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Streifzug durch die Hohe Ward

Wo der Elfenkönig durch die Büsche huscht

Albersloh

Die Hohe Ward mit ihrer besonderen Natur lockt über breite Wege und enge Pfade zu bekannten oder versteckten Orten, die alle eine Geschichte zu erzählen haben.

Christiane Husmann

Blick in die Ferne: Nicht nur der sagenumwobene König Goldemar (N51868459, E7.712356) fühlt sich in der Hohen Ward wohl. Das Waldgebiet bietet viel Spannendes, das entdeckt werden will. Foto: Christiane Husmann

Wo sich vor vielen Tausend Jahren noch Jäger und Sammler tummelten, sind heute Spaziergänger, Reiter und Radtouristen unterwegs. Die Hohe Ward mit ihrer besonderen Natur lockt über breite Wege und enge Pfade zu bekannten oder versteckten Orten, die alle eine Geschichte zu erzählen haben. Selbst für diejenigen, die glauben, das große Waldgebiet in- und auswendig zu kennen, mag die Hohe Ward noch einige Überraschungen bereithalten. Ein Ausflug lohnt sich allemal.

Wer sich von Albersloh aus auf den Weg zur Hohen Ward macht, wird in Höhe der Reithalle von Elfenkönig Goldemar begrüßt. Allerdings nur von seiner Statur, die Künstler Ben Uhlenbrock aus Holz gehauen hat. Sehnsüchtig blickt sie in Richtung Wald, wo der Elfenkönig noch heute im weißen Gewand durch die Büsche huschen soll.

Das sagenhafte Königsgrab. Foto: Christiane Husmann

Wer dessen sagenumwobenes Königsgrab finden will, muss sich erst einmal auf den „Hohen Weg“ machen. Nach rund zwei Kilometern führt ein Abzweig erst über eine Lichtung und später über enge Pfade zum versteckt liegenden Königsgrab. Das Bodendenkmal, von dem man vermutet, dass es als Fluchtturm oder als Speicher mit umgebender Gräfte gedient haben soll, regt die Fantasie an. Wer aufmerksam lauscht, kann den Elfenkönig sogar rufen hören.

Wieder auf dem „Hohen Weg“ angekommen, gelangt man bald zum Wasserwerk. Das denkmalgeschützte Gebäude aus dem Jahr 1906 ist von außen architektonisch reizvoll und präsentiert innen modernste Technik. Die sorgt dafür, dass stündlich maximal eine Million Liter Trinkwasser aufbereitet werden können. Der Münsterländer Kiessandzug, über dem die Hohe Ward liegt, macht das Gebiet für die Trinkwassergewinnung so wertvoll. Das Wasser ist Teil eines interessanten Naturlehrpfades, den die NABU-Naturschutzstation Münsterland angelegt hat.

Der Gedenkstein am „Galgenknapp“ erinner an die frühere Gerichtsstätte. Foto: Christiane Husmann

Quasi um die Ecke liegt der „Galgenknapp“ mit seiner schaurigen Geschichte. Ein leichter Anstieg führt zu einem Gedenkstein, der vor einigen Jahren von den Heimatvereinen Hiltrup und Albersloh aufgestellt wurde. Die Inschrift auf einer Plakette erzählt aus der grausigen Vergangenheit des ehemaligen Gerichtsplatzes: „Etwa 75 Meter nördlich seines Standorts wurden um 1880 bei Sandabgrabungen auf dem sogenannten „Galgen­knapp“ menschliche Skelettrest gefunden. Darunter 13 Schädel, durchbohrt von einem eisernen Nagel, der unter dem Kinn umgebogen war. Auf diese Weise sollte der Gerichtete mundtot gemacht werden.“

Froh, wieder in der Gegenwart angekommen zu sein, kann man sich vorbei an der Hexenkuhle zum höchsten Punkt der Hohen Ward machen: Der Brücke über die Eisenbahn. Hat man die überwunden, wartet der idyllisch gelegene Steiner See in Hiltrup auf die Ausflügler. Der See entstand durch Sandabbau, der von 1913 bis 1967 hauptsächlich für den Bau der Bahnstrecke „Preußen-Münster“ zwischen Münster und Capelle benötigt wurde.

Seit 1963 gelten weite Teile der Hohen Ward als Wasserschutzgebiet. Dazu gehört auch der Steiner See. Deshalb wird auf Schildern gemahnt: Baden verboten. Doch bis vor einigen Jahren schlugen Badefreunde und Strandnixen die Gebote in den Wind. Heute sieht man fast nur noch Enten, Schwäne und schwimmtüchtige Hunde den See erobern.

Nicht mehr weit, und die Hohe Ward endet dort, wo das „Tor zur Davert“ das nächste große Waldgebiet eröffnet. Heute trennt die Bundesstraße 54 die Hohe Ward von der Davert. Hat man die viel befahrene Straße sicher überquert, findet man am Haus Heidhorn die NABU-Naturstation Münster, die unter anderem ein „Grünes Klassenzimmer“ zu bieten hat. Wohl nicht nur für Kinder ein attraktives Ausflugsziel.

Zurück in der Hohen Ward, hat man noch viele Möglichkeiten, das große Waldgebiet zu entdecken. Per pedes oder Rad kann beispielsweise ein 13 Kilometer langer Naturlehrpfad erkundet werden, der viel Wissenswertes über die Hohe Ward vermittelt. Ist man als Reiter hoch zu Ross unterwegs, führt ein 11,6 Kilometer langer Reitweg durch dichten Wald. Egal, wie man sich fortbewegt oder einfach nur mal steht: Die Hohe Ward präsentiert eine vielfältige Natur, die nicht nur mit einer artenreichen Flora und Fauna punkten kann. Auch viele Tiere, die sich allerdings nicht immer zeigen, haben ihren Lebensraum in der Hohen Ward. Um sie zu schützen, gilt es, die ausgewiesenen Pfade nach Möglichkeit nicht zu verlassen. Muss man auch nicht. Es besteht durchaus die Chance, dass man auf eine Ringelnatter trifft, die auf dem Weg ein Sonnenbad nimmt. Oder Damwild linst durchs dichte Gehölz. Wenn man die scheuen Tiere vors Auge bekommen kann, ahnt man: Das Abenteuer fängt vor der Haustür an.

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