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Franz-Josef Schlüter erinnert sich an eine tolle Zeit

66 Jahre lang Lektor gewesen

Telgte

66 Jahre lang hat Franz-Josef Schlüter als Lektor in der heimischen Kirchengemeinde gewirkt.

Von A. Große Hüttmann

66 Jahre lang war das ein gewohntes Bild für die Kirchenbesucher: Franz-Josef Schlüter am Ambo beim Vortragen der biblischen Texte. Foto: Andreas Große Hüttmann

An den peinlichsten Moment seiner Zeit als Lektor kann sich Franz-Josef Schlüter noch gut erinnern. Da die Clemenskirche wegen Renovierungsarbeiten geschlossen war, hatte er die Aufgabe, in einem Pfingst-Gottesdienst in der Johanneskirche die Lesung vorzutragen.

In der Sakristei hatte er sich noch erkundigt, ob das Lektionar auf dem Ambo liege. „Ja, und mit dem roten Faden finden Sie die aktuelle Lesung“, hatte der Küster zu ihm noch gesagt. Wenig später schritt Franz-Josef Schlüter zum Ambo, schlug die passenden Seite auf und begann mit den ersten Sätzen. Dann lief es ihm eiskalt den Rücken herunter, denn in großen Lettern stand „Lesung von Christi Himmelfahrt“.

Während der erfahrene Lektor den nächsten Satz anging, spielten seine Gedanken verrückt. Abbrechen und die passende Lesung suchen, weiterlesen oder was war passend? Schlüter entschied sich dafür, mit Routine so zu tun als sei alles in Ordnung und den Text bis zum Ende vorzutragen. „Und am Ende hat es nur der Priester gemerkt“, muss er noch heute schmunzeln.

Als Franz-Josef Schlüter von seinem Lehrer Heinrich Bettels im Unterricht angesprochen wurde, ob er nicht beim nächsten Schulgottesdienst im Jahre 1956 der Clemensschule einen Text vortragen könnte, da hätte der heute 76-Jährige nicht gedacht, dass daraus ein 66 Jahre währendes kirchliches Engagement werden könnte.

Noch gut in Erinnerung ist Franz-Josef Schlüter noch eine andere Begebenheit. Im Rahmen der sonntäglichen Christenlehre in der Kirche nahm ihn Propst Bringemeier zur Seite und bat ihn, einen Text zu lesen. „Ich hatte einen roten Kopf und war total aufgeregt“, erinnert er sich noch gut.

Die Aufregung wich in den kommenden Jahren und Jahrzehnten der Routine. Doch bei besonderen Gottesdiensten, etwa an Weihnachten oder wenn ein Bischof beispielsweise zur Wallfahrtseröffnung in Telgte war, hatte Schlüter das eine oder andere Mal noch etwas Lampenfieber. Das war vor allem bei einer Kutschenwallfahrt auf der Planwiese der Fall, als ein Filmteam Nahaufnahmen vom Lektor machte, während er den biblischen Text vortrug.

Bereut hat Franz-Josef Schlüter, der neben dem Lektorendienst im Laufe der Jahre zahlreiche kirchliche Ehrenämter innehatte, seine Aufgabe nie. Im Gegenteil: „Als ich das letzte Mal als Lektor im Einsatz war, da schwang viel Wehmut mit“, sagt er. „Ich verbinde viele schöne Erlebnisse und Gottesdienste mit dieser Aufgabe“, sagt der Telgter, der jahrelang auch die Lektoren-Einsatzplanung in der Kirchengemeinde St. Marien übernommen hatte.

Letztere Aufgabe hat er an Andreas Terborg übergeben, der sich nun um das Erstellen der Pläne kümmert. Und Franz-Josef Schlüter? Der kann nun ganz entspannt in der Kirchenbank sitzen und den anderen Lektoren beim Vortragen zuhören.

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