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Gedenkstättenfahrt nach Lublin

Wo das Grauen sichtbar wird

Sendenhorst/Albersloh

Die Gedenkstättenfahrten der katholischen Kirchengemeinde St. Martinus und Ludgerus haben eine längere Tradition. Seit 1999 hat die Gemeinde regelmäßig über sechs Tage solche Fahrten nach Auschwitz unternommen. In diesem Jahr ist Lublin das Ziel.

-jot-

Die Besucher werden auch an einer Führung durch das ehemalige Konzentrations- und Vernichtungslager Majdanek teilnehmen, das heute auf dem Stadtgebiet von Lublin liegt. Foto: Gerd Wilpert

Die Gedenkstättenfahrten der katholischen Kirchengemeinde St. Martinus und Ludgerus haben eine längere Tradition. Seit 1999 hat die Gemeinde regelmäßig über sechs Tage solche Fahrten nach Auschwitz unternommen, vornehmlich mit Jugendlichen, und das 2018 bereits zum zwölften Mal.

Für den kommenden Mai ist diesmal vom 24. (Mittwoch) bis zum 30. (Dienstag) eine siebentägige Fahrt nach Lublin zu den Stätten der „Aktion Reinhardt“, zu denen unter anderem Sobibor, Belzec und Majdanek gehören, geplant. „Von Lublin aus wurde die ,Aktion Reinhardt‘ gesteuert, die die planmäßige und schnelle Ermordung von drei Millionen polnischer Juden im besetzten Generalgouvernement plante und durchführte. Treblinka, Sobibor und Belzec wurden als Orte der Vernichtung installiert: Tötungsfabriken, die keinem anderen Zweck dienten“, schreibt Organisator Gerd Wilpert für die Kirchengemeinde.

Nicht nur auf Auschwitz schauen

Im Einladungsflyer begründet er auch, warum nicht mehr Auschwitz das Ziel sein soll. „Die Gedenkstätten in Auschwitz ziehen mittlerweile Millionen von Besuchern an, von Jahr zu Jahr werden es mehr. Auch wenn es gut ist, dass sich so viele Menschen dafür interessieren: Der Besucherandrang hat die inhaltliche Gestaltung der Fahrt in den vergangenen Jahren für uns zunehmend schwieriger gemacht“, so Wilpert. Hinzu komme, dass „Auschwitz“ in den vergangenen Jahren zu dem Begriff geworden sei, der für unvorstellbare Brutalität und den planmäßig durchgeführten Massenmord an der jüdischen Bevölkerung Europas stehe. In dem Maße, in dem „Auschwitz“ und besonders das Eisenbahntor in Birkenau zum Symbol des Holocaust geworden seien, seien andere Orte des Holocaust und die dortigen Geschehnisse aus dem Blickfeld geraten.

Wichtig seien für die Organisatoren auch die Erfahrungen, die bei den bisherigen Fahrten gemacht worden seien. „Die intensive Vorbereitung und auch die Atmosphäre in den Unterkünften haben dazu beigetragen, dass es für die Jugendlichen eine ernsthafte und tief bewegende, aber keine traumatische Erfahrung wurde“, erklärt Wilpert. Die Rückmeldungen von Jugendlichen und Eltern nach den Fahrten hätten die Organisatoren immer wieder darin bestärkt, diesen Weg weiterzugehen. „Es ist eben etwas anderes, in der Schule über dieses Thema zu sprechen beziehungsweise Bücher zu lesen, oder es ,hautnah‘ an den originalen Orten zu erfahren“, meint Wilpert. „Menschen, die sich auf den Prozess der Begegnung mit solchen Orten einlassen, werden später – so glauben wir – widerstandsfähiger sein gegenüber rechten Parolen“, ist Wilpert überzeugt.

Eingeladen zur Teilnahme sind Jugendliche und junge Erwachsene ab Klasse zehn, und nicht nur Schüler, die die Realschule St. Martin besuchen, sondern die aus Sendenhorst und Umgebung kommen und bis zu 26 Jahre jung sind.

Lublin – Startpunkt der grausamen ,Aktion Reinhardt‘

Sie erwartet unter anderem die Stadt Lublin, die mit heute 340 000 Einwohnern eine der größeren Städte Polens ist und etwa 160 Kilometer südöstlich von Warschau liegt. Die Stadt sei auch bekannt wegen ihrer wunderschönen Altstadt, wo sich in der Nähe auch die Unterkunft der Reisenden befindet. Aufgrund der Universitäten gebe es viele junge Einwohner. Lublin ist seit 1991 Partnerstadt von Münster.

„1939 besetzten deutsche Truppen die Stadt. Die größte jüdische Talmud-Hochschule musste schließen. In der Stadt wurde ein Ghetto eingerichtet, dessen Bewohner nach und nach in Vernichtungslager deportiert wurden. Mehr als 14 000 jüdische Einwohner der Stadt wurden so getötet. 1942 wurden die Reste des ehemaligen jüdischen Altstadtviertels gesprengt und abgetragen“, berichtet Wilpert. Lediglich 230 Lubliner Juden überlebten die deutsche Besetzung der Stadt.

An der Fahrt teilnehmen können 22 junge Leute. Sie werden von Gerd Wilpert, Edelgard Baron-Krömer und Isabelle von Looz begleitet. Eine Anmeldung ist bis zum 31. Januar mit dem im Flyer enthaltenen Formular in den Pfarrbüros oder im Sekretariat der Realschule St. Martin möglich. Verbindliche Vorbereitungstreffen finden am 2. Februar (Donnerstag) von 17 bis 22 Uhr in der Realschule und am 22. April (Samstag) von 9 bis 16 Uhr im Alten Pastorat statt.

Der Eigenanteil der Teilnehmenden liegt bei 130 Euro. Weitere Infos gibt Gerd Wilpert, 0 25 26 / 43 94, E-Mail: g.wilpert@st-martinus-und-ludgerus.de.

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