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„Gedenken für den Frieden“ am Volkstrauertag

Ein Krieg, der vieles verändert

Sendenhorst/Albersloh

Der 24. Februar 2022 hat das Leben in Europa verändert. Der Volkstrauertag am Sonntag erhielt dadurch eine traurige Aktualität.

Nina und Henner erzählten im Gespräch mit Gerd Wilpert und Katrin Reuscher, wie sich der Krieg in ihrem Leben bemerkbar macht. Foto: Josef Thesing

Am Tag von Putins Überfall auf die Ukraine ist das geschehen, was für viele Menschen bis dahin gedanklich für alle Zeiten der Vergangenheit angehörte: ein Krieg mitten in Europa, in direkter Nachbarschaft und mit Auswirkungen auf das Leben aller, auch in Deutschland. Der Volkstrauertag am Sonntag erhielt dadurch eine traurige Aktualität. Es sei richtig und wichtig, ihn deshalb anders als bisher zu gestalten, erläuterte Bürgermeisterin Katrin Reuscher beim Auftakt am Schlabberpohl.

Dort steht die Stele, die daran erinnert, dass hier zwischen 1809 und 1904 die jüdische Synagoge gestanden hat. Das „Gedenken für den Frieden“ dort zu beginnen sei gut, meinte in seiner Ansprache Gerd Wilpert vom Verein „Woche der Brüderlichkeit in Sendenhorst“. Nicht nur wegen der unmenschlichen Verbrechen der Nazis am jüdischen Volk, sondern auch wegen der gerade heute – auch in Deutschland – „immer stärker werdenden rassistischen und antisemitischen Hassreden“.

„Opfer autokratischer Regime“

Der Februar 2022 sei ein „Epochenwechsel“, sagte Wilpert später am Ehrenmal am Osttor, wohin die vielen Teilnehmenden gemeinsam durch die Stadt gezogen waren. „Wir sehen heute einem ganz anderen Volkstrauertag entgegen als noch vor einem Jahr“, erklärte Gerd Wilpert dort. „Noch nie haben wohl so viele Menschen hier gestanden, die sehr Unterschiedliches mit diesem Tag und mit dieser Zeremonie verbinden“, fügte er an. Die Toten der beiden Weltkriege, sollten sicher nicht vergessen werden, so Wilpert. Aber heute könne es „längst nicht mehr um Heldengedenken“ gehen. Denn die deutschen Soldaten des Ersten und Zweiten Weltkrieges seien letztlich „auch missbrauchte Opfer autokratischer Regime gewesen“. Ähnliches erlebe man heute beim russischen Überfall auf die Ukraine.

In Albersloh wurde ein Kranz am Ehrenmal niedergelegt. Erstmals war auch die Jugendfeuerwehr mit dabei. Foto: Christiane Husmann

Inwieweit dieser Krieg mit seinen vielen Opfern und den ukrainischen Flüchtlingen auch in das Leben junger Menschen hineinwirkt, wurde im Gespräch am Ehrenmal mit Nina und Henner deutlich, die unter anderem in der Schule mit Jugendlichen aus der Ukraine zusammenkommen und die bei den Energiekosten und den Einkäufen ihrer Familien die weitreichenden Folgen erleben.

Leben in Freiheit und Wohlstand

Die jüngsten Entwicklungen zeigten, machten Gerd Wilpert und die Bürgermeisterin deutlich, dass „uns ein Leben in Freiheit und Wohlstand nicht einfach zufallen wird“, wie Wilpert es formulierte. „Wir werden dafür kämpfen müssen.“ Und derzeit müssten viele auch Opfer bringen, um Freiheit und Demokratie stark zu halten. Wichtig sei, dass sich die Menschen so zahlreich wie möglich mit der offenen Gesellschaft solidarisierten – und das gehe „nicht vom Sofa“ aus. Wichtig sei auch, junge Menschen darauf vorzubereiten, „ein Leben in wechselnden Krisensituationen bewältigen“ zu müssen.

Das „Gedenken für den Frieden“ wurde von der Stadt- und Feuerwehrkapelle, dem Vokalensemble und von den beiden Kirchengemeinden mitgestaltet.

In Albersloh wurde der Volkstrauertag traditioneller mit der Kranzniederlegung am Ehrenmal begangen. Doch natürlich spielte auch dort die Gegenwart eine wichtige Rolle. „Kriege sind keine Naturkatastrophen. Sie brechen nicht aus wie Krankheiten. Sie werden durch Menschen gemacht“, sagte Reinhard Seebröker in seiner Gedenkrede.

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