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Bürgerschützen Albersloh feiern ausgelassen

Ortsvorsteher schießt das Virus ab

Albersloh

In Telges Busch herrschte an diesem Wochenende Hochstimmung. Die Albersloher Bürgerschützen konnten endlich ihr Fest feiern. Begonnen wurde am Freitag mit dem „Corona-Schießen“, das Sebastian Sievers für sich entschied.

Von Christiane Husmann

Er machte zumindest symbolisch dem Corona-Virus den Garaus: Ortsvorsteher Sebastian Sievers. Die Kinder freuten sich über die Trophäe, die hoffentlich bald ihren Schrecken verliert.Im ganzen Ort unüberhör- oder sehbar: In Albersloh ist Schützenfest.Bauabnahme des königlichen Balkons durch Radioreporter Franky Krieger (l.) und Udo Borgmann. Foto: Christiane Husmann

„Zehn Schritte mehr nach links! Fertig werden! Ratze, du auch“, waren die ersten Worte, die die Schützen am Freitagabend auf die Ohren bekamen. Oberst Theo Hoenhorst machte unmissverständlich deutlich, dass eine dreijährige Pause kein Anlass sein könne, beim Antreten aus der Reihe zu tanzen. So formierten sich die Schützenbrüder gehorsam in Reih und Glied, um gemeinsam ins langersehnte Schützenfestwochenende zu marschieren.

Neues Baugebiet einbezogen

Grün-Weiß dominiert aktuell das Dorf. Sogar im neuen Baugebiet kann man schon Schützenfestatmosphäre wittern. Beim Marsch durch den Kohkamp ließ mancher Bauherr seine Schippe fallen, um den Musikzügen, dem Königspaar und dessen Anhang zuzujubeln. „Wir wollen auf keinen Fall, dass sich irgendjemand nicht eingeladen fühlt“, so der Vereinsvorstand. Ein Konzept, das aufzugehen scheint, denn beim Eintreffen in Telges Busch warteten bereits viele Besucher, die einen tollen Heimatabend erleben wollten. „Wow, ich bin überrascht, wie viele gekommen sind – die Mühe hat sich gelohnt“, freute sich Udo Borgmann, der auch Ehrengäste begrüßen durfte. Unter ihnen Katrin Reuscher. „Ich habe Hinweise bekommen, worauf ich beim Schützenfest achten soll“, so die Bürgermeisterin, die aufzählte: „Erster Hinweis: Mach das bitte kurz – mach ich“, versprach sie eine flotte Rede. „Zweiter Hinweis: Dass Albersloher Schützenfest ist absolut grandios“, was bei ihr zu einer hohen Erwartungshaltung führe, und „dritter Hinweis: Ich soll das mit dem Horrido richtig machen“, so Reuscher, die im Anschluss schmetterte: „Auf ein wunderbares Schützenfest 2022 in Albersloh – ein dreifaches Horrido“. Das Publikum kam der Aufforderung stimmgewaltig nach.

„Positiv denken, negativ testen“, empfahl Udo Borgmann, der gerade erst Corona überwunden habe – pünktlich. „Ein kleiner Tipp für alle, die aktuell betroffen sind: Immer gut den Rachen mit Wacholder spülen, denn das Virus mag keinen hochprozentigen Alkohol“, riet der Genesene noch. „Wir wollen heute und auch an den kommenden Tagen dem Schützenverein und dem Schützenfest wieder Leben einhauchen“, so Borgmann. „Weltweite Krisen, kriegerische Handlungen – das alles ignorieren wir nicht, wollen aber auch ein bisschen Ablenkung und Normalität bieten“, so der Vorsitzende, der sich beim Blick auf den Angriffskrieg auf die Ukraine baldige diplomatische Lösungen wünsche.

Kein Heimatabend ohne Albersloher Heimatlied. Bevor die „Fernandos“ zum Tanz einluden und das Corona-Virus im Kugelfang kalt gemacht werden sollte, wurde gemeinsam gesungen. Danach bildete sich schnell eine Kandidatenschlange möglicher Corona-Königinnen oder Corona-Könige. Mit dem 146. Schuss erledigte Sebastian Sievers die Virusattrappe und wurde bejubelt. Bis in die frühen Morgenstunden herrschte in Telges Busch Hochstimmung.

Radiomoderator Franky Krieger hilft beim Schuften

Während das gemeine Volk am nächsten Tag länger schlafen durfte, hieß es für die Schützenbrüder: schuften. Dabei erhielten sie tatkräftige Unterstützung von Radiomoderator Franky Krieger. Der schaltete drei Mal live in die „Steffi-Neu-Show“. Etwa vom „Balkonbau“ bei König Christof „Hülse“ Hülsmann. Das Podest soll dazu dienen, dem Vorsitzenden Überblick zu verschaffen. Königin-Mutter Hedwig Hülsmann hatte die Idee: „Wenn das Ding schon mal steht, könnt ihr ja gleich die Dachrinnen sauber machen.“ Doch das fiel nicht in den Zuständigkeitsbereich des Reporters, der launig moderierte und verschiedene Handreichungen machte. Auch beim Zeltschmücken zeigte sich Franky Krieger vom Fleiß der Vereinsmitglieder beeindruckt und staunte über die Stimmgewalt der Ehrengarde. „Ich geh mit meinem Mikro ein Stück zurück“, erklärte er, um den geneigten Radiohörer beim Schmettern des „Horrido“ vor Ohrschmerz zu bewahren.

Am Sonntag sollte sich die Balkonkonstruktion als solide erweisen. Viele, sehr viele waren gekommen, um den langjährigen König „Hülse“ abzuholen. In Telges Busch regierte er noch einen letzten Nachmittag, bis der neue König den arg gebeutelten Holzvogel von der Stange holte.

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