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König Mohamed „Mauki“ Lamhauch regiert das Dorf

Deutsch-marokkanische Freunde

Albersloh

Mohamed „Mauki“ Lamhauch regiert offiziell seit Montagmittag mit Königin Bianca Gemsa das Dorf. Zum Frühschoppen mit Proklamation, Ehrungen und Verabschiedungen waren viele Mitglieder und Gäste gekommen, die sich nicht nur das traditionelle Töttchen sondern auch ein oder zwei Morgenbiere schmecken lassen wollten.

Von Christiane Husmann

Nach drei Jahren Frühschoppen-Pause genossen die Schützenbrüder und weitere Gäste die Gemeinsamkeit im großen Festzelt. Foto: Husmann

Unter seinem Anzug dürfte er blaue Flecke verbergen – etliche Male rammte der Gewehrkolben beim Rückstoß gegen die Schulter des neuen Königs. Erst mit untergehender Sonne um 21.21 Uhr und nach 419 Schüssen wurde nicht nur der Vogel aus seiner misslichen Lage befreit, sondern auch Mohamed „Mauki“ Lamhauch, der offiziell seit Montagmittag mit Königin Bianca Gemsa das Dorf regiert.

Zum Frühschoppen waren viele Mitglieder und Gäste gekommen, die sich nicht nur das traditionelle Töttchen, sondern auch ein oder zwei Morgenbiere schmecken lassen wollten. Begrüßt wurde die gesellige Runde von Udo Borgmann, der zuerst einen Blick in die Vergangenheit warf: „2019 waren unsere größten Probleme die Baustelle im Dorf und die Renovierung der Kirche – heute würden wir sagen: scheiß drauf, geradezu lächerlich gegenüber einer Covid-19-Pandemie und Krieg in der Ukraine.“ Aber es zeige sich auch, dass der Verein in der Lage sei, sich verschiedenen Krisen zu stellen. Das werde durch das mit Wimpeln und Fahnen geschmückte Dorf auch sichtbar. „Wir feiern ein top Schützenfest“, befand der Vorsitzende, der sich noch einmal an den scheidenden König Christof „Hülse“ Hülsmann wandte: „Du warst ein guter König – und das 1093 Tage lang.“ Auch bei der Wahl seiner Königin (Henrike Seebröker) habe er alles richtig gemacht. Nach dreijähriger Regentschaft erhielt das scheidende Königspaar tosenden Applaus. Beklatscht wurden auch Corona-König Sebastian Sievers, Kinderkönigin Sara Mergenthaler mit Prinzgemahl Ben Luca Buchholz und Hampelmann-König Sebastian Oehl.

Ehemaliger und neuer König mit Vorsitzendem Udo Bormann (2.v.r.) und Pfarrer Clemens Lübbers (l.) Foto: Foto: Christiane Husmann

Anlässlich der Proklamation fand Pfarrer Clemens Lübbers blumige Worte. Nicht nur zur Person Christof „Hülse“ Hülsmann, der als Landschaftsdesigner das Dorf mitgestalte, sondern auch zu Mohamed „Mauki“ Lamhauch, der nicht nur Elektriker – oder besser Kabeldesigner – sei, sondern auch als Stadionsprecher bei der DJK GW Albersloh Furore mache. „Albersloh denkt international – das hier ist eine deutsch-marokkanische Freundschaft“, lobte der Pfarrer. Auch befand er, dass das Dorf nicht verklemmt sei, sondern vielmehr interreligiös und weit denke. Und auch der Name des neuen Königs sei ein Gedicht: „Lam, wie das Lamm Gottes, und hauch – Gott hat der Welt Leben eingehaucht.“ Mohamed Lamhauch staunte. „Du bist hier zwar nicht gezeugt und geboren worden, gehörst aber schon längst mit zum Dorf“, stellte auch Udo Borgmann fest. Der Jubel nach der Proklamation sollte die Worte des Pfarrers und des Vorsitzenden unterstreichen.

Viel Applaus erhielt auch Bernhard Wiewel, der nach 23 Jahren als zweiter Kassierer den Vorstand verließ. „Was macht eigentlich so ein Kassierer?“, wollte Borgmann wissen und gab selber Antworten. „Dazu zählen so wichtige Aufgaben wie die Kassenführung für den Eintritt ins Zelt inklusive Verkauf unserer Merchandisingprodukte wie Krawatten und Anstecker – so manche Krawatte wurde erst durch Bernhards Verkaufstalent an den Mann gebracht. Und wenn es ganz gut lief, gab es auch gleich noch eine Wasch- oder Spülmaschine dazu.“

Dank an den ehemaligen Dorfsheriff Foto: Christiane Husmann

Ein letztes Mal sollte auch Robert Kempe als Polizeihauptkommissar beim Frühschoppen anwesend sein. Stehende Ovationen dürften den Beamten gerührt haben, der erst am Freitagabend noch Blaulicht ins Dunkel gebracht hatte. Doch nicht nur das: „Du hast bei uns allen hier einen richtig großen Stein im Brett“, ließ Borgmann Kempe wissen. „Du bist ein Glücksgriff – ein, im wahrsten Sinne des Wortes, Freund und Helfer.“ Deshalb freue sich der Verein darüber, den Noch-Bezirksbeamten in Zukunft als Privatperson beim Fest begrüßen zu dürfen. Ein dreifaches „Horrido“ und der Tusch des Kolping-Blasorchesters waren Kempe sicher.

Nach vielen weiteren Ehrungen, etwa der mittlerweile in Summe 47 über 80-jährigen Mitglieder, oder derer, die seit 50 Jahren dem Verein die Treue halten, mahnte der Vorsitzende dann aber zur Eile. Denn: „Die Kita-Kinder warten schon auf der Wiemhove.“

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