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Plattdeutsches Theater in Albersloh

Frau Pieper behält den Durchblick

Albersloh

Wer ist der Mörder? Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten, doch Frau Pieper behält den Durchblick. Sie ist die tragende Figur im neuen Stück der plattdeutschen Theatergruppe des Heimatvereins, das in der Wersehalle Premiere feierte.

Von Christiane Husmann

Es ist wahr: Frau Pieper (Elke Große Perdekamp) „läw gefäörlik“. Weinbrand, Manni Röckmann und Almut Rauße sollen auf der Bühne in der Wersehalle beruhigen. Foto: Christiane Husmann

So viel darf verraten werden: Der Mörder ist nicht der Gärtner. Und es muss auch nicht verheimlicht werden, dass die Kriminalkomödie „Frau Pieper läw gefäörlik!“ den Zuschauern einiges an Aufmerksamkeit und viele laute Lacher abverlangt. Am Sonntag präsentierte die plattdeutsche Theatergruppe des Albersloher Heimatvereins turbulente Auftritte, die bei den Zuschauern für beste Unterhaltung sorgten.

Auf der Bühne liegt eine Leiche

„Genesen oder geimpft und tagesaktuell getestet“ lautete die Einlassvoraussetzung für die Wersehalle, in der sich die Zuschauer mit Maske ihren Weg zu den vorgegebenen Plätzen bahnten. Erst nachdem die notwendigen Kontrollen durchgeführt worden waren, hob sich der Vorhang für die Schauspieler, zu denen auch die „Kinner ut Abschlau“ gehören. Anni Hennenberg hatte mit den Jugendlichen „spiälte Witzkes“ eingeübt, die mit lustigen Pointen gute Laune produzierten. Entsprechend eingestimmt und mit vorgewärmtem Zwerchfell harrten die Zuschauer dem zweiten Vorhang. Der hob sich für Anne Vorderderfler, die als Regisseurin nicht nur die Proben der Schauspieler begleitet, sondern auch die Kriminalkomödie im westfälischen Plattdeutsch überarbeitet hatte. „Nu wätt spannend”, versprach sie und stellte in Aussicht: „Glieks ligg ne Liek up de Bühne.” Außerdem versicherte sie dem Publikum: „Ach, nowatt: Willi Brockmann is blaus in dat Stück vököhlt. In echt is he gesund, un he hätt kin Corona.” Nachdem auch das geklärt war, wünschte die Albersloherin: „Viäl Vögnögen!”

Es wird ermittelt, doch die Polizei hat längst den Überblick verloren. Foto: Christiane Husmann

Und das sollten die Zuschauer in der Folge haben, auch wenn sie sich – wie in einem Krimi durchaus üblich – gleich mit einer Leiche konfrontiert sahen. Aus der ragt aus unerklärlichen Gründen ein Säbel. Doch der Mörder hat die Rechnung ohne Erna Pieper – brillant gespielt von Elke Große Perdekamp – gemacht. Unerschrocken und mit detektivischem Spürsinn macht sie sich an die Aufklärung des komplexen Falls, der mit den Worten: „Is dao de Polizei?”, seinen humorvollen Lauf nimmt. Ein verschnupfter Kommissar Brockmann, über den Polizist Schulz weiß: „Dat is’n ganz Scharpen – vö den häwe se aal Manschetten“, wäre lieber im Bett geblieben. Dass am Tatort die Leiche verschwunden ist, hebt die Laune des Ermittlers nicht. Auch nicht, dass Erna sich erinnert: „Ik will glatt Meier heeten, wenn dat nich ussen ollen Naober Willi Brockmann is.“

Ein komplizierter Fall

Die Aufklärung des Falls gestaltet sich kompliziert. Nicht nur Leichen, sondern auch Beweismaterialien verschwinden. Letztere in Frau Piepers körpernahem Aufbewahrungsbeutel, dessen Inhalt den vermeintlichen Mörder schwer belasten könnte. Auch das Tatmotiv liegt noch im Dunkeln. Habgier? Eifersucht? „Villicht ut Ieversucht?”, mutmaßt auch Brockmann, der von Erna belehrt wird: „Da werden Weiber zu Hyänen.”

Untreue Eheleute, firmeninterne Querelen, weitere Leichen – es bleibt aufregend. „Kinners, is dat spannend – ik fraog mi blaus, waorüm ik iälken Aomd vör’n Fernsehapparat sitt“, meint die passionierte Privatermittlerin Pieper.

Wer am Ende der Mörder ist? Da muss man die Pieper fragen – oder einen der nächsten Auftritte der Plattdeutschen Theatergruppe besuchen. Außer für Freitag (3. Dezember) sind an der Abendkasse noch vereinzelt Karten erhältlich. Die Veranstalter weisen ausdrücklich darauf hin, dass die Aufführungen nur genesen oder geimpft und mit einem zusätzlichen tagesaktuellen Corona-Test besucht werden können.

Das traditionelle Albersloher Heimatlied auf Platt fand aus gegebenem Anlass am Ende nicht statt. „Naichstet Joar gärn wiä”, stellte Anne Vorderderfler dem von der Aufführung begeisterten Publikum in Aussicht.

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