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Bundesministerin in Albersloh

Svenja Schulze: „Wir sind Teil der Ausbeutung“

Albersloh

Die SPD in Sendenhorst feiert ihr 100-jähriges Bestehen – und die Reihe hochrangiger Gäste reißt nicht ab. Nach Bundestagspräsidentin Bärbel Bas war nun Bundesentwicklungshilfeministerin Svenja Schulze zu Besuch im Albersloher Sozial-Zentrum.

Von Christiane Husmann

Genossen den regen Austausch mit Bundesministerin Svenja Schulze (2. v. l.) und den zahlreichen Gästen im „Sozial-Zentrum Fels“: Rolf Nettebrock, Antonia Terbaum und Bernhard Dahldrup (v.l.). Foto: cri

Angenehm unprätentiös wirkte das Auftreten der Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Svenja Schulze. Am Samstag war sie der Einladung der SPD ins „Sozial-Zentrum Fels“ gefolgt, um zum 100. Geburtstag des Ortsverbandes zu gratulieren. In der Folge fand ein interessanter Austausch statt, der nicht nur Einblicke in das Wirkungsfeld der Ministerin zuließ, sondern auch zahlreiche Fragen weiterer Gäste und Zuhörer.

„Wir, das Team vom SZ, sind der Überzeugung, dass Begegnung und Austausch Grundbausteine für den sozialen und politischen Zusammenhalt sind, was uns oft gar nicht bewusst ist“, eröffnete Eva Rüschenschmidt die Veranstaltung. „Think global – act local“, so der Titel des Events, sei auch für das Team des SZ ein Leitmotiv. So auch für Katrin Reuscher, die klar machte: „Wie wir uns verhalten, das hat Auswirkungen auf andere.“ Zum Thema Entwicklungsarbeit insbesondere meinte sie: „Ohne große Weltpolitik geht das nicht.“ Es sei ein hartes Arbeitsfeld, so die Bürgermeisterin, die übrigens selbst bereits mehrere Monate in Afrika gelebt hat.

Das konnte Svenja Schulze nur bestätigen, die zuvor von Bernhard Dahldrup herzlich willkommen geheißen worden war. Sie wusste: „Entwicklungspolitik lebt davon, dass man über den eigenen Tellerrand hinausschaut.“ Schulze warf auch einen Blick in die Geschichte: „Wir sind Teil der Ausbeutung: Es geht um Rohstoffklau, Verschleppung von Menschen und Kolonienbildung.“ Dazu hatte sie natürlich auch eine Meinung zur aktuellen Lage: „Wir waren uns in Deutschland sicher, dass so etwas wie Krieg bei uns nicht mehr passieren wird. Und nun verbreiten sich Schockwellen über die ganze Welt.“ Dazu benannte die Ministerin die globalen Auswirkungen des Krieges in der Ukraine: „Weizen, Mais und andere Lebensmittel können nicht nach Afrika verschifft werden. Die ukrainischen Bauern kämpfen im Krieg.“ Man befürchte eine der größten Hungerkatastrophen überhaupt. „Die Situation ist bedrohlich“, so die Einschätzung der Ministerin, die ein globales Bündnis für Ernährungssicherheit ins Leben gerufen habe.

Neben der direkten Reaktion auf die aktuelle Krise bleibe die langfristige Umgestaltung der globalen Agrar- und Ernährungssysteme das Ziel. „Es geht darum, die Länder zu befähigen, Lebensmittel anzubauen“, so Schulze, die dabei auf lokale Experten setzt, die den Kleinbauern dabei helfen könnten -und das ohne westliche Überheblichkeit. Nicht „das ihr, sondern das wir“ sei in von Pandemie, Krieg und Klimawandel geprägten Krisenzeiten gefragt, um einen globalen Schutzschirm vorantreiben zu können. Von dem, was zum Thema Entwicklungsarbeit vor Ort geleistet werden kann, wusste Detlef Ommen zu berichten: „Fair handeln, fair miteinander umgehen“, sei das Leitmotiv der Fairtrade-Stadt Sendenhorst. Rolf Nettebrock stellte dazu die Arbeit des „Freundeskreis Nyang’oma/Kenya“ vor. „Unser Hauptfokus liegt auf Bildung, Ausbildung und Schulentwicklung“, erklärte der Vereinsvorsitzende, der regelmäßig in Kenia vor Ort sei.

Über ihre Teilnahme an einem vierwöchigen Bildungsprojekt in Tansania berichtete Antonia Terbaum: „Ich habe spannende Sachen erlebt – das hat mich persönlich weiterentwickelt“, so die 22-jährige, die den gegenseitigen Wissensaustausch genossen habe. „Ich bin selber Landwirtin. Dort habe ich gelernt, wie man Pflügen, Sähen und andere Arbeit mit den Händen macht“, schilderte die Albersloherin. „Ja, nicht wir sagen, was andere brauchen, sondern es findet ein Austausch statt“, beschrieb Svenja Schulze eome gelingende Entwicklungsarbeit. Was „andere“ allerdings nicht bräuchten, seien Elektroschrott, alte Textilien, Schweinereste oder Billighühner aus Industrieländern.

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