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Gudrun Rathke zu Gast bei der Sendenhorster Erzählnacht

Von Himmelbett bis Spülklosett

Sendenhorst/Albersloh

Geschichten von der Würze des Lebens: Die erzählte die Geschichtenerzählerin Gudrun Rathke. Bereits mit ihren ersten Worten hingen die etwa 120 Zuschauer im völlig ausverkauften Haus Siekmann an ihren Lippen. Die gebürtige Österreicherin wurde geprägt von den Erzählungen ihrer Großmutter.

Von Pia Sofie Bartmann

Mit viel Gestik und Mimik erzählte Gudrun Rathke im Haus Siekmann ihre Geschichten. Foto: Pia Sofie Bartmann

Auch die 23. Sendenhorster Erzählnacht war wieder ein voller Erfolg. Rund 120 Zuschauer jeden Alters kamen am Freitagabend ins restlos ausverkaufte Haus Siekmann. In diesem Jahr erwartete die Besucher eine Premiere: Geschichtenerzählerin Gudrun Rathke war zum ersten Mal zu Gast in Sendenhorst. Im Gepäck hatte sie eine Menge Geschichten aus aller Welt.

Pünktlich um 20 Uhr begrüßte Thomas Hoffmeister-Höfener, Mitbegründer des Vereins „Theomobil“, unter lautem Applaus die Anwesenden. „Einen wunderschönen guten Abend und herzlich willkommen. 1998 fand die allererste Erzählnacht statt. Damals waren wir nur ein paar Leutchen. Heute sind wir zum 13. Mal ausverkauft.“ Nach Sendenhorst zu kommen, das habe immer etwas freundschaftlich familiäres, weil die Menschen einander kennen würden und es immer wieder zu guten Gesprächen komme. In humorvoller Art erklärte er, wie er die Geschichtenerzählerin während einer Sturmnacht im Jahr 2007 kennenlernte. Es war die Nacht, in der „Kyrill“ über Deutschland zog und einiges an Verwüstung hinterließ. Gudrun Rathke habe zur gleichen Zeit auf der Bühne gestanden und erzählt. „Ich hörte ihre Geschichten und fasste den Entschluss, sie einmal nach Sendenhorst einzuladen“, erklärte Hoffmeister-Höfener.

Das Publikum fühlte sich bestens unterhalten. Foto: Pia Sofie Bartmann

In diesem Jahr war es dann endlich soweit. „Mein Programm heißt ,Geschichten von der Würze des Lebens’, und ich hoffe, dass ich auch heute für jeden Geschmack eine Geschichte dabei habe“, sagte Gudrun Rathke, als sie die Bühne betrat.

Bereits mit ihren ersten Worten hingen die Zuschauer an ihren Lippen. Gespannt und aufmerksam hörten sogar die Jüngsten zu. Ihre Geschichte des Fischers Pedro, der einem Fremden hilft, dann eines Tages selbst in Not gerät und von jenem Fremden gerettet wird, hinterließ direkt zu Beginn eine starke Nachricht: Wenn man über seinen Schatten springt und hilft, kann das dafür sorgen, dass man eines Tages selber Hilfe erfährt.

Gudrun Rathke wurde in Österreich geboren. Ihre Kindheit und Jugend in Kärnten wurde geprägt von den Erzählungen ihrer Großmutter und den vielen verschiedenen Büchern, die sie in ihrem Elternhaus fand. Nach dem Abitur machte sie eine Lehre in einer Buchhandlung in Wien. Sie studierte Germanistik und Skandinavistik in Wien und Göttingen und entschied sich, nach ihrem Studium in Nordhessen zu bleiben. Nach ihrer Tätigkeit an der Montessori-Schule in Kassel belegte sie einen Kursus für professionelles Erzählen an der Akademie Remscheid. Seit 2006 ist sie freiberuflich unterwegs und erzählt ihre Geschichten überall dort, wo Menschen jeden Alters gerne in Geschichten oder Märchen eintauchen. 2012 übernahm sie die Leitung des Sparda-Erzählfestivals in Kassel.

Geschichten aus dem Leben

Es sind Geschichten aus dem Leben, die sie völlig frei und auf eindrucksvolle Art erzählt. Sie handeln von Liebe, Witz und Tücke – mal offensichtlich, mal voller unvorhergesehener Wendungen. Das Herz jeder Geschichte ist eine bestimmte Nachricht, die sie in sich trägt und die jeder der Zuhörer für sich aus ihr ziehen kann.

Ihre sympathische Art zieht jeden Anwesenden sofort in ihren Bann. Die ureigene Kärntner Mundart, in der sie einige der alten Geschichten aus ihrer Heimat Österreich wiedergibt, bringt das Publikum so manches Mal zum Lachen.

Unterhaltsam und lehrreich

Aber auch nachdenkliche und ernste Geschichten sind Teil ihres Repertoires. Sie erzählen von Lehren und Erfahrungen, die jeder Mensch im Verlauf seines Lebens machen wird. Von Liebe und Ungerechtigkeit und dem Ernst des Lebens. So zum Beispiel ein Auszug aus Thomas Rosenlöchers Buch „Liebst du mich, ich liebe dich“, in dem es um ein junges Paar geht, das sich im Laufe ihrer Beziehung durch ihre Besitztümer aus den Augen verliert. „Himmelbett und Spülklosett, Badewanne, Herd und Pfanne. Kuckucksuhr, Whiskey pur, Protzvitrine, Glotzmaschine: Das ist der Ernst des Lebens“, schloss Rathke lachend und steckte das Publikum mit ihrer Heiterkeit an. Mit viel Herzblut vorgetragen, sind ihre Geschichten so zu gleichen Teilen unterhaltsam und lehrreich und sorgten dafür, dass die Besucher auch in diesem Jahr mit einem Lächeln auf den Lippen nach Hause gehen.

Fans der Sendenhorster Erzählnacht können sich schon jetzt auf eine Fortsetzung freuen. Im nächsten Jahr kommt die Italienerin Maria Carmela Marinelli mit ihren Geschichten ins Haus Siekmann.

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