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Die plattdeutsche Theatergruppe „Dröget Schnüffelken“ ist ein eingeschworenes Team

Viele profitieren vom Engagement

Sendenhorst

Die Theatergruppe „Dröget Schnüffelken“ spielt immer im Januar plattdeutsche Theaterstücke. Marion Pumpe spielt mit und ist auch für die Kasse verantwortlich. Im Rahmen der „Zeitgeschenk“-Serie erzählt sie, wie das alles funktioniert und wer von dem Engagement profitiert.

Josef Thesing

Für die Stücke wird von der Theatergruppe „Dröget Schnüffelken“ viel geprobt, in der Endphase vor den Aufführungen fast jeden Tag. Foto: Dirk Kleinikel

Im Moment ist Pause, aber nicht wegen Corona. Die vergangene Spielzeit der plattdeutschen Theatergruppe „Dröget Schnüffelken“ ist ja noch gar nicht so lange her. Im Juni oder Juli geht es mit der Vorbereitungen der nächsten Vorstellungen weiter, erklärt Marion Pumpe an diesem sonnigen Morgen auf ihrer Terrasse von der Theatergruppe. Sie spielt dort nicht nur mit, sondern kümmert sich auch um die Finanzen. Und nun erzählt sie im Rahmen des „GUGL“-Projekts „Zeitgeschenk“ vom „Projekt“ der Laienspielschar.

Die erste Frage, die immer gestellt wird, wenn es im Sommer losgeht, lautet stets: „Wer macht mit?“. Und wenn das geklärt sei, werde gemeinsam ein passendes Stück gesucht, in dem alle, die dabei sein wollen, auch eine Rolle bekommen können.

Marion Pumpe

Mit dem Platt ist das so eine Sache, weiß auch Marion Pumpe. „Das war früher ja die Sprache der einfachen Leute, die gesprochen, aber nicht geschrieben wurde.“ Heute gebe es verschiedene Verlage, die die Bücher für die Theaterstücke zur Verfügung stellen. „Wir bestellen die auf Platt“, sagt Marion Pumpe. Damit sind aber noch längst nicht alle Fragen beantwortet. „Es gibt Wörter, die man ändern muss, und von anderen wissen wir zu Beginn nicht, wie die überhaupt ausgesprochen werden.“

Marion Pumpe ist seit 20 Jahren dabei. „Am Anfang habe ich mir auch die Zunge gebrochen. Das ist wie bei jeder Fremdsprache, die man lernen, üben und sprechen muss.“

Marion Pumpe erzählt mit Abstand auf ihrer Terrasse, wie sie zum Theaterspielen gekommen ist. Mit dabei ihre Kinder Carsten und Miriam. Foto: Josef Thesing

Bei Anne Quas und Clemens Witte, Urgesteine der plattdeutschen Theatergruppe sei das etwas anders gewesen: „Die kannten das von Oma und Opa vom Hof.“

Bei Clemens Witte findet auch traditionell das erste Lese-Treffen statt, dem weitere drei bis vier folgen. Dort werden Notizen zur Aussprache gemacht – und eben gelesen, bis jeder weiß, worum es bis ins letzte Detail geht.

Geprobt wird zum Schluss fast jeden Tag

Geprobt wird ab Oktober für die Aufführungen im Januar – zunächst alle zwei Wochen, dann jede Woche und dann zwei Mal pro Woche, erzählt Marion Pumpe. Im Dezember wird dann noch weiter intensiviert, und nach Weihnachten sei dann nur an Silvester und am Neujahrstag frei. „Wir sind sehr dankbar, dass wir dafür und für die Aufführungen die Aula der Realschule nutzen können“, sagt Marion Pumpe.

Insgesamt kommen etwa 35 Probentermine zusammen. Hinzu kommen der Bühnenaufbau und die gesamte Organisation mit Werbung, Tickets drucken und Kasse. „Nur die Arbeit im Hintergrund nimmt etwa 80 bis 100 Stunden in Anspruch“, rechnet die Sendenhorsterin vor. „Und das für fünf Abende . . .“

Seit 1983 wird in jedem Jahr gespielt – natürlich seitdem nicht immer von den selben Personen. Aber ein Stamm ist bereits lange dabei. „Das macht einfach Spaß und ist ein schönes Hobby“, sagt Marion Pumpe. Ein Hobby, das wissen die vielen Zuschauer aus den vergangenen Jahren, das nahe an der Professionalität grenzt.

Schauspielgruppe unterstützt viele Projekte

Aber der gemeinsame Spaß ist nur einer von drei Aspekten, der „Dröget Schnüffelken“ zu etwas Besonderem macht. Die Zuschauer haben einen höchst unterhaltsamen Abend – und mit den Einnahmen unterstützt die Theatergruppe seit 2003 Vereine, karitative und gemeinnützige Einrichtungen und Projekte – von der „Tafel“ bis zum „Bürgerradweg Ahrenhorst“. 12 000 Euro, schätzt die Kassiererin seien das in den vergangenen zehn Jahren gewesen, mal mehr, und mal weniger – oder, wie jetzt gerade, auch sehr spontan 500 Euro an die „Tafel“, um die Paket-Aktion in Coronazeiten zu unterstützen. Das sei schnell in der eigenen Whats­App-Gruppe entschieden worden.

Seit Rosenmontag ein Verein

„Dröget Schnüffelken“ hat verschiedene Organisationsstrukturen durchlaufen, erzählt Marion Pumpe. In den 1960-er Jahren war die Gruppe Teil der Kolpingsfamilie, bis 2006 gehörte sie zur Landjugend. Und seit diesem Rosenmontagstag ist die Theatergruppe ein eigener Verein, der nun die Gemeinnützigkeit beantragt. Rund 30 Mitglieder gibt es. Vorsitzende ist Barbara Untied. Der Vorstand hat fünf Mitglieder. Mitgliedsbeiträge gibt es nicht.

Denn Einnahmen stehen natürlich auch beträchtliche Ausgaben gegenüber, was die Gruppe mit dazu bewogen hat, ein Verein zu werden. Die Texte kosten Geld, die Aufführungen auch, etwa die Übernahmen die Wasser- und Stromkosten. Und die Requisiten, Plakate und einiges mehr gehen ebenfalls ins Geld. Das muss aus der Kasse bezahlt werden. „Mit Corona während der Spielzeit wäre das schwer geworden“, weiß Marion Pumpe.

Marion Pumpe

Hilfe könnte der kleine Verein auch gebrauchen, zum Beispiel beim Bühnenbau und beim Getränkeverkauf. Die Landfrauen sind mit Kuchen backen bereits länger an Bord.

Wenn Spielzeit ist, seien alle natürlich ziemlich angespannt, sagt die Schauspielerin. „Jeder will sein Bestes geben.“ Und wenn der letzte Vorhang gefallen seien alle meistens ziemlich zufrieden – wie das Publikum.

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