Bau der Wersebrücke macht Weg für Verkehr durchs Dorf frei

Vom frühen Glück zu Albträumen

Albersloh

Vor etwa 125 Jahren wurde in Albersloh im Zuge der heutigen Münsterstraße die erste Brücke über die Werse errichtet. Damit konnte der Verkehr auf direktem Wege ins Dorf fahren. Was dem Gewerbe damals einen kräftigen Schub gab, hat sich später zum Problem entwickelt. Die heutige Brücke wurde nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut.

Von Josef Thesing

Das Bild oben zeigt die Wersebrücke im Juni 2021. 1949 wurde sie erbaut. Foto: Christiane Husmann

Die heutige Verkehrsproblematik im Dorf hat ihren Ursprung in einer Zeit, die mehr als 125 Jahre zurückliegt. Nachdem die „Chausseen“, wie die Straßen in die Nachbarorte seinerzeit genannt wurden, erneuert- oder fertiggestellt waren, ging es im Zuge der heutigen Münsterstraße an den Bau der Wersebrücke. Damit war klar, dass der damals noch spärliche Verkehr mitten durch das Dorf führen würde.

Seinerzeit wurde das nicht als bedenklich betrachtet. Im Gegenteil: Das Dorf blühte, wie von vielen erhofft, sichtlich auf, wird in dem Buch geschildert, das vor 25 Jahren zur 825-Jahr-Feier von Albersloh erschienen ist. Wirts- und Gasthäuser, Herbergen – zum Teil mit Stallungen für die Pferde – wurden eröffnet. Impulse gingen vom Durchgangsverkehr auch an die Brennerei, die Schmiede und die Holzbearbeitung im Dorf aus.

Wunsch wurde nicht sofort erfüllt

Dabei war es ein längerer Weg, bis das Dorf tatsächlich diese wichtige Verbindung über den Fluss bekam. Das Drängen der Gemeinde Albersloh, des Amtes Wolbeck, zu dem das Dorf bis zur kommunalen Neugliederung in den 1970er Jahren gehörte, und das des Landrates des damaligen Kreises Münster bei der Provinzialregierung auf den Bau einer Brücke in Dorfnähe ist bereits für die Jahre nach 1830 dokumentiert. Allerdings: Es fehlte zunächst das Geld – wie so häufig bei größeren Baumaßnahmen.

Deshalb ging die Provinzialregierung davon aus, dass Albersloh sich an den Kosten zu beteiligen habe. Der Gemeinderat sah das mit Blick in die eigene Kasse anders: Er stellte den Nutzen einer Brücke für die Allgemeinheit in den Mittelpunkt – und scheiterte. 1837 wurde das Bauvorhaben zunächst abgelehnt. Dabei hatten vor allem auch die Händler, die Post und die Bauern auf kürzere Wege gehofft.

Maurermeister aus Sendenhorst baut die Brücke

Besser lief es dann bei einem erneuten Anlauf, dessen Beginn nicht genau datiert ist. Man geht davon aus, dass die erste Brücke um 1874 vom Sendenhorster Maurermeister Schmetkamp errichtet wurde – unvorstellbar in heutigen Zeiten. Und zwar massiv mit Ziegelsteinen. Das Bauwerk erhielt vier Segmentbogen-Gewölbe auf drei Flutpfeilern. Der kurze Weg ins Dorf war frei.

Doch das Maurermeister-Werk konnte dem „Schwerlastverkehr“ und der Werse nicht für alle Zeiten standhalten. In den letzten Tagen des zweiten Weltkrieges wurde die Brücke 1945 durch amerikanische Panzer erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Weiter beschädigt wurde sie ein Jahr später durch das damalige Wersehochwasser. Den Rest gaben ihr nach den Aufzeichnungen im Jahr 1949 alliierte Panzer. Infolge starker Erschütterungen brachen Teile des Gewölbes heraus.

Die heutige Wersebrücke wurde 1949 gebaut. Foto: privat

Damit überhaupt noch weiterer Verkehr ins Dorf möglich war, errichteten amerikanische Pioniere zunächst eine einspurige Behelfsbrücke. Die alte Brücke wurde abgerissen und durch eine neue Stahlbetonbrücke ersetzt, wie man sie im Wesentlichen noch heute vorfindet.

Die Fundamente des Widerlagers und des Mittelpfeilers wurden 1969/1970 im Zuge des Werseausbaus gegen Hochwasser verstärkt.

Heute für Transit-Lkw verboten

Das alles ist heute (fast) Geschichte. Wo es möglich war, ist man längst dazu übergegangen, den Hochwasser- und Naturschutz durch Renaturierung der Werse zu verbessern.

Und der Verkehr durchs Dorf hat sich für viele Bewohner in den vergangenen Jahrzehnten vom Glück zum Albtraum entwickelt, weshalb der Landrat die Durchfahrt von Transit-Lkw inzwischen verboten hat.

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