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Schulen werden mit Lüftungsanlagen ausgestattet

Es geht nicht nur um Corona

Sendenhorst/Albersloh

Die Luft in den Klassenräumen der drei städtischen Schulen soll schon bald besser werden. Wann jedoch genau, das steht noch nicht fest. In der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung stellte Carsten Merker die verschiedenen Filter-Möglichkeiten vor.

Von Josef Thesing

Für den Einsatz in den drei Schulen kommen zwei verschiedene Varianten an modernen Lüftungsgeräten zum Einsatz: unter der Decke oder aufgestellt. Foto: Büro Merker

Die Luft in drei Schulen, die sich in der Obhut der Stadt Sendenhorst befinden, wird demnächst besser und gesünder. Wann genau, das kann auf den Tag genau aber noch nicht gesagt werden. Das ist ein Ergebnis aus der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung.

Dort stellte Carsten Merker vom technischen Planungsbüro die verschiedenen Möglichkeiten vor, wie die Räume zunächst Coronaviren-frei und dauerhaft weit weniger mit CO2 belastet werden könnten. „Durch eine Belüftung wird der grade in Klassenräumen sehr hohe CO2-Gehalt gesenkt, und die Konzentrationsfähigkeit der Schüler und Lehrkräfte wird damit deutlich verbessert“, erklärte der Fachmann. Er ist der Auffassung, dass das, was für moderne Büros längst gelte, endlich auch Einzug in Schulen halten müsse.

Merker schlug vor, in jeden Klassenraum eine dezentrale Lüftungsanlage einzubauen – entweder unter der Decke, oder, bei abgehängten Schallschutzdecken, als Standgerät.

Die Politik hatte er dabei voll auf seiner Seite. „Wir reden hier über ein Investment für viele Jahre. Mich erschreckt, was wir den Kindern zumuten“, erklärte Stefan Knoll für die CDU-Fraktion. Die anderen Fraktionen sahen das genau so.

Der Einbau oder die Aufstellung der Geräte kostet – wie berichtet – rund 1,26 Millionen Euro. 80 Prozent der Kosten übernimmt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Carsten Merker stellte ausführlich Vor- und Nachteile der Möglichkeiten vor, wie Schulräume dauerhaft sinnvoll belüftet werden können. Das reichte von der einfachen Fensterlüftung, die nichts koste, im Winter aber kaum umsetzbar sei, über die mechanische Lüftung mit einem eingebauten Ventilator, die zentrale Lüftungsanlage mit Kanalnetz bis eben zu dezentralen Lüftungsgeräten.

Die zentrale Lüftungsanlage schloss Merker für Bestandsgebäude aus. Sie sei nur für Neubauten geeignet. Denn beim Einbau eines solchen Lüftungssystems müsse im Grunde die gesamte Schule umgebaut werden. Die Investitionskosten seien immens, unter anderem deshalb, weil der Brandschutz komplett neu aufgebaut werden müsse, da Räume gequert werden müssten. Zudem müssten die Schulen während der längeren Umbauzeit komplett geschlossen werden.

Preisgünstiger, aber auch nicht „billig“, seien die Ventilatoren, die in Fensterelemente eingebaut werden. Ihr Nachteil: „Im Winter wird es beim Stoßlüften kalt. Das können die Heizkörper nicht kompensieren, da warme Luft schnell wieder aus den Räumen herausgeblasen wird.“ Sinnvoll könnten allenfalls zwei Ventilatoren in einem Raum sein, da sonst ein Fenster auf Kipp gestellt werden müsste. Allerdings erzeugten die Ventilatoren Lärm und verbrauchten viel Energie, weshalb sie im Grunde nur in Pausen verwendet werden können.

Solche Ventilatoren haben in Sendenhorst aber einen großen Fürsprecher, wie im Vorfeld der Sitzung und auch in der Diskussion deutlich wurde. Als „Bürger und Steuerzahler“, so Dr. Karl-Heinz Grau in einer Sitzungsunterbrechung, erstaune ihn, „wie schnell hier 1,3 Millionen Euro durchgewunken werden“. Die Ventilatoren erfüllten bei der Bekämpfung der Coronaviren den gleichen Zweck. „Ich akzeptiere es nicht, dass ein System installiert wird, das eine Million Euro teuer ist“, erklärte der Sendenhorster.

Carsten Merker bezweifelte diese Berechnungen und erklärte, „dass wir hier auch über die CO2-Belastung reden und über eine langfristig gute Lösung für unsere Schüler und Lehrer“. Die Corona-Belastung gehöre hoffentlich irgendwann der Vergangenheit an, die neuen Anlagen würden aber dauerhaft für gute Luft sorgen.

Und so wird in den beiden Grundschulen sowie in der Montessori-Gesamtschule in jedem Klassenraum ein dezentrales Lüftungsgerät mit Wärmerückgewinnung montiert. Die Außen- und Fortluft wird über die Fassade durch Rohre zu- und abgeführt. „Das Gerät regelt den Volumenstrom nach dem CO2-Gehalt variabel und passt sich so der Belegung des Klassenraums an“, erklärte Merker.

Nach den Planungsgesprächen mit den Schulleitungen und den Bestandsaufnahmen werde die notwendige Ausschreibung vermutlich die meiste Zeit in Anspruch nehmen, meinte Merker. Gespräche mit deutschen Herstellern hätten ergeben, dass die Lieferzeit bis zu drei Monaten betrage.

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