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Salonorchester holt Neujahrskonzert nach

Radetzky-Marsch im August

Sendenhorst

Radetzky-Marsch im August? Der erklingt doch üblicherweise zum Schluss eines jeden Neujahrskonzerts, mit dem die Wiener Philharmoniker die Besucherschaft in den 1. Januar entlassen. Und jetzt mitten im Sommer im Haus Siekmann. Die Lösung des Rätsels ist eigentlich ganz einfach.

Von Dierk Hartleb

Freya Deiting gab als Erste Violinistin zusammen mit den Mitgliedern des Salonorchesters Münster am Sonntag beim Sommerkonzert im Haus Siekmann wieder eine souveräne Vorstellung. Foto: Dierk Hartleb

Radetzky-Marsch im August? Der erklingt doch üblicherweise zum Schluss eines jeden Neujahrskonzerts, mit dem die Wiener Philharmoniker die Besucherschaft in den 1. Januar entlassen. Und jetzt mitten im Sommer im Haus Siekmann.

Des Rätsels Lösung ist einfach: Weil in der Veranstaltungsübersicht des Kulturzentrums in den ersten Monaten coronabedingt eine große Lücke klafft, musste der beschwingte Neujahrsgruß des Salonorchesters Münster verlegt werden, just auf den Spätnachmittag des 22. August. Allerdings hatte sich das Vorstandsteam aufgrund der diffusen Wetterlage morgens gegen „Open Air“ und für eine Verlegung auf die Tenne entschieden.

Den zehn Musikerinnen und Musikern stand die Lust, wieder vor Publikum spielen zu können, förmlich auf die Stirn geschrieben, nachdem sie am 12. März 2020 an selber Stelle ihr letztes Konzert gegeben hatten. Entsprechend heiter-beschwingt begrüßten sie ihre Zuhörerinnen und Zuhörer mit den slawischen Tänzen von Antonin Dvorac und ließen Brahms mit seiner ungarischen Version der Tänze folgen.

Beschwingter Musikreigen

Gekrönt wurde dieser klassische Auftakt mit dem Kaiserwalzer von Johann Strauß jun., den dieser zur Eröffnung des Berliner Konzertsaals komponiert hatte. Als Sahnehäubchen spendierte das Salonorchester dann noch den Marsch „Wien bleibt Wien“, mit dem sich Johann Schrammel unsterblich machte und gemeinsam mit seinem Bruder Joseph die unverkennbare Wiener Schrammelmusik kreierte. Das Publikum schwelgte geradezu in einem Wiener Melodienreigen.

Musikalische Vielseitigkeit und ein gutes Gespür für eine ausgewogene Programmfolge bewiesen die Salonmusiker unter Leitung von Freya Deiting (Erste Violine), indem sie den Bogen weiter nach Russland spannten, um mit Dimitri Schostakowitsch einem Visionär zu huldigen, der die Musik des 20. Jahrhunderts bereichert, wenn nicht gar revolutioniert hat.

Als nächstes stellte Moderator Oliver Haug den dänischen Komponisten Jacob Gade vor, der mit seinem Tango „Jalousie“ (Eifersucht), den er als Begleitmusik für einen Stummfilm schrieb, bekannt wurde. Es blieb sein einziger Hit bis zu seinem Tod 1963.

Bis Januar dauerts nicht mehr lange

Nach der Pause empfing des Orchester die Zuhörer mit einem musikalischen Werbespot mit dem Titel „Palladio“, den der Waliser Karl Jenkins 1966 eigentlich dem Renaissance-Architekten Andrea Palladio gewidmet hatte, ihn flugs für Diamantenwerbung von De Beers verwandte.

Mit den Musical-Ikonen „Ich habe getanzt heut´ Nacht“ aus „My Fair Lady“ und „America“ von Leonard Bernstein ging die musikalische Zeitreise nach der Pause weiter in die 1950er und 1960er Jahre. Über die Elisabeth-Serenade, die Ronald Binge zur Thronbesteigung von Elisabeth II. schrieb, über die Reisesehnsucht der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg, steuerte das Orchester auf den triumphalen Schlusspunkt zu, eben den Radetzky-Marsch als Zugabe. Und setzte mit Louis Armstrongs „What A Wonderful World“ zum Abschied noch eins drauf. Aus, vorbei. Bitte im Januar 2022 wiederkommen.

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