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Winfried Lichtscheidel und Matthias Sauerland begeistern beim Orgelherbst

Perfekte Symbiose der Instrumente

Albersloh

Mit Kantor Winfried Lichtscheidel (Orgel) und Matthias Sauerland (Klarinette) standen zwei heimische Interpreten auf dem Programmzettel des Orgelherbstes 2022 in Albersloh. Die beiden Akteure boten ein ausgesprochen abwechslungsreiches Programm und begeisterten das Publikum in der Ludgeruskirche.

Von Heinz Braunsmann

Nicht nur die Instrumente Klarinette und Orgel fügten sich in harmonischen Klängen zusammen. Auch die Musiker Matthias Sauerland (l.) und Winfried Lichtscheidel präsentierten sich perfekt aufeinander abgestimmt. Foto: Heinz Braunsmann

Erfreulich gut besucht war die Albersloher Pfarrkirche St. Ludgerus am Sonntagabend zum zweiten Konzert des diesjährigen Orgelherbstes. Kein Wunder, denn mit Kantor Winfried Lichtscheidel (Orgel) und Matthias Sauerland (Klarinette) standen zwei heimische Interpreten auf dem Programmzettel. Und die beiden Akteure boten ein ausgesprochen abwechslungsreiches Programm mit teilweise selten zu hörenden Werken, die sowohl solistisch als auch im detailgenau ausgearbeiteten Zusammenspiel präsentiert wurden.

Eröffnet wurde der Abend mit einer Fantasia von Georg Philipp Telemanna, ursprünglich für Soloflöte komponiert. Matthias Sauerland musizierte das dreiteilige Werk aus dem vorderen Kirchenraum heraus sehr einfühlsam und routiniert, wobei die Tragfähigkeit und der runde Klang der Klarinette gerade im Kirchenraum von St. Ludgerus ideal zur Geltung kamen.

Solo und im Zusammenspiel ein Ohrenschmaus

Als weiteres Solostück für Klarinette war eine Rhapsodie von Wilson Osborne zu hören. Mit diesem eigentlich für Fagott geschrieben Stück stellte Matthias Sauerland das Klangspektrum der Klarinette von den runden Tonformungen der tiefen Lagen bis hin zu spitz schreienden Diskantbereichen eindrucksvoll vor.

Auch zwei Kompositionen für Orgel allein standen auf dem Programm. Mit dem Bach’schen Standardwerk „Präludium und Fuge C-Dur“ (BWV 547), das der Stockmann-Orgel wie auf den Leib geschrieben ist, stellte sich Kantor Lichtscheidel als Solist vor. Er bot eine sehr fließende und metrisch ausgesprochen stabile Interpretation dar, die erfreulicherweise auf allzu übertriebenes Tempo verzichtete, so dass vor allem bei der Fuge eine sauber durchhörbare thematische Strukturierung erreicht wurde. Einzig die etwas unsaubere Intonation der Zungenregister trübte stellenweise den Hörgenuss – hier wäre eine Nachstimmung gelegentlich einmal angebracht.

Ebenfalls für Orgel solo erklang eine frühbarocke Passacaglia von Johann C. Kerll, deren streng variativer Formprägung von Lichtscheidel vor allem durch wechselnde Registrierung und lebhaft virtuoser Ausgestaltung in den Läufen Rechnung getragen wurde.

Klangsymbiose von Klarinette und Orgel

Der eigentliche Reiz an diesem außergewöhnlichen Konzertabend entwickelte sich aber durch die Auswahl von zwei Werken, die eigentlich nicht für Klarinette und Orgel geschrieben sind und deshalb für diesen Abend eigens in dieser Kombination eingerichtet werden mussten. So ist die Suite „im alten Stil“ von Alfred Schnittke ursprünglich für Orchester oder für Geige und Klavier gedacht. Schon in der einleitenden sanft fließenden Pastorale, die fast etwas weihnachtlich anmutete, verschmolz die Klarinette vollständig mit der dezent, aber nicht zu dunkel registrierten Orgel zu einer orchestralen Klangsymbiose.

So wurden das tänzerisch leichtfüßige „Ballett“, das in Moll gehaltene weich fließende „Menuett“ mit einer schwermütigen Kantilene, die „Fuge“ als launig-spritziges virtuoses Kabinettstückchen und die programmatisch anmutende schreitende und träumerisch anmutende „Pantomime“ zu einem kurzweiligen Hörgenuss.

Neben der klanglich variablen und pfiffigen Gestaltung überzeugten die Interpreten vor allem durch eine symbiotische Art des Musizierens, die bis in kleinste Details der Tempogestaltung oder der Phrasierung von motivischen Elementen perfekt abgestimmt war.

Sehr spannungsvoll gelang zum Schluss die „Suite from the Victorian Kitchen Garden“ des englischen Komponisten Paul Reade. Das Stück – ursprünglich 1987 für eine BBC-Fernsehserie komponiert, ist im Original für Harfe und Klarinette geschrieben und erklang in Albersloh in einem erfrischend gestalteten Eigenarrangement. Das fünfsätzige Werk besteht aus einer Folge von programmatischen Miniaturen, die in so hübschen und bezaubernden Registrierungen realisiert wurden, dass man sich einerseits die Stücke länger wünschen mochte, um den Ideenreichtum der Interpreten länger zu genießen, andererseits aber beim Hören eines Satzes immer schon neugierig dem nächsten entgegen fieberte.

Tosender Applaus verabschiedete die beiden Sendenhorster Musiker, die diesen Abend zu Recht als einen bedeutenden musikalischen Erfolg werten dürfen und nicht ohne Zugabe entlassen wurden.

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