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Niederdeutsche Sprache lebt – auch in Sendenhorst

Einst verpönte Mundart ist heute längst Kult

Sendenhorst/Drensteinfurt

Die Niederdeutsche Sprache – auch Platt genannt – lebt, heute vor allem auf Bühnen. Das wird in einem neuen Buch deutlich, in dem die heutige Bedeutung der Mundart beleuchtet wird. Neben anderen Beiträgen werden auch Beispiele aus Sendenhorst und Drensteinfurt genannt.

Josef Thesing

Das Niederdeutsche lebt noch auf der Bühne, wie hier in Sendenhorst. Die Autoren weisen in ihrem Buch auch auf die drei Kavaliere im Stück „Bruutstruuß up Dodenschien“ (2015) hin. Foto: Dröget Schnüffelken

Dass die Niederdeutsche Sprache – oder auch das Plattdeutsche – lebt, muss man vielen Menschen in Sendenhorst, Albersloh und Drensteinfurt nicht mit Nachdruck erzählen. Sie wissen es. In Albersloh sind soeben die Aufführungen der plattdeutschen Theatergruppe zu Ende gegangen. Der Sendenhorster Verein „Dröget Schnüffelken“ hatte seine viel beachteten jüngsten Aufführungen – coronabedingt – im Sommer im Garten des Muko-Haues. In normalen Jahren wäre für die Theatergruppe jetzt Hochsaison in der Aula der Realschule St. Martin. Nun ja, die Pandemie hat auch diesen Spaß ausgebremst.

Eine lange Tradition

Die Pflege der Niederdeutschen Sprache war lange Zeit auch Anliegen des im Jahr 2012 verstorbenen Sendenhorsters Dr. Heinrich Book, den viele als langjährigen Chefarzt des St.-Josef-Stifts kannten. Bei ihm spielte aber nicht das westfälische Platt eine tragenden Rolle, sondern das aus dem Hümmling. Book stammte ursprünglich aus der Gemeinde Lorup im Nordosten des Landkreises Emsland. Unvergessen ist beispielsweise „De lüttke Prinz“, seine Übersetzung des in viele Sprachen übertragenen Buches des Autors Antoine de Saint-Exupéry.

Nun gibt es ein neues Buch, in dem die Niederdeutsche Sprache beleuchtet wird und in dem auch Sendenhorst und Drensteinfurt Erwähnung finden. Erschienen ist es – Dr. Book dürfte das besonders gefreut haben – im Verlag der „Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte“. Herausgegeben haben es Helmut Lensing, Bernd Robben und Christof Spannhoff.

Überleben in Nischen

Wie konnte das Plattdeutsche sich Nischen schaffen und bis heute überleben? Diesen Fragen gehen der Historiker und Sprachwissenschaftler Dr. Christof Spannhoff vom Institut für vergleichende Städtegeschichte in Münster, der Historiker Dr. Helmut Lensing aus Greven und der ehemalige emsländische Schulleiter Bernd Robben nach. Sie inspirierten gut 90 Autorinnen und Autoren aus allen Bevölkerungsschichten dazu, ihre jeweiligen persönlichen Erfahrungen mit dem Plattdeutschen niederzuschreiben, schreibt Helmut Lensing.

Eine Reihe von Beiträgen gerade aus dem Kreis Warendorf zeige, „dass das ländliche Theater ein starker Rückzugsort des Niederdeutschen ist“, so Lensing. So hätten Barbara Untiedt, Rolf Nettebrock und Marion Pumpe von der Sendenhorster Theatergruppe „Dröget Schnüffelken“ eine niederdeutsche Liebesgeschichte verfasst, in der sämtliche Theaterstücke genannt werden, die sie bislang aufgeführt haben. Vom plattdeutschen Theater in Drensteinfurt berichtet Günter Neuer in dem neuen Buch.

In den 1960er Jahren besonders verpönt

Die Autoren gehen davon aus, dass die Niederdeutsche Sprache gerade in den 1960er Jahren besonders verpönt war. „In den Augen der frisch von den Universitäten gekommenen Pädagogen war Plattdeutsch ein entscheidendes Bildungshemmnis“, so die Erkenntnis von Dr. Helmut Lensing. Heute wird das wohl anders gesehen.

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