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Lesung über Therese Münsterteicher

Eine Verbindung, die auch Verbote nicht lösen konnten

Sendenhorst

Über die Freundschaft von Therese Münsterteicher und Imo Moszkowicz hat Hildegard Offele-Aden ein Buch geschrieben. Im Rahmen der „Woche der Brüderlichkeit“ las die pensionierte Schulleiterin im Haus Siekmann aus ihrem Werk „Therese Münsterteicher – die Geschichte einer mutigen Frau“.

Von Peter Schniederjürgen

Hildegard Offele-Aden las im Haus Siekmann aus ihrem Buch über Therese Münsterteicher. Foto: Peter Schniederjürgen

„Wo sind die anderen?“: Dies war wohl die entscheidende Frage, die Therese Münsterteicher nach dem Ende der Nazi-Diktatur dem gerade aus dem KZ kommenden Imo Moszkowicz stellte. Das Leben der Therese Münsterteicher, dieser ungewöhnlich-gewöhnlichen Frau, ist von Hildegard Offele-Aden erforscht worden. Als „Tante Threschen“ hatte sie in der Jugend des jüdischen Filmemachers einen ganz besonderen Platz eingenommen.

Wie und warum, das wurde in der Lesung von Hildegard Offele-Aden deutlich, die sie im Rahmen der „Woche der Brüderlichkeit“ im Haus Siekmann hielt. Die 1948 in Ahlen geborene, pensionierte Schulleiterin hat sich lange mit der aus dem Delbrücker Land stammenden Frau befasst und ihren Lebensweg nachgezeichnet. Therese Münsterteicher war eine enge Freundin der sehr armen Familie Moszkowicz. Nicht nur die wirtschaftliche Not der nicht besonders glücklichen Familie drängte Münsterteicher zu helfen. Es waren auch einfach Freundschaft und ein schlichter Sinn fürs Praktische, die sie dort mit anpacken ließen.

„Therese Münsterteicher war selbst kinderlos, doch in der Familie ihrer Schwester und bei Moszkowicz‘ fand sie hinreichend Raum sich auszuleben“, hat Offele-Aden herausgefunden. Da die zugezogene Ahlenerin eng mit Imo Moszkowicz‘ Schwester verbunden war, half sie im Hause der Schuhmacherfamilie gerne und oft aus. Dazu gehörte es auch, die kleineren Geschwister der Freundin zu baden. So bildete sich früh ein sehr vertrautes Verhältnis zwischen dem kleinen Imo und seinem „Tante Threschen“ heraus.

Antisemitismus und Repressionen

Eine Verbindung, die auch der immer stärker auflodernde Antisemitismus in der Zwischenkriegszeit nicht lösen konnte. Auch als die Repressionen gegen die Juden in Deutschland und auch in Ahlen durch den braunen Terror nicht nur für Juden gefährlich wurden, ließ Münsterteicher nicht von ihrer Hilfe für die Familie ab. So kümmerte sie sich schlicht nicht um Rassenverbote. Sie stellte ihr Fahrrad gut sichtbar vor dem so angefeindeten Haus ab. „Dabei fühlte sie sich wohl nie als etwas Besonderes“, war sich Autorin Offele-Aden sicher. Sie habe getan, was sie tun musste – aus ihrem eigenen inneren Antrieb heraus.

Vieles über diese ungewöhnliche Frau findet sich in dem Buch „Therese Münsterteicher – die Geschichte einer mutigen Frau“. Das Werk trug zum Namen der jüngsten Ahlener Schule, der „Therese-Münsterteicher-Gesamtschule“, bei. „Etwas, das ‚Tante Threschen‘ sicher gut gefallen hätte“, meinte VHS-Leiterin Nadine Köttendorf in ihrer Einführung.

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