Ortstermin am künftigen WLE-Haltepunkt an der Ladestraße

Projektmanager soll koordinieren

Sendenhorst

Zu einem Ortstermin trafen sich SPD-Vertreter, die unabhängige Bürgermeister-Kandidatin Katrin Reuscher und Johann Ubben, Bereichsleiter Eisenbahn bei der WLE, an der Ladestraße. Dabei hatte Detlef Ommen aus der jüngsten ZVM-Versammlung auch Neues zu berichten.

Annette Metz

Zu einem Ortstermin trafen sich SPD-Fraktionssprecherin Christiane Seitz-Dahlkamp, WLE-Fachmann Detlef Ommen (SPD), die unabhängige Bürgermeister-Kandidatin Katrin Reuscher und Johann Ubben, Bereichsleiter Eisenbahn bei der Westfälischen Landes-Eisenbahn GmbH, an der Stelle, an der der Haltepunkt für die WLE entstehen soll. Foto: Annette Metz

Wenn Johann Ubben, Bereichsleiter Eisenbahn bei der Westfälischen Landes-Eisenbahn GmbH, sagt, dass sie die Unterlagen für die Wiederinbetriebnahme der WLE-Strecke zwischen Sendenhorst und Münster am 8. Mai zur Prüfung an die Bezirksregierung gegeben haben, dann darf man sich getrost das Bild eines vielleicht auch etwas dickeren Briefumschlags aus dem Kopf schlagen. „Die waren 13 Leitz breit“, schmunzelt Ubben, als er im Gespräch mit der unabhängigen Bürgermeister-Kandidatin Katrin Reuscher beschreibt, dass die Unterlagen inzwischen ganze Regale füllen. Reuscher traf sich mit Johann Ubben gemeinsam mit der SPD-Fraktionsvorsitzenden im Rat der Stadt, Christiane Seitz-Dahlkamp und dem WLE-Fachmann in Reihen der SPD, Detlef Ommen, zu einem Ortstermin am künftigen WLE-Haltepunkt an der Ladestraße zu einem Informationsaustausch.

Die frischeste Nachricht hatte dabei Detlef Ommen aus einer ZVM-Sitzung am Vorabend im Gepäck. Der „Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Münsterland“ hatte nämlich über einen Vorschlag des NWL-Geschäftsführers Joachim Künzel beraten, für die bald anstehende Umsetzung und Koordinierung von Maßnahmen unterschiedlicher Aufgabenträger einen Projektmanager zu installieren. Dem habe der ZVM einmütig zugestimmt, berichtete Detlef Ommen aus der Sitzung in der Halle Münsterland.

Johann Ubben

„Hier wird nicht nur ein Haltepunkt, sondern eine Mobilitätsstation entstehen“, erklärte Johann Ubben und führte weiter aus, dass das beispielsweise ein solcher Punkt ist, dem ein Projektmanager sicher gut tut. Bahn, Bus und städtische Infrastruktur müssen in einer Feinplanung zusammengeführt werden. Der Haltepunkt jedenfalls, so erklärte Ubben bei der Gelegenheit, wird barrierefrei geplant. Bus und Bahn bedienen mit ihren Niederflor-Fahrzeugen eine Ebene. „Wenn sie an der einen Seite aus dem Bus die Fläche betreten, können sie auf der anderen Seite in die Bahn steigen, auch wenn sie einen Rollstuhl oder Rollator nutzen, ein Fahrrad oder einen Kinderwagen dabei haben.“

Städte, so erklärte Katrin Reuscher, seien ja traditionell auf ihre Bahnhöfe ausgerichtet. Das werde – auch nach einer so lange Pause – auch für Sendenhorst gelten. „Es wird ein neues Ziel für Verkehr entstehen, der auch bei städtischen Planungen nicht nur für die aktuellen Planung bis zu Aktivierung der Strecke eine Rolle spielen muss.“ Perspektivisch müsse man auch schon über Flächengestaltung für die Zeit nachdenken, wenn die Bahn einmal Richtung Neubeckum und weiter fährt.

Das sieht auch Johann Ubben so. „Wir bauen hier Infrastruktur für 30 bis 40 Jahre“, so Ubben. Und wenn jetzt auf die gesamte zur Verfügung stehende Strecke geschaut werde, dann gelte es, in gut aufeinander abgestimmten Entwicklungsschritten zu denken, die sicher noch viele Jahre in Anspruch nehmen werden. Allein eine Aktivierung des Streckenabschnitts von Sendenhorst bis Neubeckum, so Ubben auf Nachfrage dieser Zeitung, könnte sich im besten Fall vielleicht auf sieben, wohl eher aber auch über viele Jahre mehr erstrecken.

Der Abschnitt bis Sendenhorst ist da bekanntermaßen etliche Schritte weiter. Nach der Prüfung durch die Bezirksregierung erfolge über vier Wochen eine Offenlegung. Dann gibt es vier Wochen Zeit, Einwände vorzubringen, zu denen wiederum die WLE Stellung nimmt. Beides wird dann noch einmal erörtert „und endet dann bestenfalls für uns mit einer Genehmigung“, so Johann Ubben.

Katrin Reuscher

Auch auf die Pläne für den Haltepunkt in Albersloh, der in Höhe des neuen Baugebietes Kohkamp geplant ist, wurde in diesem Gespräch ein Blick geworfen. Er unterscheidet sich von der Ausstattung in Sendenhorst in der Form, dass es kein Kombi-Bahnsteig wird, der von Bus und Bahn bedient wird. „An diesem Haltepunkt werden die Busse die vorhandenen Haltestellen an der Sendenhorster Straße anfahren“, erklärt Johann Ubben. Für Katrin Reuscher allerdings steht vor allem hinter den Möglichkeiten für Fußgänger und Radfahrer noch ein Fragezeichen. „Ich finde, da muss man noch mal ran. Es sollte doch irgendwie möglich sein, eine sichere Verbindung entlang der Landesstraße zu schaffen. Umständliche Umwege werden Fußgänger und Radfahrer nicht in Kauf nehmen. Und wenn wir das nicht sicher planen, haben wir am Ende gefährliche Bereiche.“

Abschließend blickte Detlef Ommen noch einmal generell auf die Situation des Öffentlichen Personennahverkehrs. Auch wenn die Strecke Sendenhorst - Münster in den vergangenen Jahren nur vereinzelt für Güterzüge genutzt worden sei, sei es gut, dass sie erhalten geblieben sei. Denn jetzt, zu einer Zeit, in der die Straßen kaum noch Verkehr aufnehmen können und wieder mehr auch Personennahverkehr auf die Schiene zurückkehre, könne man mit vergleichsweise geringem Aufwand die Verbindung wieder aktivieren. Natürlich seien rund 40 Millionen Euro unglaublich viel Geld. Doch sei in der ZVM-Sitzung am Montag auch über eine Strecke zwischen Bocholt und Borken gesprochen worden. Diese sei damals komplett aufgegeben und entwidmet worden. „Wenn dort wieder etwas entstehen soll, werden dafür 400 Millionen Euro benötigt, denn sie muss komplett neu gebaut werden.“

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