordfassade des Altbaus bis heute praktisch unverändert geblieben ist, wurden vermutlich 1921 an der Südseite des Westflügels im Erdgeschoss sowie im ersten und zweiten Obergeschoss Balkone beziehungsweise Loggien angebaut. Sie dienten als Liegehallen für die Patienten, die ihre Knochen-, Gelenk- und Drüsentuberkulose unter anderem mit Frischluft und Sonnenbädern auskurierten. Ein Hauch von Thomas Manns Roman „Zauberberg“ schwangt mit, heißt es im Bericht des Krankenhauses.

Um 1920 wurde der Westflügel als Liegehalle genutzt. Foto: St.-Josef-Stift

Eine große Maßnahme war 1927 der Neubau einer bedarfsgerechten Küche und des Wohnungstraktes für die 30 Ordensschwestern.

Der medizinische Fortschritt führte um 1960 zur allmählichen Aufgabe der Heilstätte bei gleichzeitigem Aufbau einer modernen orthopädischen Klinik. Dem veränderten Bedarf konnten die Räumlichkeiten des Altbaues auf Dauer nicht genügen. Hinzu kam, dass die schon 1936 einsetzende Kriegswirtschaft bis in die 1950-er Jahre nur die notwendigsten Instandsetzungen erlaubt hatte.

Die Unterbringung der Patienten entsprach absolut nicht mehr den Ansprüchen eines modernen Krankenhauses. Das Problem konnte nur durch ein – für die 1970er Jahre ungewöhnlich großzügig ausgestattetes – neues Bettenhaus gelöst werden: dem heutigen Südflügel, der zwischen 1968 und 1971 errichtet wurde.

Großbrand im Dachgeschoss

Für den Westflügel gab es in den folgenden Jahren immer wieder andere Nutzungen, unter anderem als vorübergehende Bleibe der Schule für spastisch gelähmte Kinder.

Und dann kam der Großbrand am 8. März 1973. Es war ein Donnerstag, als gegen 12.30 Uhr im Dachgeschoss des Westflügels ein Feuer ausbrach. Ein Großaufgebot der Feuerwehren aus Sendenhorst, Ahlen, Heessen, Beckum und Münster brachte das Feuer sehr schnell unter Kontrolle. Dennoch entstand ein großer Brand- und Wasserschaden: Die westliche Hälfte des oberen Dachstuhles war vernichtet.

Der „Hausarchitekt“ Hans Ostermann schlug für die Wiederherstellung zunächst eine ziemlich abenteuerliche Lösung vor: Demnach sollte die Nordwand hochgezogen werden und der gesamte Westflügel ein Flachdach erhalten. Der Plan schien im Kuratorium zunächst begeistert aufgenommen worden zu sein. Immerhin wollte man sich zuvor mit dem Bauamt des Generalvikariates ins Benehmen setzen, was zur Folge hatte, dass das Flachdach aus architektonischen Gründen gestrichen wurde.

Die Feuerwehr hatte am 8. März 1973 einen Großeinsatz. Foto: St.-Josef-Stift

Noch gut zehn Jahre zuvor hatte man keine Bedenken gehabt, in der Kapelle brutale Eingriffe in die Architektur zu tätigen, die 2001 größtenteils wieder rückgängig gemacht wurden.

1973 begann man, umzudenken, und daher beschloss das Kuratorium, eine gründliche Säuberung der gesamten stark verschmutzten Nordfassade des Altbaus vorzunehmen, um die Schönheit des gelben Klinkers wieder zur Geltung zu bringen.

Als sich Ende Dezember 1975 die Hoffnung auf den Landeszuschuss für die Einrichtung von 21 Wohnheimplätzen erfüllte, zog die Körperbehindertenschule im darauf folgenden Jahr ins sogenannte „Roseneck“ um.

Das Ende des Belegkrankenhauses als Chance für die Zukunft

Inzwischen war das Bemühen gescheitert, das Belegkrankenhaus im St.-Josef-Stift zu erhalten. Es folgte der Beginn dessen, was das St.-Josef-Stift zu dem werden ließ, was es heute ist. Ab 1980 baute Professor Dr. Reinhard Fricke zunächst eine Fachabteilung für internistische Rheumatologie auf, die durch seine Tüchtigkeit und sein Engagement schnell Ansehen gewann und die er in den folgenden Jahren zu einer Klinik für Rheumatologie entwickelte, die weit im Land und darüber hinaus bekannt wurde.

Neue Zimmer für die Rheumatologie

Die Räume der bisherigen Belegabteilung reichten für die neue Fachabteilung nicht aus. Im Winter 1994/95 wurden im Bereich der ehemaligen Apartments Zwei- und Dreibettzimmer mit behindertenfreundlichem Bad, Telefon, Fernsehen und Kühlschrank eingerichtet, ganz wie die damals neue Station A 2. Das kostete 1,4 Millionen Mark.

Heute Verwaltung und Palliativpflege

Zehn Jahre später bahnten sich mit der Einweihung des Parkflügels 2005 große Veränderungen an. Es musste ein übersichtliches Wegekonzept geschaffen werden: Kernstück der Planungen war die heutige Magistrale. Der Westflügel wurde in den oberen Bereichen Sitz der Verwaltung. Im Erdgeschoss wurden im Jahr 2012 von der „Heinrich-und-Rita-Laumann-Stiftung“ zwei großzügig ausgestattete Plätze für Palliativpflege eingerichtet.

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