Zwei Weltstars beim Jazz zwischen den Jahren im Haus Siekmann

Klavier und Horn verschmelzen symbiotisch

Sendenhorst

Es war ein Sonntagabend zum Dahinschmelzen. Jazz, Klassik, Folklore und Experimentelles – kein Genre, um das Vadim Neselovskyi und Arkadi Shikloper bei ihrem musikalischen Streifzug im Haus Siekmann einen Bogen gemacht hätten.

Dierk Hartleb

Jeder ein Ausnahmekünstler ohne jegliche Starallüren auf seinem Instrument: Arkadi Shilkloper (l.) und Vadim Neselovskyi. Foto: Dierk Hartleb

Es war ein Sonntagabend zum Dahinschmelzen. Jazz, Klassik, Folklore und Experimentelles – kein Genre, um das Vadim Neselovskyi und Arkadi Shikloper bei ihrem musikalischen Streifzug im Haus Siekmann einen Bogen gemacht hätten. Allein die Instrumentierung versprach einen ungewöhnlichen Musikgenuss: Klavier und Wald- und Alphorn, wann hatte es das bei einem Konzert auf der Tenne jemals gegeben?

Mit dem Stück „Get up and go“, das dem 2017 von Neselovskyi vorgelegten Album seinen Namen gab, und dem „Song for Vera“, eröffneten die beiden Musiker das Programm, das die Besucher vom ersten Augenblick an in andere Sphären des Hörens führte. Mit seinem natürlichen Charme übernahm Neselovskyi, der 2007 erstmals im Haus Siekmann gastierte, auch die Rolle des Moderators, ohne dass das gesprochene Wort die Oberhand gewonnen hätte.

Neben dem humorvollen, experimentier- und improsierfreudigen Pianisten erlebte das Publikum auch einen nachdenklich-melancholischen Künstler, der den Tod seines Vaters auch musikalisch betrauerte und sich zugleich über die Anwesenheit seiner in Dortmund lebenden Mutter freute. Es kommt nicht so häufig vor, dass ihr Sohn, der 2001 in die USA übersiedelte, in Brooklyn lebt und am Berkley College of Music in Boston Assistant-Professor ist, in der Nähe ihrer Wahlheimat gastiert.

Unaufdringlich klinkte sich Shilkloper mit seinen Hörnern in die Klangbilder seines Partners am Klavier ein und verlieh ihnen eine eigene Note. Der Hornist, Jahrgang 1956 und in Moskau geboren, spielte mit Weltstars wie Lionel Hampton, Lew Soloff oder Elvin Jones zusammen, spielt Horn mit einer Virtuosität, die den Zuhörern unter die Haut ging. Es war so, als ob die beiden auf der Bühne in der Sprache ihrer Musik miteinander kommunizierten, wobei die Klänge – mal tänzerisch, ausgelassen und experimentell, mal klassisch und fast lyrisch-poetisch – symbiotisch miteinander verschmolzen.

Auch wenn Vadim Neselovskyi seine Heimatstadt Odessa mit 17 Jahren mit dem Ziel Deutschland verließ, wo die Familie als Erstes Aufnahme im Auffanglager Unna-Massen fand, trägt er die Liebe zu der Hafenstadt am Schwarzen Meer noch immer in seinem Herzen. In einem neuen Werkzyklus will sich der Pianist und Komponist mit seinen Wurzeln beschäftigen.

Wie Neselovskyi sieht sich Arkadi Shikloper als Weltbürger, der nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zunächst nach Wuppertal kam und später nach Berlin, und heute zwischen der deutschen und russischen Hauptstadt pendelt.

Zwei Ausnahmekünstler, der eine Ukrainer, der andere Russe, die in Sendenhorst gemeinsam auf der Bühne stehen. Der Wunsch des Fördervereinsvorsitzenden Jürgen Krass, dass sich die beiden Nationen auch so friedlich udn gehaltvoll begegnen sollten, wird wohl nicht so schnell in Erfüllung gehen.

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