1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Sendenhorst
  6. >
  7. Ein Tag, den es nicht geben sollte

  8. >

Fahnenaktion in Sendenhorst

Ein Tag, den es nicht geben sollte

Sendenhorst/Albersloh

Auch das lokale Bündnis „Nein zu Gewalt an Frauen“ beteiligt sich in diesem Jahr an der Fahnenaktion von Terre des Femmes. Vertreterinnen und Vertreter haben sich am Donnerstag vor dem Sendenhorster Rathaus getroffen, um ein sichtbares Zeichen zu setzen.

Von Nicole Evering

Dem lokalen Bündnis „Nein zu Gewalt an Frauen“ ist es wichtig, das Thema mit der Fahnenaktion ins Bewusstsein zu rufen. Foto: Foto: Nicole Evering

Träger des 2015 gegründeten Bündnisses sind die Stadt Sendenhorst, die Evangelische Kirchengemeinden Sendenhorst sowie Wolbeck-Albersloh, die katholische Kirchengemeinde St. Martinus und Ludgerus, die Frauengemeinschaften St. Ludgerus und St. Martin, der Deutsch-Ausländische Freundeskreis, Pax Christi und der Verein FiZ.

Vertreterinnen und Vertreter haben sich am Donnerstagvormittag vor dem Sendenhorster Rathaus getroffen, um zum gleichnamigen Internationalen Gedenktag am 25. November die Fahne „Frei leben ohne Gewalt – Nein zu Gewalt an Frauen“ zu hissen und damit ein deutlich sichtbares Zeichen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen zu setzen.

Internationaler Tag der Menschenrechte

Weitere Fahnen werden bis zum 10. Dezember – dem Internationalen Tag der Menschenrechte – vor der Pfarrkirche St. Martin und vor der evangelischen Friedenskirche am Südtor wehen. „Es ist uns wichtig, diesen Bogen zu schlagen“, so die städtische Gleichstellungsbeauftragte Martina Bäcker. „Denn Gewalt ist generell abzulehnen.“ Dem schloss sich auch Pfarrer Clemens Lübbers an: „Es geht uns um die Würde des Menschen. Und alles, was ihr entgegensteht, ist kategorisch abzulehnen.“

Zusätzlich zu den gehissten Fahnen wird die Friedenskirche in den kommenden Nächten auch noch orange angestrahlt – ein weiteres sichtbares Zeichen gegen Gewalt an Frauen, das auf die UN-Kampagne „Orange The World” zurückgeht. „Schlimm, dass es diesen Gedenktag überhaupt geben muss“, meinte Detlef Ommen von der Evangelischen Kirchengemeinde Sendenhorst/Vorhelm. Der Einsatz gegen Gewalt sei eine Daueraufgabe, der Gedenktag allerdings eine Möglichkeit, das Thema stärker ins Bewusstsein aller Menschen zu rufen.

Pfarrer Clemens Lübbers

Denn immer noch sei Gewalt an Frauen eine der am weitesten verbreiteten Menschenrechtsverletzungen, berichtete Martina Bäcker, bei der die organisatorischen Fäden zusammenlaufen. In Deutschland erlebe etwa jede dritte Frau irgendwann in ihrem Leben körperliche oder sexuelle Gewalt, jede vierte Frau erfahre Gewalt in ihrer Partnerschaft. Insbesondere in der aktuellen Pandemie habe, so belegten es Studien, die häusliche Gewalt noch zugenommen. Im Kreis Warendorf gebe es zwar ein funktionierendes Hilfesystem durch zwei Frauenberatungsstellen in Beckum und Warendorf sowie zwei Frauenhäuser in Warendorf und Telgte. Aber: „Die Anlaufstellen sind in der Zeit der Pandemie weniger kontaktiert worden.“ Womöglich hätten sich für betroffene Frauen weniger Gelegenheiten zur Kontaktaufnahme geboten, so Bäcker. „Viel besser wäre es jedoch, wenn es diese Einrichtungen gar nicht geben müsste. Denn jede Frau hat ein Recht auf ein sicheres, gewaltfreies Leben. Das soll mit dieser Aktion unterstrichen werden.“

Dimensionen und Formen

Die Dimensionen und Formen der Gewalt an Frauen seien vielfältig, zählte Becker weiter auf. Sie reichen von der strukturellen Gewalt in Form beispielsweise sozialer Armut bis zur körperlichen Misshandlung und der alltäglichen Pornografie und dem Sexismus in Medien und Werbung. Frauen und Mädchen sind Opfer von Zwangsprostitution, Zwangsheirat und Genitalverstümmelungen, sie werden vergewaltigt und missbraucht.

Das Thema sei keinesfalls weit weg, ergänzte Bürgermeisterin Katrin Reuscher. „Das gibt es auch hier bei uns auf dem sonst so wohlbehüteten Land.“ Umso wichtiger sei es, dass es das lokale Bündnis gebe und dass für alle sichtbar auf die Problematik aufmerksam gemacht werde.

Anlaufstellen

Startseite
ANZEIGE